Viel Licht bringt auch Schatten

Der Flughafen Wien entwickelt sich derzeit sehr gut. Allerdings könnte er in den nächsten Jahren über seinen eigenen Erfolg stolpern.

Die Vorstände der Flughafen Wien AG Günther Ofner (links) und Julian Jäger (Foto: Martin Metzenbauer).

2018 war für den Flughafen Wien wohl tatsächlich ein Traumjahr: Statt des erwarteten verhaltenen Wachstums nach der Air-Berlin- und Niki-Pleite katapultierte der Airport seine Passagierzahl geradewegs in die Höhe. Mehr als 27 Millionen Reisende nutzten den wichtigsten Flughafen Österreichs - ein Plus von rund 10 Prozent. Insgesamt 24 Destinationen wurden aufgenommen, gleich acht neue Airlines (Wizz Air, Saudia, Flynas, Level, Laudamotion, Air Arabia Maroc, Hainan Airlines und Nouvelair) konnte der Airport begrüßen - drei davon haben in Schwechat Basen mit insgesamt 15 Flugzeugen errichtet. Und auch heuer soll es in diesem Stil weitergehen: Die beiden VIE-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger erwarten für 2019 rund 30 Millionen Fluggäste, was abermals einem Sprung von 10 Prozent entspricht.

Doch wird sich das tatsächlich ausgehen? Schließlich sind beispielsweise vorerst "nur" zwei echte neue Langstrecken (Montreal und Tokio-Haneda) geplant. Die Wien-Vorstände dürften in diesem Segment allerdings offenbar noch den einen oder anderen Trumpf in der Tasche haben. So erklärte Julian Jäger im Rahmen der Jahresauftakts-Pressekonferenz am Dienstag, "optimistisch für eine weitere China-Destination" zu sein. Außerdem würde er sich eine Verbindung nach Lateinamerika wünschen. Man wird sehen, welche Überraschungen das Jahr hinsichtlich neuer Interkont-Routen so bringt - für die eine oder andere Surprise war der Airport ja auch schon in den letzten Jahren gut.

Künftig bis zu 30 Prozent Low-Cost-Anteil
Und wie sieht es bei den Billigfliegern aus, die ja 2018 die Wachstumstreiber schlechthin waren? Schließlich zeigten sich hier nach dem ersten Hype auch schon einige Anpassungen im Streckennetz. Für Julian Jäger ist hier das Ende der Fahnenstange trotzdem noch nicht erreicht - er geht sogar von einer weiteren Aufstockung des Passagieranteils von 23,7 Prozent im Vorjahr auf bis zu 30 Prozent aus. Zur Erinnerung: Noch 2017 waren lediglich 16,4 Prozent der Wien-Passagiere mit Billigfliegern unterwegs. Heuer soll jedenfalls wieder mit neuen Strecken gepunktet und die Fluggastzahlen im Low-Cost-Segment erhöht werden. Nach derzeitigem Stand sind gibt es neue Flüge von Vueling nach Florenz, von Volotea nach Bordeaux, von Laudamotion nach Kiev und Stuttgart, von Wizzair nach Malmö, Mailand, Madrid, Stockholm und Reykjavik sowie von Level nach Hamburg, Porto, Kopenhagen, Calvi und Genua. Also eine ganze Menge neuer Ziele, die wohl abermals zu einem gewissen Wachstum beitragen werden.

Für 2018 sieht Jäger auch noch einen "Nachzieheffekt" für die Passagierzahlen nach der 2018er-Billigflieger-Invasion, da Level, Laudamotion & Co. noch nicht über das gesamte Vorjahr aktiv gewesen sind. Etwas weiter in die Zukunft blickend, erwartet der Wien-Vorstand allerdings wieder ein etwas gedämpfteres Wachstum (O-Ton Jäger: "Alles andere wäre eine Überraschung") und auch von Verschiebungen innerhalb der Low-Cost-Carrier geht er aus. Apropos: Einen Langstrecken-Billigflieger sieht Jäger für heuer noch nicht in Wien - "früher oder später gehe ich aber davon aus, dass diese auch kommen werden", so der Flughafenvorstand.

