VIE im Flug

Vor 75 Jahren landeten das erste Mal Flugzeuge auf dem Flughafen Wien Schwechat. Grund genug, ein paar kurze Blicke auf die Entwicklung des Wiener Flughafens zu werfen.

Das ursprüngliche Abfertigungsgebäude, rechts im Bild: zerstörte Ruinen der Heinkel Werke (Archiv Flughafen Wien)

Das ursprüngliche Abfertigungsgebäude, rechts im Bild: zerstörte Ruinen der Heinkel Werke (Archiv Flughafen Wien)

Obwohl die Luftfahrt in Wien schon 1912 mit der Eröffnung des Flughafen Aspern begonnen hatte, entstand der Hauptstadt Flughafen an seinem heutigen Standort am Beginn einer dunklen Periode in der österreichischen Geschichte.  Kurz nach dem Einmarsch der national-sozialistischen Truppen wurde am 14.05.1938 der Spatenstich durch Hermann Göring für den Fliegerhorst  Schwechat-Haidfeld gelegt. Während des Krieges als Jagdfliegerschule genutzt, wurden ab 1942 auch Heinkel-Strahlenflugzeuge gefertigt, wobei auch KZ-Häftlinge zum Einsatz kamen.


Der ehemalige Tower heute (Foto: Stefan Stiedl) 

Nach Kriegsende übernahmen die Briten das schwer zerstörte Flugfeld und installierten die Royal Air Force Station-Vienna. Notwendige Instandsetzungsmaßnahmen wurden umgesetzt und erste Passagierdienste – außschließlich durch ausländische Fluggesellschaften – durchgeführt.


Der neu 1960 errichtete Flughof; im Hintergrund der Tower, welchem später noch eine Kanzel aufgesetzt wurde. Solch ausladende Besucherterrassen und pittoreske Vorfeldbepflanzungen sind heute auf internationale Flughäfen undenkbar. (Foto: Archiv Flughafen Wien)

Erst gegen Ende der Besatzungszeit in den beginnenden 1950er-Jahren kommt der Flughafen wieder mehr und mehr in österreichische Hand und so wird 1953 die Wiener Flughafen Betriebsgesellschaft gegründet (heute Flughafen Wien AG).  In weiterer Folge wird der Flughafen durch die ICAO als Class A Airport geführt und somit als internationaler Flughafen ausgebaut.


Foto: Archiv Flughafen Wien


Foto: Archiv Flughafen Wien

Ein erster großer Schritt dabei ist der Bau des Flughofes mit angrenzenden, weiteren Betriebs- und Abfertigungsgebäuden, die 1960 eröffnet werden. Bis dahin war die Passagierabfertigung in einem Gebäude untergebracht, welches bis zuletzt der Hauptfeuerwache als Quartier diente – Neben dem Cargo Center ist es mit seinem Türmchen (einst Tower und dann als Wachturm in Verwendung) noch heute auszumachen.

Der lichtdurchflutete Flughof wurde so angelegt, dass er durch geringe Adaptionen für höhere Passagierzahlen – 1960 wurden weit unter 1 Million Passagiere abgefertigt – rasch erweitert werden konnte. So wurde zu Beginn der 70er-Jahre auf ein 2 Ebenen System (eine Etage Abflug, eine Etage Ankunft) umgestellt.  Das zentrale Flughofgebäude  war bis vor kurzem als Terminal 2 in Betrieb und stellt sich jetzt nach der Eröffnung von Skylink einer ungewissen Zukunft. (Bemerkung am Rande: Während sich der Linoleum-Boden um Skylink nach wenigen Wochen wellte, spaziert man noch heute auf dem originalen Steinboden von 1960 durch den ehemaligen Flughof…) Gebäude wie der Kontrollturm als auch die wahrlich riesige Besucherterasse sind heute nicht mehr vorhanden.


Abflugbereich des Flughofens (Foto: Archiv Flughafen Wien)


Transitbereich (Foto: Archiv Flughafen Wien)


Eingangsbereich (Foto: Archiv Flughafen Wien)


Der ehemalige Eingangsbereich des Flughofes im Jahr 2013 (Foto: Stefan Stiedl)

Während die ursprüngliche Piste 11/29 (damals aufgrund der „Wanderung“ des magnetischen Nordpols noch 12/30) im Laufe der Zeit von 1500m schrittweise auf 3500m erweitert wurde, konnte im Jahr 1977 die zweite Start- und Landebahn 16/34 dem Betrieb übergeben werden. Schon damals waren ihrer Eröffnung lange Verhandlungen mit Ausbaugegnern vorausgegangen. Damalige Prognosen verhießen dem Pistensystem eine Kapazität von 7,5 Millionen Passagieren (heute mit immer noch 2 Pisten sind es mehr als 22 Millionen).


Luftbild aus den späten 1960er-Jahren (Foto: Archiv Flughafen Wien)

Während der Flughafen in den Jahrzehnten luft- und landseitig stetig erweitert wurde, verbesserte sich auch die Anbindung and die Stadt durch den Bau der Ostautobahn sowie dem unterirdischen S-Bahnhof. Gleichfalls stieg auch das Passagieraufkommen stetig und so wurden 1986 über 3,4 Millionen Passagiere in VIE gezählt. In diesem Jahr begann auch der Bau von Pier Ost, der die ersten Passagierbrücken nach Wien brachte und heute für Non-Schengen Flüge genutzt wird. Der große Bruder Pier West wurde 1995 eröffnet und beherbergt heute in erster Linie Niki/Airberlin.


Pier Ost kurz vor der Eröffnung 1988 (Foto: Archiv Flughafen Wien)


„Mittagsruhe“ an den beiden Piers im Jahr 2013 (Foto: Stefan Stiedl)

In die Jahre um 1990 fällt auch der Bau von Check-In 1 mit den anschließenden Shoppingarkaden und Parikaus 3 sowie der Ankunftshalle, die mittlerweile dem neuen Bahnhof – hier sollen in 2 Jahren auch Fernzüge halten – zum Opfer gefallen ist.


Die Baustelle für den neuen Fernbahnhof. Im Hintergrund von rechts nach links: Check-In 1A, Check-In 1 und der ehemalige Flughof (Check-In 2) - Foto: Stefan Stiedl.

Die nächste große Bauwelle gab es in den Anfangsjahren des neuen Jahrtausends als mit der EU-Osterweiterung die Passagierzahlen rasant stiegen und sich auch die ersten Billigflieger in Wien niederliesen. Neben dem „provisorischen“, mittlerweile seit fast zehn Jahren existierenden Check-In 1A eröffnete 2005 das neue Wahrzeichen des Flughafens, der 109 Meter hohe Kontrollturm. Er beherbergt nicht nur die Flugplatzkontrolle sondern unter anderem auch die Meteorologiestation, das NOTAM Office, Movement Control und die Anflugkonstrollstelle für Wien.


Foto: Stefan Stiedl

Im Nordosten des Towers breitet sich der über die Jahre gewachsene Office Park aus. Wie am Vorfeld die Luftfahrzeuge liegen hier die Räumlichkeiten des Flugbetriebs von Niki und Austrian/Tyrolean nah beieinander. Aber auch der Flughafen selbst hat sein „Headoffice“ hier bezogen. Besucher wiederum kommen im Visitair Center auf ihre Kosten.


Foto: Stefan Stiedl


Foto: Stefan Stiedl

Das Highlight des 1998 vorgestellten Masterplans stellt der neue Terminal dar, dessen Name „Sky-Link“ nach Kosten- und Bauzeitüberschreitung in „Check-In 3“  geändert wurde. Dieses Check-In beherbergt primär Austrian und Star Alliance Airlines. Ein Niveau tiefer befindet sich die neue Ankunftshalle mit zahlreichen Shops und Gastronimien. Die Gates, von den 17 mit Fluggastbrücken ausgestattet sind, können sowohl  für Schengen als auch Non-Schengen Verkehr genutzt werden.


Foto: Stefan Stiedl


(Foto: Flughafen Wien AG/Roman Bänsch)

Man darf gespannt sein, was die nächsten Jahre für den Flughafen Wien bringen, nachdem 2013 das erste Mal  stagnierende Fluggastzahlen zu verzeichnen sein werden. Nichtsdestotrotz gibt es Ausbaupläne genug: Die langersehnte 3. Piste durchläuft  zurzeit ein Umweltverträglichkeitsverfahren und das neue Terminal kann bei Bedarf modular erweitert werden.


Gebäude aus der Gründerzeit von Wien Schwechat vor dem in den 2000ern eröffneten Cargo Center. (Foto: Stefan Stiedl)


Foto: Stefan Stiedl


Foto: Stefan Stiedl


Foto: Stephan Stiedl

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