Ticketabgabe – Pro und Contra

Foto: Lufthansa

Die Aufregung war natürlich groß: Nachdem jüngst bekannt gegeben wurde, dass es auch in Österreich eine Abgabe auf Flugtickets geben wird, kannte die mediale Entrüstung der Airlinevertreter keine Grenzen. Angefangen bei Niki Lauda, der über sein Sprachrohr "Österreich" ausrichten ließ, dass er die Angelegenheit für einen "Wahnsinn" hielte. Über InterSky-Chef Claus Bernatzik, der empfahl, lieber die defizitäre ÖBB zu verkaufen. Bis hin zu AUA-Vorstand Peter Malanik, der die Steuer überhaupt gleich als "gefährlich" bezeichnete.

Dass sich die Airlinebranche nicht freut, wenn sie ihre Tickets fortan um € 8 bis € 40 teurer verkaufen wird, ist klar. Aber wie sieht es – objektiv – damit aus? Wird die Abgabe wirklich so schlimme Folgen auf das Flugliniengewerbe haben? Wird es zu einem merkbaren Rückgang der Passagierzahlen kommen? Werden heimische Fluggäste tatsächlich vermehrt in grenznahe Airports wie Bratislava ausweichen? Fragen über Fragen, die heute nur schwer zu beantworten sind – hier eine kurze Gegenüberstellung der Pro's und Con's:

Pro

  • Die Staatsschulden unseres Landes liegen bei rund € 190 Milliarden und das Budgetdefizit steigt weiter kräftig an. Kurzum: Österreich muss sparen. Nicht nur um die Maastricht-Kriterien (unter anderem ist dabei geregelt, dass der öffentliche Schuldenstand maximal 60% des BIP erreichen darf – im Vorjahr waren es 67,5%) zu erreichen. Jeder muss hier sein Scherflein beitragen – auch die Fluglinien bzw. deren Kunden.
  • Der Aufschrei der Airlines war unüberhörbar – trotzdem waren es gerade die Fluglinien, die sich in den letzten Jahren eine ganze Liste von Gebühren einfallen ließen. Wenn man beispielsweise mit der AUA von Wien nach Zürich und zurück fliegt, werden von der Airline selbst bereits € 73 aufgeschlagen (Sicherheits- und Treibstoffzuschlag  € 58, Ticket Service Charge bei Internetbuchung € 15).
  • Kerosin wird derzeit in Österreich nicht besteuert – damit ersparen sich die Fluglinien Millionenbeträge. Manchen erscheint es daher legitim, wenn sich der Staat den Obolus von den Airlines auf anderem Wege holt.

Contra

  • Die größte und berechtigtste Befürchtung ist, dass die Menschen weniger fliegen werden. Dazu gibt es eindeutige Indizien: So hat eine Frontpage-Umfrage auf Austrian Aviation Net kürzlich gezeigt, dass knapp ein Drittel unserer Leserinnen und Leser daran denken, seltener das Flugzeug zu benutzen. Aber auch in der Praxis hat sich eine ähnliche Abgabe schon als Schuss ins Knie erwiesen: In den Niederlanden wurde eine solche bereits nach einem Jahr wieder aufgegeben, nachdem man Umsatzeinbußen von knapp € 90 Mio. verbuchen musste.
  • Daneben ist aber auch zu erwarten, dass gerade preissensiblere Passagiere eher zu billigen Airports in den Nachbarländern "auswandern" –  für den Wiener Raum ist das beispielsweise Bratislava. Die € 8 alleine werden aufgrund der etwas mühsameren Anreise zwar nur in wenigen Fällen der alleinige Grund sein, aber in Summe werden sich trotzdem mehr Menschen für das Billigpaket von Ryanair & Co. entscheiden. Dem Flughafen Wien und der heimischen Wirtschaft gehen diese Passagiere verloren. Vielleicht auch auf längere Sicht – wenn man einmal Low Cost in Bratislava ausprobiert hat, finden vielleicht so manche Geschmack daran und bleiben dabei.
  • Dass Österreicher vielleicht seltener mit dem Flugzeug ins Ausland fliegen ist eine Sache – der Incoming-Tourismus eine andere. Am Flughafen Salzburg beispielsweise machen alleine die nach Österreich reisenden Chartergäste mehr als 11% des Passagieraufkommens aus – nicht eingerechnet sind die Urlauber, die per Low Cost (Linien) Carrier in die Mozartstadt und Umgebung kommen. Niki Lauda bezifferte den Wertschöpfungsverlust aufgrund der Ticketabgabe für den Incomingtourismus insgesamt mit € 131 Mio. – dadurch entgeht auch dem Fiskus natürlich auch einiges an Steuern.
  • Weniger Steuereinnahmen wird es auch dann geben, wenn aufgrund des Passagierrückganges Mitarbeiter abgebaut werden müssen. Schätzungen sprechen von 600.000 Fluggästen weniger – wenn man die Formel "1 Million Passagiere benötigen 1.000 Angestellte in der Aviation-Branche" anwendet, könnte dies einen Jobverlust für rund 600 Menschen bedeuten. Und auch hier muss das Finanzministerium dann mit weniger Steuereinnahmen rechnen.
  • Die Airlines und ihre Kunden werden bereits heute über Gebühr zur Kasse gebeten und finanzieren doch ihre Infrastruktur – im Gegensatz zu anderen Massentransportmitteln – weitgehend selbst. Um das obige Zürich-Beispiel fortzuführen: Neben den Flugliniengebühren kommt noch die österreichische Flughafengebühr von € 17,11 sowie die Passagier-Sicherheitsgebühr von € 8 dazu. Die Schweizer lassen sich den Zürich-Ausflug noch einmal mit einer Passagier-Sicherheitsgebühr und einer Lärmabgabe von insgesamt € 30,96 abgelten. Die öffentliche Hand nimmt sich eigentlich schon genug – könnte man meinen.
  • Ein weiterer Einwand gegen die Abgabe ist, dass auch die Verwaltungskosten nicht zu unterschätzen sein werden. Bei erwarteten Einnahmen von kolportierten € 60 bis € 100 Mio. könnte hier ein nicht zu unterschätzender Prozentsatz auf administrativen Pfaden verschwinden.
  • Letztlich ist die Branche generell – wie die letzten Jahre gezeigt haben – höchst vulnerabel.  Unvorhersehbare Launen der Natur (Stichwort Vulkanasche), der unkalkulierbar Ölpreis und ab 2012 der spekulative Emissionshandel sind nur einige der Dinge, die unberechenbar sind und den Airlines das Leben schwermachen.  Ob es sinnvoll ist, eine Branche, von der in Österreich rund 50.000 Menschen leben, durch eine solche Abgabe weiter zu destabilisieren, sollte man sich gut überlegen.

Unter dem Strich kommt heraus: Die Ticketsteuer ist primär eine nachvollziehbare, zusätzliche Einnahmequelle für den Staat. Es kann allerdings sein, dass die möglichen Folgen (und die Unsicherheit darüber) diese Mehreinnahmen – die ja budgettechnisch nicht viel mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein sind – aufwiegen. Aber das wird man erst in einiger Zeit beurteilen können.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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