Vida und WKO streiten neuerlich über Branchen-KV

Gewerkschaft will ihn, Arbeitgebervertretung allerdings nicht.

Foto: Martin Metzenbauer.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund fordert über seine Teilbereiche GPA-DJP und Vida schon seit vielen Jahren einen Branchenkollektivvertrag für die heimische Luftfahrt. Der Gegenpart auf Arbeitgeberseite, die Wirtschaftskammer, lehnt dies allerdings vehement ab.

Nun nimmt die Gewerkschaft Vida auf eine Äußerung von AUA-Vorstandsmitglied Andreas Otto, die er Anfang September gegenüber Austrian Aviation Net tätigte, direkten Bezug, denn der Manager befürchtet in Wien "Preisschlachten und Blutbäder". Für die Arbeitnehmervertreter führt, um dies verhindern zu können, kein Weg an einem Branchen-KV vorbei.

Ein solcher Kollektivvertrag würde dann theoretisch für alle kommerziellen Passagierluftfahrtgesellschaften in Österreich gelten. Dies würde sowohl heimische Airlines als auch Stützpunkte ausländischer Anbieter auf österreichischem Boden einschließen. Theoretisch deswegen, weil es keinen solchen Branchen-KV gibt und die Wirtschaftskammer einen solchen nicht haben möchte. 

"Die WKO stellt sich seit Jahren bei dem von der Gewerkschaft geforderten Branchenkollektivvertrag quer. Sollte ein derartiges ‚Blutbad‘ tatsächlich eintreffen, dann wird in erster Linie das Blut der Airline-Beschäftigten als schwächstes Glied in der Kette vergossen. Das geht dann ganz klar allein auf das Konto der Wirtschaftskammer“, warnt Vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz, der die Schuld für "Preisschlachten und Blutbäder" allein bei der Wirtschaftskammer sieht. "Durch die drohenden Überkapazitäten und Preisschlachten am Flughafen Wien und der im Anschluss zu erwartenden Marktbereinigung werden die MitarbeiterInnen auf dem Altar des Wettbewerbs geopfert."

Für die WKO äußerte sich Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt in der Wirtschaftskammer Österreich, in einer Aussendung verwundert: "Das Beharren der vida auf einem Branchen-Kollektivvertrag ist für uns unverständlich, ebenso ihr ständiges Verunsichern der Unternehmen und Beschäftigten in der Branche." Gleichzeitig fordert er "eine Rückkehr zu sachlicher Diskussion".

"Sämtliche Low-Cost-Carrier am österreichischen Markt bedienen im Wesentlichen das gleiche Streckennetz und mit dem Airbus-A320 haben sie auch die gleichen Betriebsmittel. In kaum einer anderen Branche sind die Arbeitsplätze so stark standardisiert wie beim fliegenden Personal für Flugzeuge ab 19 Sitzplätzen", gibt Schwarcz zu bedenken. Die Wirtschaftskammer müsse daher umdenken, damit tausende MitarbeiterInnen einer ganzen Branche nicht mehr im kollektivvertragslosen Zustand und im sozialen Vakuum stehen müssen.

"Fest steht, dass ein Branchen-KV, wie die vida ihn immer wieder möchte, höchstens Unternehmen abschrecken wird, in Österreich einen Standort zu eröffnen. Die Konsequenz: Es gibt keine zusätzlichen Arbeitsplätze in Österreich und die Konkurrenz fliegt vom Ausland als Basis dieselben Destinationen an“, so Domany. Ein branchenweit einheitlicher KV sei daher in der Luftfahrt nicht die richtige Lösung. Er würde weder den Luftfahrtunternehmen und noch deren Mitarbeiter in Österreich helfen. „Ganz im Gegenteil: Ein Branchen-KV reduziert Arbeitsplätze und schwächt den Standort. Die Luftfahrt ist global strukturiert und eben kein Betrieb, der regional seine Produkte anbieten muss", kontert Domany. Die Branche sei daher mit anderen nicht vergleichbar.

In den kommenden Wochen will Schwacz mit den Gewerkschaftsgremien beratschlagen, wie dennoch eine KV-Branchenlösung umgesetzt werden könnte. "Es ist unser erklärtes Ziel, eine Entscheidung zu fällen, welchen Weg wir einschlagen werden, um – wenn notwendig – noch in diesem Jahr erste Maßnahmen einleiten zu können. Der gewerkschaftliche Aktionsradius ist in dieser Angelegenheit noch längst nicht ausgeschöpft. Diese Entscheidung werden wir mit Sorgfalt treffen. Denn im Unterschied zur Wirtschaftskammer sehen wir uns sehr wohl in einer aktiven Rolle, wenn es um den Standort Österreich und die Sicherung von guten Arbeitsplätzen geht", bekräftigt Schwarcz.

Dass tausende Mitarbeiter derzeit im kollektivvertragslosen Zustand und damit im sozialen Vakuum stünden, wie von der Gewerkschaft Vida behauptet, stimmt laut WKO nicht: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AUA haben einen KV, der KV für die Mitarbeiter von Eurowings Europe ist fertig, der KV für Laudamotion ist in Verhandlung und die Gespräche für einen KV für Level beginnen in Kürze. In diesem Sinne soll die Vida endlich ihre Anschuldigungen sein lassen und konstruktiv verhandeln“, so Domany.

 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Jet2.Holidays / G-JZHM
    Laudamotion / OE-LOB
    Private Wings Aviation / D-CITO
    Hainan AL / B2739
    VIETNAM AL. / VN-A868
    AlbaStar / EC-NAB
    Armée de l'Air / F-RADA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller