Ticketsteuer weg? Kurz, Schramböck und Hofer schweigen

Flughafendirektoren Julian Jäger und Günther Ofner brachten die Branchenforderung gleich mehrfach vor, doch die Regierungsmitglieder spulen ihr Programm stur ab. Weiters deutet Ofner ein Midfield-Terminal für Wien an.

Nicht nur die Sicht auf den Flughafen Wien war ein wenig getrübt (Fotos: Thomas Ramgraber).

Einen sprichwörtlich großen Bahnhof machte Österreichs Bundesregierung am Montag dem Wiener Flughafen, denn Bundeskanzler Sebastian Kurz, Verkehrsminister Norbert Hofer und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck erläuterten ohne inhaltliche Details zu nennen, dass das geplante Standortentwicklungsgesetz für den Flughafen Wien besonders wichtig ist.

Sinn und Zweck des Gesetzes ist es, dass Projekte, die in öffentlichem Interesse stehen, binnen maximal 18 Monaten in erster Instanz erledigt werden können. "Es geht darum, dass schnell Klarheit da ist und zwar egal, ob positiv oder negativ", so Bundeskanzler Sebastian Kurz. "Die Bundesregierung richtet eine Taskforce ein, um den Flughafen Wien bei der Weiterentwicklung seiner Drehkreuzfunktion unterstützen zu können. Insbesondere Investitionen in die Verkehrswege sind besonders wichtig."


Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Verkehrsminister Norbert Hofer am Montag im Tower am Flughafen Wien.

Flughafendirektor Günther Ofner muss allerdings auch feststellen, dass die beabsichtigte Gesetzesänderung keinerlei Vorteile für die geplante dritte Piste bringen wird. "Wenn wir im kommenden Jahr ein definitives Okay zu Errichtung der dritten Piste bekommen, dann könnte sich die Inbetriebnahme im Jahr 2030 noch ausgehen. Wenn nicht, dann wird das nicht klappen", so Ofner. "Aus der Sicht der Flughafen Wien AG muss die Leistungsfähigkeit der Verkehrswege verbessert werden. Ein gutes Beispiel für die Notwendigkeit ist der City-Airport-Train. Die Trasse ist auf der Stammstrecke der Wiener Schnellbahn so stark ausgelastet, dass keine dritte stündliche CAT-Frequenz gefahren werden kann."

Flughafen Wien gründet Joint-Venture mit britischem Logistik-Konzern

Der Vorstand der Flughafen Wien AG wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit Wirtschaftsministerin Schramböck nach London reisen, um dort einen Vertrag mit einem internationalen Logistikkonzern unterzeichnen. Am Flughafen Wien soll eine Tochtergesellschaft gegründet werden, an der Wiener Airport beteiligt sein wird. "Es ist ein Joint-Venture mit einem großen Logistikkonzern. Es ist kein direkter Brexit-Flüchtling", so Ofner ohne die Identität des zukünftigen Partners zu nennen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz ist gar der Ansicht, dass Österreich den Anschluss verlieren könnte, wenn Verfahren von Großprojekten künftig nicht schneller erledigt werden. Davon soll der Flughafen profitieren, so seine Regierung auch die Errichtung einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke in Richtung Bratislava beabsichtigt. Ofner dazu: "Seit der Flughafen Wien an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde ist der Individualverkehr auf der Straße um gut ein Dritten gesunken und das ist auch gut so. Wir brauchen eine leistungsfähige Bahn auch in Richtung Bratislava und wir sind daher froh, dass es einen entsprechenden Regierungsbeschluss dazu gibt."


Wirtschaftsministerin Schramböck hält den Airport Wien insbesondere aufgrund der hohen Exportrate Österreichs für besonders wichtig.

Ofners Vorstandskollege Julian Jäger sieht den Wiener Flughafen auf einem guten Wachstumskurs, denn insbesondere hohe Servicequalität der Austro Control hätte den Ausschlag für Neugründungen in Österreich gegeben. Konkret nannte er unter anderem Easyjet Europe, Eurowings Europe und Anisec. "Es muss aber auch in den Bodeninfrastruktur investiert werden. Es ist dringend notwendig, dass hier etwas geschieht und wir sind froh, dass nun Unterstützung seitens der Bundesregierung zugesagt wurde.

Regierungsmitglieder schweigen bezüglich Ticketsteuer


Günther Ofner wartete vergebens auf eine Äußerung von Bundeskanzler Sebastian Kurz zur Abschaffung der Ticketsteuer.

Jäger und Ofner wiederholten mehrmals, dass die Halbierung der umstrittenen Ticketsteuer zu mehr Arbeitsplätzen geführt hätten und richteten an Bundeskanzler Sebastian Kurz und die beiden anwesenden Minister mehrfach den Hinweis, dass man diese doch endgültig abschaffen sollte oder auch galanter ausgedrückt: "Mit der Steuerreform wird diese doch hoffentlich abgeschafft...". Weder der Regierungschef, noch die Wirtschaftsministerin oder der Verkehrsminister gingen in irgendeiner Form auf dieses Anliegen der beiden Flughafenvorstände ein. Es wurde nicht nur ignoriert, sondern die Politiker spulten ihr Programm bezüglich des Standortentwicklungsgesetzes einfach stur weiter ab. Kurz gesagt: Die wiederholt vorgebrachte Forderung stieß bei allen drei Regierungsmitgliedern nicht nur auf taube Ohren, sondern sie hielten es nicht einmal für notwendig in einem Nebensatz auf die umstrittene Ticketsteuer einzugehen.

Dass man sich nicht aus dem Konzept bringen lassen möchte, stellte Wirtschaftsministerin Schramböck auch noch sehr deutlich unter Beweis. Ein Journalist stellte eine Detailfrage zu besagtem Gesetz und wollte wissen wie der "automatisierte Mechanismus" denn aussehen soll, doch diese wurde von der Politikerin regelrecht abgebügelt. Man wolle dazu vor dem Ministerrat keine näheren Details herausgeben. An dieser Stelle stellt sich natürlich dann auch die Frage nach dem Sinn und Zweck einer Pressekonferenz im Tower am Flughafen Wien, denn insbesondere Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte es unmittelbar nach dieser Frage wichtig unter Hinweis auf einen Flug in die Schweiz so rasch wie möglich "abzufliegen".

Ofner deutet Midfield-Terminal an

Unabhängig davon: Flughafendirektor Günther Ofner erklärte, dass für die Errichtung der dritten Piste zahlreiche Infrastrukturbauten notwendig sind. Dabei nannte er beispielsweise auch eine Bahn, die unter der Erde gebaut werden muss, um diese Piste erreichen zu können. Der Flughafenmanager deutet damit an, dass die Erweiterung der Terminals am Flughafen Wien in Form eines Midfield-Terminals, das mittels einer Art U-Bahn mit dem Bestand verbunden werden könnte, erfolgen könnte. Auch in die bestehenden Terminals werde man kräftig investieren müssen, um genug Platz für das Wachstum haben zu können. Nähere Einzelheiten zur "Bahn unter dem Flughafen" erklärte Ofner jedoch nicht.


Flughafendirektor Julian Jäger hob das enorme Wachstum in Wien hervor.

Für Heiterkeit während der Veranstaltung sorgte letztlich Verkehrsminister Norbert Hofer, der vor seiner Zeit in der Politik in der Luftfahrt tätig war und sich selbst als besonders luftfahrtaffin bezeichnet: "Ich bin noch nie selbst in Wien gelandet und sollte das vielleicht auch nicht tun, um den Flugverkehr nicht zu behindern..."

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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