Tromsø - der arktische Hub im Portrait

Der Flughafen im nördlichen Norwegen zeigt ein rasantes Wachstum und zieht immer mehr internationale Gäste an.

Eine Dash 8 von Widerøe verlässt den Flughafen Tromsø (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Knapp am 70. Breitengrad und damit weit nördlich des Polarkreises liegt das norwegische Tromsø. Die 75.000-Einwohner-Stadt ist ein bedeutendes regionales Zentrum mit einer großen Universität (rund 12.000 Studenten) und dem wichtigsten Krankenhaus weit und breit. Wirtschaftlich spielt noch immer der Fischfang eine große Rolle - in deutlich zunehmendem Maße aber auch der Tourismus.

Wer Natur, Meer und Berge mag, dürfte sich in der Region rund um Tromsø wohlfühlen.

Gerade für letzteren ist der Flughafen Tromsø-Langnes (TOS) ein extrem wichtiger Faktor. In der arktischen Wildnis von Nord-Norwegen kommt dem 1964 eröffneten Airport aber auch noch eine ganz andere Bedeutung als Verkehrsträger zu, als man es in Zentraleuropa gewohnt ist. Wer beispielsweise in die mehr als 1.100 Kilometer entfernte Hauptstadt Oslo gelangen will, ist eigentlich auf das Flugzeug angewiesen - eine Bahnstrecke gibt es nicht, das Auto kommt angesichts einer Fahrtdauer von mehr als 20 Stunden auch nicht wirklich in Frage und mit dem Schiff wäre man sowieso tagelang unterwegs. Daher setzt man im Norden für diese Strecke hauptsächlich auf das Flugzeug: „Bis zu 15 Flüge sind jeden Tag zwischen Tromsø und Oslo unterwegs“, erklärt die kaufmännische Direktorin des Flughafens Mona Ringstrand im Gespräch mit Austrian Aviation Net.

Wasser und Berge - Natur pur rund um Tromsø.

Dabei hat der Airport aber auch eine wichtige Verteilerfunktion zu den kleineren Flughäfen in der Region: Diese werden von Tromsø aus unter anderem von Dash-8-Flugzeugen der Regionalairline Widerøe angesteuert. So kann man beispielsweise nach Longyearbyen auf Spitzbergen, nach Hammerfest ganz im Norden oder nach Kirkenes nahe der russischen Grenze gelangen. Insgesamt stehen 19 norwegische Ziele auf dem Flugplan - 14 davon im Norden des Landes. „Der Flughafen ist also eine Art ‚arktischer Hub‘“, so Mona Ringstrand.

SAS und Norwegian fliegen in erster Linie mit Boeing 737 nach Oslo und zu anderen Zielen in Norwegen.

Im Vorjahr wurden am Airport Tromsø rund 2,2 Millionen Passagiere abgefertigt - um knapp acht Prozent mehr als im Jahr davor. Damit ist TOS der fünftgrößte Flughafen Norwegens. Noch in der Minderzahl - dafür aber mit einer deutlichen Tendenz nach oben - waren 2017 die internationalen Fluggäste. Rund 130.000 Passagiere von oder zu einem Ziel außerhalb Norwegens benutzten im Vorjahr den Airport - ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zu 2016. Dieser Trend dürfte sich auch heuer fortsetzen, wenn man sich die jüngsten Zahlen vom Februar 2018 ansieht: Hier betrug das Plus im internationalen Verkehr mehr als 51 Prozent.

Derzeit verfügt der Flughafen Tromsø über drei Fluggastbrücken. Nach dem Ausbau sollen es sechs sein.

Neben der Passagierzahl wächst auch das Angebot an internationalen Destinationen: Ganzjährig oder saisonal werden insgesamt 13 Ziele angesteuert: Große und wichtige Flughäfen wie London-Gatwick, Kopenhagen, Stockholm, Helsinki und Frankfurt gehören genauso dazu wie die Sun-and-Summer-Ziele Alicante, Gran Canaria, Split, Chania, Burgas und Antalya. Neu im Repertoire ist eine Verbindung von Wizzair ins polnische Danzig. Dieser Flug ist in erster Linie wegen der vielen polnischen Gastarbeiter in der Region interessant.

