Viele Stolpersteine für Belair-Neustart

Hoher Finanzbedarf.

Ob Belair jemals wieder abheben wird, ist nicht in trockenen Tüchern. Im Bild: Eine Boeing 767, aufgenommen in 2005 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die schweizerische Air-Berlin-Tochter Belair wurde diese Woche an die Düsseldorfer SBC AG verkauft, doch ein Neustart des Carriers muss zahlreiche Steine, die im Weg liegen beseitigen. Bislang war das Unternehmen stark in die Air-Berlin-Group eingebunden, so dass viele Aufgaben von Air Berlin und Niki erledigt wurden. Auch verfügt Belair momentan weder über AOC, noch Betriebsbewilligung.

Die SBC AG kündigte in ihrer Medienmitteilung an, dass ein baldiger Neustart geplant ist. So sollen die Jets noch in 2018 abheben. Allerdings verfügt Belair momentan über kein Fluggerät, so dass die SBC AG entsprechende Maschinen leasen oder kaufen muss. Das Personal ist gekündigt und viele sind bereits bei Mitbewerbern untergekommen. Zwar bietet die SBC AG eine Comeback-Option an, jedoch dürften viele von dieser Variante keinen Gebrauch machen.

Als besonders pikanter Stolperstein gilt allerdings, dass Belair laut einer mit der Sache vertrauten Person noch erhebliche Außenstände beim Personal hat. So müssen zunächst rund 1,3 Millionen Schweizer Franken an die ehemaligen Angestellten ausbezahlt werden. Das bedeutet konkret, dass die SBC AG erstmal 1,3 Millionen Franken an das ehemalige Personal verteilen muss, jedoch ohne Garantie dafür, dass die Menschen dann auch wieder für Belair arbeiten.

Weiters hat die einstige Air-Berlin-Tochter keine eigene Verkaufsplattform, denn dies wurde bislang über Air Berlin abgewickelt. Die Betreuung von Großkunden wurde seit einiger Zeit von Schwestergesellschaft Niki übernommen. Belair muss also eigene Vertriebssysteme anschaffen und auch ein Verkaufsteam für Charter-Sales auf die Beine stellen.

Nicht gerade vorteilhaft ist dabei, dass nahezu alle Vollcharter für die Saison 2018 bereits von den Reiseveranstaltern bei anderen Fluggesellschaften gebucht wurden. Das bedeutet, dass nur wenig Potential für Aufträge im touristischem Bereich besteht. Auch der ACMI-Markt gilt als derzeit gut bedient.

Für einen erfolgreichen Neustart muss die SBC AG also richtig viel Geld in Belair investieren, da auch die entsprechende finanzielle Leistungsfähigkeit der Airline gegenüber dem Bazl nachgewiesen werden muss. Auch ist mit hohen Anlaufverlusten zu rechnen, da das Sommergeschäft bereits weitgehend an Mitbewerber vergeben ist.

Unter Betrachtung aller Stolpersteine würde es einem kleinen Wunder gleichen, wenn sich Belair tatsächlich wieder in die Lüfte erheben könnte und dann auch noch profitabel fliegen würde. Die weitere Entwicklung bleibt daher abzuwarten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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