Unterwegs mit Level

Der neue Carrier mit umfangreichem Buy-on-Board-Angebot ist erstmals nach London-Gatwick abgehoben. Austrian Aviation Net hat Level getestet.

Foto: Level/Schiffleitner

Mit kleiner - wetterbedingter - Verspätung hob die österreichische Anisec Luftfahrt GmbH unter der Marke Level am Dienstag erstmals in Richtung London-Gatwick ab. Zum Einsatz kam der mit Sharklets ausgerüsteter Airbus A321-200 mit der Registrierung OE-LCN.

Die Präsenz des neuen Anbieters am Flughafen Wien-Schwechat ist bereits vor dem Flug deutlich spürbar, denn an verschiedenen Stellen des Airports wird Informationsmaterial verteilt. Vor dem Terminal 1A, in dem der Check-In für Level durchgeführt wird, wurde anlässlich des Erstflugtages auch ein kleiner Begrüßungsschalter aufgebaut. Das Boarding erfolgt Im Terminal 1, in den Piers C (Schengen) und D (Non-Schengen). Die Bodenabfertigung wird durch Celebi Ground Services erbracht.

Foto: Jan Gruber

Für Reisende auch deutlich spürbar ist, dass der Markteintritt in Wien sorgfältig vorbereitet wurde. So stehen beispielsweise Gepäck-Checker, Flugzeuge, Werbematerial und Uniformen der Crews im Level-Branding zur Verfügung. Dies ist momentan keine Selbstverständlichkeit, denn für Eurowings sind zahlreiche Maschinen in vollständiger Air-Berlin-Lackierung unterwegs und manche Besatzungen tragen noch immer die Dienstkleidung ihres ehemaligen Arbeitgebers. Laudamotion setzt beispielsweise auf eine Hybrid-Livery und Niki-Uniformen.

An Bord der OE-LCN weist nichts mehr auf den vorherigen Betreiber Niki hin. Der Airbus A321-200 wurde - wie berichtet - vollständig in die Level-Livery umgestaltet. Auch in der Kabine war man aktiv, denn die Anzahl der Sitze wurde auf 210 reduziert, wodurch der Sitzabstand im Vergleich zu Mitbewerbern auch für langbeinige Menschen groß wirkt. Insgesamt macht der Passagierbereich einen frischen und aufgeräumten Eindruck. Die verbauten Recaro-Sitze geben dem Reisenden ein Gefühl von viel Platz und Abstand zum Sitznachbarn, so dass auch der Mittelssitz ein durchaus angenehmes Reisen ermöglicht. Dies wird unter anderem durch einen vergrößerten seitlichen Abstand zwischen den Sitzen bewerkstelligt, wobei die Gangbreite dadurch nicht verringert wird.

Foto: Jan Gruber

Während dem Flug können kostenpflichte Getränke und Speisen erworben werden. Diese werden im Namen und auf Rechnung der DO&CO-Tochter Versilia-Solutions verkauft. Auch warme Mahlzeiten können im Rahmen des Buy-on-Board-Konzepts erworben werden. Auf dem Erstflug nach London-Gatwick waren beispielsweise eine Calzone Margherita zum Preis von sechs Euro oder ein Croque Monsieur zum Preis von 6,50 Euro verfügbar. Ein Sandwich wird für 6,50 Euro angeboten. Für den "Vienna Deal", der aus einem Sandwich oder einer kleinen warmen Mahlzeit, einem alkoholfreien Getränk und einer kleinen Süßigkeit besteht, werden zehn Euro fällig. Die Speisekarte ist gegenüber Mitbewerbern äußerst umfangreich und bietet auch eine interssante Getränkeauswahl. Ein Mineralwasser oder ein Kaffee kosten 2,50 Euro, diverese Fruchtsäfte, darunter auch Bio-Getränke und Limonaden sind mit drei Euro zu bezahlen. Ebensoviel kostet eine Dose Bier. Insgesamt erinnert das kostenpflichtige Catering-Angebot – mit dem kleinen Unterschied, dass es eben nicht kostenfrei ist – stark an die Anfänge der mittlerweile nicht mehr existierenden Ferienfluggesellschaft Niki.

Foto: Jan Gruber

Die Anisec Luftfahrt GmbH, Österreichs jüngste Airline, bietet ein durchaus ambitioniertes Produkt mit großer individueller Auswahl an. Vor dem Abflug können diverse Extras online dazugebucht werden und an Bord wird ein gegenüber Mitbewerbern deutlich umfangreicheres Buy-on-Board-Catering angeboten. Die Aufgabe von Gepäck kostet im Basic-Tarif extra und in Wien wurden bereits Vorkehrungen für strenge Handgepäćkkontrollen geschaffen. Eine Besonderheit gegenüber Mitbewerbern in Wien ist, dass auch am Schalter kostenfrei eingecheckt werden kann. Beispielsweise bei Easyjet, Wizzair und Laudmotion ist dies aufpreispflichtig, während die Lufthansa Group inklusive Eurowings generell den SB-Check-In über das Internet, Handy oder Automaten verlangt, denn an deren Economy-Class-Schaltern wird nur noch das Gepäck angenommen.

Foto: Jan Gruber

Anisec nutzt die IAG-Langstreckenmarke Level und pushte den Absatz durch 100.000 Ein-Cent-Tickets. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Erstflugmaschine laut Airlineangaben ausgebucht war und an Bord auch tatsächlich fast alle Sitze besetzt waren. Bei nur einem Cent oneway gab es offensichtlich den einen oder anderen "No Show".

Im Gegensatz zu Laudamotion hob Anisec unter der Marke Level fast pünktlich ab und landete überpünktlich am Flughafen London-Gatwick. Dieser Hinweis ist insofern von Bedeutung, da das Fluggerät beider Carrier vormals für Niki im Einsatz waren und auch fast alle Mitarbeiter von Laudamotion und Anisec vormals für die insolvente Air-Berlin-Tochter tätig waren. Man kennt sich also und will es besser als die Kollegen machen und diesen Ansporn merkt man bei Anisec deutlich. Ob Laudamotion im Herbst nachlegen wird - neue Livery, neue Uniformen und adaptiertes Bordprodukt wurden im April für Herbst angekündigt - bleibt abzuwarten. Anlässlich des Erstfluges feierte Anisec übrigens mit den Gästen mit einer kleinen Sachertorte aus dem Hause Demel und einem kostenlosen Kaffee oder Tee...

Foto: Level/Schiffleitner

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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