ViennaFlight: Selbst "fliegen" für alle

Seit knapp einem Jahr kann man im zweiten Bezirk in Wien mit einem Airbus A320-Simulator virtuell abheben. Austrian Aviation Net hat sich mit Gerhard Lück, dem Geschäftsführer von ViennaFlight, unterhalten.

Fotos: ViennaFlight (Titel), Martin Metzenbauer

Für viele ist es ein Traum: Im Cockpit zu sitzen, die Schubhebel langsam nach vorne zu schieben und beim Kommando "rotate" den Sidestick eines Airbus nach hinten zu ziehen, um schließlich abzuheben. Beruflich bleibt der Platz im vordersten Teil eines Flugzeuges oft nur ein Wunsch, privat gibt es allerdings doch einige Möglichkeiten, zumindest in der Simulation abzuheben.

So kann man bei Lufthansa Flight Training am Flughafen Schwechat Fun-Flights mit einem voll beweglichen Simulator absolvieren - zweifellos ein Erlebnis, allerdings auch ein finanzielles. Als Alternative haben in den letzten Jahren in Wien einige Fun-Flight-Simulatoren eröffnet. So gibt es seit März 2012 in der Nähe des Praters den Betreiber ViennaFlight, der über einen A320- und einen Jetranger-Helikopter-Simulator. Austrian Aviation Net hat sich mit Gerhard Lück, dem Initiator und Geschäftsführer von ViennaFlight, unterhalten.

Austrian Aviation Net: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, ViennaFlight zu gründen? Was war der Hintergrund dazu?

Gerhard Lück: Wie viele in der Branche wollte ich von klein auf Pilot werden und habe mit 17 Jahren den Privatpilotenschein gemacht, mich bei Airlines beworben und die Aufnahmeprüfung beim Militär absolviert. Leider war dann die Stellungskommission eine unüberwindbare Hürde.

Die Faszination für die Luftfahrt ist allerdings immer geblieben, obwohl es mich beruflich in Richtung Psychologie und Psychotherapie verschlagen hat. Das Hobby Flugsimulation habe ich dabei allerdings immer weiter betrieben.

Vor ein paar Jahren sind dann die ersten semiprofessionellen Simulatoren in Deutschland entstanden.  Damals habe ich das erste Mal daran gedacht, das Hobby zum Beruf zu machen. Meine Lebensgefährtin hat mich dabei auch bestärkt – im März 2010 habe ich dann mit der Planung des Projekts begonnen. Zwei Jahre später haben wir aufgesperrt!

Austrian Aviation Net: Sie haben ja sogar zwei Simulatoren im Einsatz?

Gerhard Lück: Wir haben einen Airbus-A320-Simulator, der dem Original 1:1 nachgebaut ist. Etwa 90 Prozent der Systeme funktionieren wie im "richtigen" Flieger. Systeme, die wir bei Fun Flights nicht benötigen, wie zum Beispiel die Sauerstoffmaske der Piloten oder Sicherungen, haben wir allerdings weggelassen. Auch bei den Sitzen haben wir auf die Originalität verzichtet, um unseren Simulator auch Rollstuhlfahrern zugänglich zu machen. Wir verwenden ein 180-Grad-Sichtsystem mit drei Beamern, welches für das Auge fast das Gefühl vermittelt, dass man wirklich abhebt.

Unser zweiter Simulator ist ein Bell 206 Jetranger, der in Kooperation mit Michael Anzenberger entstanden ist. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen 1:1-Cockpitnachbau dieses bekannten Helikopters. Er funktioniert  mit einem Beamer, optisch entsteht auch hier der Eindruck, dass man wirklich liegt.

Austrian Aviation Net: Auf welcher Software laufen die Simulatoren?

Gerhard Lück: Für die Sichtsysteme verwenden wir Prepar3D, also die Weiterentwicklung und gewerbliche Lizenz des Microsoft X. Die Systeme des Airbus werden von einer eigenen Software der Firma AST simuliert, die speziell für solche Geräte entwickelt wurde. Beim Helikopter funktioniert das ähnlich.

Austrian Aviation Net: Was genau haben Sie bei ViennaFlight im Angebot?

Gerhard Lück: Da wären einmal unsere Funflights für Leute, die luftfahrtinteressiert sind oder einfach einmal ausprobieren möchten, wie es in einem Cockpit aussieht und wie man ein Flugzeug vom Prinzip her fliegt.

Eine andere Zielgruppe sind Firmen, die hier Events für bis zu 30 Personen abhalten können. Dabei werden in Verbindung mit Catering beide Simulatoren in Betrieb genommen. Eine Gruppe fliegt dann A320, eine andere Jet Ranger. Dazwischen kann man sich in der VIP Lounge erholen und stärken. Im Hintergrund laufen in der Zwischenzeit reale Flugvideos, um die Atmosphäre abzurunden.

Außerdem bieten wir dreitägige Flugangstseminare an. Dabei haben wir einen psychologischen und einen technischen Teil, bei dem Fragen zum Fliegen selbst beantwortet werden. Was uns aber von anderen Anbietern von solchen Seminaren abhebt ist, dass wir die Teilnehmer am dritten Tag selbst am Simulator fliegen lassen. Sie erleben also das, was ihnen eigentlich Angst macht und lernen beispielsweise, dass das Flugzeug nicht gleich abstürzt, wenn einmal ein Triebwerk ausfällt. Das zeigen wir mit unseren realen Berufspiloten, dass dem nicht so ist.

Austrian Aviation Net: Auch die Funflights finden mit echten Piloten statt?

