Spanische Gewerkschafter wollen Anisec-Aus

Pilotenvertreter wollen "Ausflaggung" nach Österreich verhindern.

Airbus A330 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die International Airlines Group wollte eigentlich Niki mit der Anisec Luftfahrt GmbH erwerben und sich so insbesondere im Ferienflugsegment ab der D-A-CH-Region stärken. Daraus wurde nichts, denn die Assets der insolventen heimischen Air-Berlin-Tochter gingen an Laudamotion.

Das Projekt eine neue Airline mit Sitz in Wien und folglich österreichischen Zertifikaten an den Start zu bringen wurde allerdings nicht aufgegeben. Ohne die Niki-Assets befindet man sich derzeit im Erteilungsverfahren für AOC und Betriebsbewilligung.

Allerdings kommt heftiger Gegenwind aus Spanien, denn die Gewerkschaften streiken genau gegen dieses Österreich-Projekt. Ähnlich wie bei der Gründung von Eurowings Europe von der Vereinigung Cockpit vorgeworfen, ortet man bei den spanischen Pilotenvertretern die Sorge über eine mögliche Ausflottung im großen Stil. Bei Eurowings wurde die Sorge übrigens nicht zur Realität.

Die spanischen Gewerkschafter werden der Geschäftsleitung von Vueling vor, dass diese durch die Gründung einer österreichischen Tochter ("Auslandstochter") bestehende Vereinbarungen hinsichtlich der Löhne umgehen wolle. Neueinstellungen sollen gezielt über die österreichische Anisec Luftfahrt GmbH erfolgen, was den Arbeitnehmervertretern ein Dorn im Auge ist.


Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Für die Beschäftigten des heimischen Ablegers dürften die Pilotenstreiks ihrer spanischen Konzernkollegen durchaus kopfzerbrechend sein, denn seitens der Gewerkschaft war zu hören, dass das Ziel ist, dass das Anisec-Projekt abgeblasen wird. Sollten sich die Vertreter der Piloten, insbesondere mit dem Druckmittel von Streiks, durchsetzen können, steht Anisec zumindest was Vueling anbelangt auf der Kippe.

Dem Vernehmen nach soll die Neugründung in Österreich allerdings nicht nur Vueling nützlich werden, sondern insbesondere dem Langstrecken-Low-Cost-Brand Level. Dieses verfügt derzeit über gar keine eigenen Zertifikate, sondern die operative Durchführung erfolgt durch Iberia. Auch werden die Flugnummern der spanischen IAG-Tochter genutzt. Dies soll sich insofern ändern, da Anisec künftig Langstreckenflüge unter dem Brand Level durchführen könnte und auf der Kurz- und Mittelstrecke als Vueling.

Dazu passt auch sehr gut, dass IAG-Chef Willie Walsh mit Level ab Wien auf die Langstrecke gehen will. Wann, wohin und so weiter erklärte er allerdings nicht. Weiters wurde eine Basis in Wien angekündigt, wobei diese laut spanischer Gewerkschaft nicht in trockenen Tüchern sein soll. Konkret war zu hören, dass die starke Expansion von Wizzair, aber auch die durch Ryanair gestärkte Laudamotion zu neuerlichen Streckenkalkulationen geführt haben sollen.

Vueling bedient bereits heute den Flughafen Wien. Angeboten werden Nonstopflüge nach Paris, Barcelona, Palma de Mallorca und Rom. Die Maschinen sind allerdings nicht in der österreichischen Hauptstadt stationiert. Die weitere Entwicklung am Standort Wien bleibt insofern abzuwarten, denn das Ziel der spanischen Gewerkschafter ist zweifelsohne die Österreich-Tochter Anisec quasi im Keim zu ersticken. Ob sich das Management soweit in die Knie zwingen lässt, bleibt abzuwarten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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