Vida: Anisec unterstützt Betriebsratsgründung

Heftige Kritik an deutschem Gerichtsurteil zu SunExpress Deutschland

Airbus A321 (Foto: Jan Gruber).

Die Gewerkschaft Vida zeigt sich erfreut, dass am gestrigen Montag bei der Fluggesellschaft Anisec die erste Betriebsversammlung abgehalten werden konnte und damit nach dem Arbeitsverfassungsgesetz die Weichen für Betriebsratswahlen gestellt werden konnten.

Besonders erfreut zeigt sich Johannes Schwarcz darüber, dass das Management für die Versammlung einen Raum zur Verfügung gestellt hat und laut seinen Aussagen die Gründung eines Betriebsrates unterstütze. Laut dem Gewerkschafter habe es seitens der Anisec-Geschäftsleitung klare Aussagen gegeben, dass niemand besorgt sein müsse, wenn er an der Betriebsversammlung teilnimmt oder sich zu den Betriebsratswahlen aufstellen lasse.

Schwarcz merkt hierzu an, dass dies "leider kein Standard" mehr wäre und verweist dabei auch auf die Situation bei SunExpress Deutschland, wo die Geschäftsleitung gegen die Gründung eines Betriebsrats klagte und vor Gericht obsiegte. Ebenfalls übt der Vida-Mann Kritik an Ryanair aus, die erst nach vielen Jahren Gewerkschaften als Verhandlungspartner in Tariffragen anerkannte.

Entsetzt zeigt sich Johannes Schwarcz, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Vida, über die jüngste gerichtliche Entscheidung in Deutschland, dass Piloten und Flugbegleiter der SunExpress Deutschland GmbH keinen Betriebsrat für ihre Berufsgruppen wählen dürfen: "Diese Regelung entspricht in keiner Weise mehr der heutigen Zeit und muss schnellstmöglich korrigiert werden. Besonders erschreckend ist, dass diese Regelung über die Grenzen von Deutschland hinaus eine Wirkung haben könnte. Wird Betriebsratsgründungen in Deutschland ein Riegel vorgeschoben, könnte das in weiterer Folge bedeuten, dass es keine Möglichkeit gibt, einen europäischen Betriebsrat für das fliegende Personal zu gründen, sollten Beschäftigte aus Deutschland involviert sein."

Gewerkschaft fordert klare Arbeitszeitregelungen

Während in Österreich die Stellung des Betriebsrats für das fliegende Personal klar geregelt ist, ortet Schwarcz bei den Arbeitszeiten dringenden Handlungsbedarf: "Was viele nicht wissen ist, dass das fliegende Personal fast zur Gänze vom Arbeitszeitgesetz ausgenommen ist. Stattdessen gilt eine EU-Verordnung, die den sicheren Luftverkehr regeln soll. Diese Regelung ist auch fundiert, solange man die Arbeitszeit nur unter dem Fokus betrachtet, dass die Passagiere und die Crew sicher von A nach B kommen."

Allerdings sollte das Arbeitszeitgesetz auch genügend Freizeiträume schaffen, um ein würdiges Familien- und Sozialleben führen zu können. "Genau darauf geht die EU-Verordnung aber überhaupt nicht ein. Der österreichische Gesetzgeber ist gefordert, gegenzusteuern! In Österreich stellen wir viel auf Wochenenden ab, weil da üblicherweise die Menschen Freizeit haben. Da brauchen wir auch ein Mindestmaß an freien Wochenenden für die Beschäftigten der Luftfahrt. Hier muss angesetzt werden. Die Anzahl der freien Tage für das fliegende Personal muss künftig nicht nur mehr als die derzeitigen 96 im Jahr betragen, auch die Verteilung der freien Tage pro Monat gehört deutlich besser geregelt", fordert Schwarcz.

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