Southwest hat neuerlichen Ärger mit der FAA

Flugzeuggewicht in den Papieren soll vom realen Gewicht erheblich abweichen.

Boeing 737-Max-8 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die U.S.-amerikanische Southwest Airlines hat nun neuen Ärger am Hals, denn die zuständige Aufsichtsbehörde FAA wirft dem Unternehmen vor, dass das tatsächliche Gewicht - inklusive Passagiere, Fracht, Treibstoff und Gepäck - stark von jenem abweichen würde, das in den Papieren deklariert wird. Dabei ist ein Umstand hinderlich: An vielen Flughäfen lässt Southwest Airlines des Gepäck manuell verarbeiten und oftmals wird es lediglich gezählt, jedoch nicht gewogen.

Erst im Vorjahr starte Southwest das eigentlich branchenübliche Barcode-Tagging der aufgegebenen Gepäckstücke. Hierbei wird das Gewicht am Schalter oder Aufgabeautomaten erfasst und elektronisch an die Airline übermittelt, so dass die Piloten dieses bei ihren Berechnungen entsprechend berücksichtigen können. Bei manueller Gepäckverarbeitung müsste das Gewicht traditionell auf einer Papierliste eingetragen werden und anschließend den Flugzeugführern übergeben werden. Southwest verzichtete jedoch laut Behauptungen der FAA darauf und zählte die Stücke lediglich ab. Die Behörde wies die Airline nun an, dass bei mindestens 25 Prozent der Flüge das tatsächliche Gewicht der Koffer ermittelt werden muss, um weitere Rückschlüsse ziehen zu können. Ob die Maschinen zu schwer oder zu leicht waren, teilte die FAA nicht mit.

Betroffen waren laut einem Bericht der USA Today mindestens 4.000 tägliche Flüge des U.S-Lowcosters, der auch beabsichtigt mit Maschinen des Typs 737 vom Festland nach Hawaii zu fliegen. Ein entsprechendes Zulassungsverfahren läuft momentan vor der FAA.

Bei Southwest Airlines scheinen in den letzten Wochen gleich mehrere schwerwiegende Probleme zusammengekommen zu sein, denn wie die USA Today berichtete, legte eine Computerpanne die Fluggesellschaft weitgehend lahm. Ein regelrechtes "Eigentor" schoss sich Southwest im Bereich der Wartung der Maschinen, die aufgrund einer Anordnung deutlich länger dauerten. Dadurch standen zu Spitzenzeiten kurzzeitig bis zu 400 Boeing 737 nicht für den Linienflugbetrieb zur Verfügung, was laut USA Today zu massenhaften Flugstreichungen führte.

Southwest Airlines gilt als größte Billigfluggesellschaft der Welt und soll der Legende des Michael O'Leary nach auch als Vorbild für den Aufbau von Ryanair gedient haben. Unstrittig ist jedenfalls, dass das Konzept der Amerikaner eines der ersten im Lowcost-Segment war, das finanziell erfolgreich war. Die Airline wurde 1967 gegründet und stellte 1971 auf das heutige Geschäftsmodell um. Mit Ausnahme von Boeing 727 in den Anfangsjahren als Billigflieger und einem kurzen 717-Intermezzo nach der Air-Tran-Übernahme setzt die Airline ausschließlich auf Boeing 737 in verschiedenen Varianten. Southwest Airlines ist mit 753 Einheiten (277 Bestellungen) der weltweit größte Operator der 737-Familie.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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