Widerøe bedient mit ihrer Dash-8-Flotte vorwiegend regionale Ziele im Norden des Landes. Demnächst wird die norwegische Airline zwei Embraer E2-Jets in die Flotte aufnehmen und im Auftrag von Finnair nach Helsinki fliegen.

Die Top-3-Airlines in Tromsø sind SAS, Norwegian und Widerøe. Mit weniger Frequenzen finden sich aber beispielsweise auch Fluglinien wie Lufthansa (die übrigens ihre saisonal angebotenen Frankfurt-Flüge von eine auf zwei Rotationen erhöht hat) oder Thomas Cook Airlines im hohen Norden ein. Die ebenfalls neue Verbindung nach Helsinki wird von Finnair angeboten - wobei man auf Fluggerät in Form des Embraer E-Jet von Widerøe setzt, der nun neben den Dash-Turboprops eingeflottet wird.

Neben Passagieren wird in Tromsø auch Fracht abgefertigt. West Air Europe beispielsweise ist für die Post unterwegs.

Die steigenden Passagierzahlen in Tromsø haben allerdings auch einen (kleinen) Haken: Die Terminal-Infrastruktur ist bereits etwas in die Jahre gekommen. Der ältere Teil stammt aus den 1960er-Jahren, der neuere - Baujahr 1997 - hat mittlerweile auch schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel. In Spitzenzeiten kann es hier durchaus eng werden. Daher hat der Airport - der übrigens wie alle norwegischen Verkehrsflughäfen unter Verwaltung der staatlichen Avinor steht - baulich einiges vor: Im südseitigen Terminalbereich wird demnächst mit Arbeiten zu einem neuen Abfertigungsgebäude begonnen, das mit dem 1997er-Teil verbunden werden soll. „Mit diesem neuen, mehr als 9.000 Quadratmeter großen, Terminal wollen wir unsere Kapazität auf rund drei Millionen Passagiere ausbauen“, erklärt TOS-Managerin Mona Ringstrand im Gespräch. Geplanter Fertigstellungstermin ist 2021.

Neben Flugzeugen findet man in TOS auch Hubschrauber. Hier ein Search-and-Rescue-Helikopter des Typs Westland Sea King der norwegischen Luftstreitkräfte.

Damit sollte auch noch etwas Luft nach oben sein - vor allem wenn der Tourismus in der Region noch stärker boomt. Bereits jetzt macht er rund zehn Prozent des regionalen Wirtschaftsleistung aus - in Norwegen insgesamt sind es „nur“ fünf. Eine attraktive touristische Destination ist Tromsø allemal - und zwar im gesamten Jahr. Im Sommer kann man in der Gegend ausgedehnt wandern. In der kalten Jahreszeit kommen Wintersportler auf ihre Rechnung - genauso wie große und kleine Abenteurer, die sich vom Naturschauspiel der Nordlichter faszinieren lassen wollen. Apropos „kalt“: Im Gegensatz zu weiter landeinwärts gelegenen Regionen ist es an der Küste überraschend warm. Im Winter liegt die Temperatur dank des Golfstroms selten in Extremen und bewegt sich oft nur knapp unter dem Nullpunkt - und im Sommer kann es auch mal an die 20 Grad bekommen.

Tromsø verfügt über eine 2.447 Meter lange Runway in nord-südlicher Richtung (01/19).

Praktisch am Flughafen ist übrigens auch, dass er sehr nahe an der Stadt liegt - die Fahrt mit dem  Bus (durch ein interessantes Tunnelgeflecht) ins Zentrum dauert rund 15 Minuten. Eine weitere Besonderheit, die man auch nicht überall findet: „Viele unserer Passagiere, die in der Stadt leben, reisen mit dem Fahrrad zum Flughafen an“, so Mona Ringstrand.

Das alte Terminal aus den 1960er Jahren.

Tromsø und sein Airport bieten sich als Ausgangspunkt für eine Reise ins nördlichste Europa an. Derzeit kommt man auch aus Österreich, Deutschland und der Schweiz am besten via Oslo recht unkompliziert zum „Arctic Hub“. Aber vielleicht wird es ja künftig auch mehr Direktflüge in die DACH-Staaten geben. Ein lohnendes Reiseziel ist Tromsø allemal!

Das Naturschauspiel der Nordlichter zieht viele Besucher in seinen Bann.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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