Gerhard Lück: Ja. Ich habe sehr viel Wert darauf gelegt, dass alle unsere Instruktoren nicht nur aus der reinen Flugsimulator-Szene kommen, sondern auch reale Piloten sind. Teilweise sind sie auch bei heimischen Fluglinien tätig. Vor dem Flug erhält der Besucher bei uns ein dreißigminütiges Briefing, bei dem alle notwendigen Systeme und Schalter erklärt werden, die wir für die Flugdurchführung benötigen. Danach folgt die Stunde Flug mit verschiedenen Manövern. Anschließend gibt es dann noch ein Debriefing. Bis zu fünf Personen können übrigens bei dem Flug dabei sein – wir haben hier eine kleine Kabine eingerichtet.

Austrian Aviation Net: Warum haben Sie sich eigentlich für den Airbus entschieden?

Gerhard Lück: Zum einen gibt es in Wien bereits eine sehr gute Boeing 737 bei Fly737 – da wollten wir ein anderes Muster als Ergänzung anbieten. Zum anderen fasziniert mich persönlich die Airbus-Philosophie.

Austrian Aviation Net: Wenn man nun einen großen Keller und das notwendige Kleingeld zur Verfügung hat – was kostet eigentlich so ein Simulator für den Privatgebrauch?

Gerhard Lück: Wenn man es so haben will wie hier, würde ich schon 70 bis 80 Tausend Euro kalkulieren.

Austrian Aviation Net: Ist Ihr Simulator auch für professionelle Trainings einsetzbar?

Gerhard Lück: Er wäre einsetzbar, dafür müsste man aber um Zulassung als Flight Navigation & Procedures Trainer (FNPT) bei Austro Control ansuchen. Nach Einholung eines Fachgutachtens für solche Semiprofessionellen Simulatoren, das einen sehr kostspieligen und zeitintensiven Zulassungsprozess erwarten ließe, haben wir uns vorerst gegen eine solche entschieden.

Austrian Aviation Net: Sind Sie mit der bisherigen Resonanz und Besucherzahl zufrieden?

Gerhard Lück: Wir sind sehr zufrieden, das Angebot wird gut angenommen. Wir haben sozusagen den Take-Off absolviert und befinden uns im Steigflug. Mundpropaganda, Nachfrage und Buchungen nehmen zu. Wir sind beispielsweise bei Jolly Days vertreten und haben dort 100 Prozent positive Bewertungen. Das zeigt uns, dass wir für die Kunden den richtigen Weg einschlagen.

Austrian Aviation Net: Sie sind auch eine Kooperation mit der Aviation Academy Austria eingegangen. Wie sieht die aus?

Gerhard Lück: Ja, wir sind sozusagen eine erste Anlaufstelle für Menschen, die den beruflichen Weg ins Cockpit nehmen möchten. Bei uns finden dann in Zusammenarbeit mit der Aviation Academy Austria erste Orientierungsgespräche statt – unter anderem im Rahmen eines kostenlosen Beratungsschecks. Die Ausbildung erfolgt dann natürlich bei der Aviation Academy Austria.

Austrian Aviation Net: Was waren so die kuriosesten Ereignisse bei ViennaFlight?

Gerhard Lück: Wirklich verblüffend war ein zehnjähriger Bub, bei dem unser Autopilot nicht richtig funktioniert hat. Wir haben ihn daraufhin ausgeschaltet und sind in den Overspeed-Bereich gekommen. Der Bub hat darauf selbständig den Throttle zurückgenommen und die Nase angehoben – ohne dass ihn irgendjemand entsprechend instruiert hat. Ein anderes interessantes Erlebnis war der Besuch einer englischsprachigen Dame, die einen Fun-Flight gebucht hat. Als sie bei uns war, hat sie uns erzählt, dass sie Kapitänin auf der Boeing 737 einer großen europäischen Airline ist und einmal die Systeme des A320 ausprobieren wollte.

Austrian Aviation Net: Das erste Jahr haben Sie nun schon fast komplett über die Bühne gebracht. Was sind Ihre Wünsche und Pläne für die nächste Zeit? Denken Sie an Expansion?

Gerhard Lück: Wenn das Geschäft weiter so gut läuft, haben wir auch schon andere Flugsimulatoren im Blickfeld, um unsere Produktpalette zu erweitern. Auch über die Expansion in die Bundesländer denken wir nach.

Austrian Aviation Net: Was unterscheidet Sie von den neuen Mitbewerbern in Wien?

Gerhard Lück: Bei der Beantwortung dieser Frage erlauben wir uns einmalig, uns mit "fremden Federn" zu schmücken und möchten die Bewertungen unserer Kunden auf Jollydays zitieren: "Hervorragende Erklärungen und auf jede Wünsche eingegangen!", "Freundliches, kompetentes Personal. Kann man nur weiterempfehlen. Der Simulator steht natürlich im Mittelpunkt und der ist wirklich genial!", "Das Service von ViennaFlight war vom ersten Telefonkontakt an mehr als perfekt.  Wir hatten von der ersten bis zur letzten Minute das Gefühl, dass man sich hier über uns freut und sehr um jedes Detail bemüht ist. Der Flug an sich war sehr realitätsnah und auch der Instruktor vermittelte in jedem Augenblick das Gefühl, dass man sich auf einem richtigen Flug befindet. Diese Professionalität des gesamten Staff machte das Fehlen einer beweglichen Plattform des Simulators mehr als wett", "Sehr realistisches Fluggefühl. Sehr freundliche Betreuung vor Ort. Sehr zu empfehlen für alle Flugbegeisterte!" (jeweils Jollydays).

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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