Neben Billigfliegern und neuen Langstreckenzielen erwartet sich Julian Jäger vor allem ab nächstem Jahr einen zusätzlichen positiven Effekt durch die Fokussierung von Austrian Airlines auf den Flughafen Wien. Zum zuletzt brennenden AUA-Thema "Bundesländerflüge" erklärte er: "Die Bundesländerflüge sind uns wichtig. Wir werden uns engagieren, dass sie bestehen bleiben."

Bauvorhaben ante portas
Vorstandskollege Günther Ofner - unter anderem für die Finanzgebarungen zuständig - zeigt sich ebenfalls erfreut über das Ergebnis des Vorjahres: Für 2018 wird ein Periodenergebnis von über 148 Millionen Euro und für heuer sogar von mehr als 165 Millionen Euro erwartet - mit positiven Auswirkungen auf die Dividendenzahlungen. Diese sollen für das Vorjahr um sage und schreibe 30 und für heuer noch einmal um 20 Prozent steigen. Mit so einem Ergebnis samt respektablem Schuldenabbau der letzten Jahre lassen sich auch die Bauvorhaben der nächsten Jahre leichter realisieren.

Geplant ist ja hier einiges: Bis 2023 wird die Terminalentwicklung (Umbau Terminal 2, Revitalisierung Pier Ost und die Terminalsüderweiterung) umgesetzt. Begonnen wird hier demnächst mit der Sanierung des maroden Terminaldachs, der Errichtung einer neuen Lounge auf 3.000 Quadratmetern im Bereich des alten Panoramarestaurants, einer zentralen Sicherheitskontrolle im Bereich der früheren Check In Schalter sowie von vier neuen Gepäcksausgabebändern. In den nächsten Monaten will man auch die Vorfahrtsituation verbessern und eine Entflechtung von Fußgängern und Autos schaffen.

Das alles soll jedenfalls helfen, für rund 35 Millionen Passagiere im Jahr 2025 und 40 Millionen Fluggäste fünf Jahre später vorbereitet zu sein - wenn denn das Wachstum (in wie erwähnt etwas abgeschwächter Form) weitergeht. "Viel Licht bringt auch Schatten", zeigt sich Günther Ofner allerdings auch etwas besorgt. Steigende Passagierzahlen, neue Betriebsansiedelungen, das neue Hotel (dessen Betreiber übrigens in den nächsten Wochen bekannt gegeben werden soll) bringen auch mehr Verkehr - landside und airside.

"Wenn nicht rechtzeitig die Anbindung an den Flughafen verbessert wird, droht ein Verkehrsinfarkt", schildert Ofner seine Befürchtungen. So müsse das Schienennetz nach Wien und Bratislava verbessert werden. Derzeit sind beispielsweise keine zusätzlichen Frequenzen für den CAT möglich. Aber auch Kapazitätserweiterungen auf der A4 und der S1 müsse man sich ansehen. Westlich des Flughafens soll eine neue Anschlussstelle der A4 (vor allem für den Schwerverkehr) realisiert werden.

Und natürlich geht es auch um das Dauerthema dritte Piste: Zwar ist Julian Jäger optimistisch, mit einem Zwei-Pisten-System bis zu 40 Millionen Passagiere irgendwie abfertigen zu können. Probleme mit Slot-Verfügbarkeiten und dergleichen sehen die Wien-Vorstände schon früher. Günther Ofner hofft auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes in der ersten Jahreshälfte - sollte diese negativ ausfallen, werde das Flughafenmanagement künftig angesichts fehlender Wachstumsprognosen zu einem Mängelverwalter. 

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

    Special Visitors

    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF
    easyJet Europe / OE-IVA
    Belgian Air Force (Hi Fly) / CS-TRJ
    Air X Charter / 9H-AHA
    Vueling / EC-MYC

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller