Vida zu Hofer: "Steigen Sie nicht in Lufttaxis ein"

Gewerkschaft kritisiert Drohnen- und Remote-Towerpläne des österreichischen Verkehrsministers heftig.

Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer, FPÖ (Foto: BMVIT / Thomas Jantzen).

Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer kündigte kürzlich an, dass er ein Forschungsprojekt zum Einsatz von Drohnen für die Verwendung als Lufttaxis für Passagiere fördern wird. Auch will er selbst entsprechende Probeflüge durchführen. Die Gewerkschaft Vida kritisiert dies heftig und appelliert an das Regierungsmitglied, dass er doch "dringend von eigenen Probeflügen mit Lufttaxis" absehen sollte, "da derartige Flüge ein Sicherheitsrisiko darstellen".

"Dem Herrn Minister müsste eigentlich klar sein, dass aus diesem Grund laut Luftfahrtrecht solche privaten Testflüge insbesondere über dichtbebautem Gebiet grundsätzlich verboten sind und es erst gesonderter Landegenehmigungen bedarf und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine verantwortungsvoll handelnde Behörde wie die Austro Control dafür eine Genehmigung erteilen wird", erklärt Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereits Luftfahrt in der ÖGB-Teilgewerkschaft Vida.

Der Verkehrsminister kündigte vor Journalisten allerdings keine Flüge über bewohntem Gebiet an, sondern sagte, dass er sich Testflüge über militärischem Sperrgebiet vorstellen könne. Er wäre diesbezüglich mit seinem Ministerkollegen in Gesprächen und hofft, dass im kommenden Jahr dort erste Probeflüge durchgeführt werden können. Eine konkrete Fläche benannte er allerdings noch nicht.

Hofer hofft darauf, dass im Frührjahr 2019 die entsprechenden Tests starten können. Er selbst habe - wie Hofer auf einer Pressekonferenz erklärte - schon in pilotenlosen Lufttaxis gesessen und beschrieb dies als "eigenartiges Gefühl". Dennoch geht er davon aus, dass "Lufttaxis etwas sein werden, das unser Alltagsbild prägen wird. Das ist die Gegenwart und nicht die Zukunft, denn diese Drohnen fliegen bereits im Ausland und werden hoffentlich bald auch in Österreich fliegen."

Partner des Verkehrsministeriums ist die FACC AG, die das Muster "EHangs 184" innerhalb von zwei Jahren zur Serienreife bringen soll. Dieses Projekt soll seitens des BMVIT gefördert werden. Der Hauptvorteil für Betreiber soll darin liegen, dass die Anschaffungskosten unter einer halben Million Dollar liegen sollen und damit nur einen Bruchteil der Kosten eines Hubschraubers ausmachen sollen.

Gewerkschaft kritisiert Remote-Tower-Überlegungen

Während im deutschen Saarbrücken kürzlich ein so genannter Remote-Tower in Betrieb genommen wurde, sieht der Arbeitnehmervertreter die möglichen Einsatzmöglichkeiten für Österreich äußerst kritisch und kann die Befürwortung von Verkehrsminister Norbert Hofer nicht nachvollziehen: "„Diese Technologie ist einerseits noch nicht ausreichend erprobt und andererseits ist auch unklar, inwieweit das zu Kosteneinsparungen bei der Infrastruktur führen würde. Schließlich kann man die Lotsen ja nicht im Freien arbeiten lassen und muss auch abseits der Airports entsprechende Infrastruktur errichten. Auch billige Container oder andere ‚Baracken‘, durch die der Wind pfeift, wird es mit uns sicherlich nicht spielen. Deshalb sollte Verkehrsminister Hofer seine Begeisterung auch in dieser Angelegenheit etwas zügeln, bevor nicht vollständig abgeklärt ist, ob und inwieweit die Remote-Towers-Technologie Nachteile für die Sicherheit beinhaltet und welche Verschlechterungen für die Arbeitsbedingungen der Lotsen durch aus dem Flughafengelände ausgelagerte Infrastruktur drohen."

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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