Small-Planet-Deutschland-Neustart wird unwahrscheinlich

Verbliebene Frist für eine mögliche Übernahme wird äußerst knapp. Die Verwertung und Abwicklung droht ab 1. Dezember 2018.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Einst waren es vier kleine Planeten, die in Litauen, Polen, Deutschland und Kambodscha tätig waren. Die Flugbetriebe in Deutschland und Polen wurden bereits eingestellt, während Small Planet in Vilnius in stark verkleinerter Form weiterfliegt. Ein für Zypern geplanter Ableger erhob sich bislang übrigens noch nicht in die Lüfte.

Die Zukunft der polnischen Konzerntochter dürfte weitgehend geklärt sein, denn diese befindet sich bereits in Abwicklung, da es laut Aussagen des Managements gegenüber lokalen Medien keinen Interessenten gegeben haben. Bei Small Planet Deutschland sah es zunächst schlecht aus, doch dann taten sich mit Onur Air und VLM Brussels gleich zwei potentielle Interessenten auf. Mit beiden konnte jedoch bis dato kein Kaufvertrag abgeschlossen werden, lediglich mit VLM-Brussels-Eigentümer SF Aviation Management BV wurde eine Vorvereinbarung, die jedoch keine Kaufverpflichtung auslöst, unterfertigt. Dieser Umstand wurde sowohl von Small Planet Deutschland als auch von VLM Brussels bestätigt. Weitergehend wollten sich beide Unternehmen zum aktuellen Verhandlungsstand nicht äußern.

VLM Brussels ist ein Überbleibsel der einstigen Thomas Cook Airlines Belgium. Dieses wurde von der mittlerweilen insolventen SHS Antwerp Aviation übernommen und Anfang diesen Jahres an die SoftFlight A320 II BV mit Sitz in Amsterdam weitergereicht. Ein Blick in die Firmenbücher von Slowenien, Belgien und den Niederlanden erhegt zumindest die Vermutung, dass es innerhalb des SHS-Konstrukts zu einer Trennung der Gesellschafter gekommen sein könnte, denn die Geschäftsführer der SF Aviation Management BV (vormals SoftFlight A320 II BV), von VLM Brussels und der Accountable Manager der nicht mehr existierenden VLM Slovenia sind die ein und die selbe Person. Spannend dabei ist, dass dieser Manager bei SHS und deren Töchtern rund um die Herauslösung von VLM Brussels aus dem Firmenbuch ausgetragen wurde, während er beim Thomas-Cook-Belgium-Nachfolger eingetragen wurde. Somit ist VLM Brussels der letzte noch fliegende Teil der großen Pläne, die SHS mit der Marke VLM verfolgte.

Single-Aircraft-Operation, jedoch von der Branche als zuverlässig empfunden

VLM Brussels verfügt derzeit nur über einen einzigen A321, der rund 12 Jahre alt ist und vormals für Monarch Airlines flog. Die OO-SBA ist derzeit in Paris-Orly stationiert und fliegt in "Full-White" im Auftrag von Transavia France. Jenes Fluggerät, das man von Thomas Cook "geerbt" hatte, wurde zwischenzeitlich an den Reisekonzern zurückgegeben und fliegt mittlerweile beim Balearen-Ableger des Tour Operators.

Über die finanzielle Ausstattung von VLM Brussels bzw. deren Eigentümerin SF Aviation Management BV ist nur sehr wenig bekannt. Dem Unternehmen wird hinsichtlich des Flugbetriebs von ACMI-Kunden (Fluggesellschaften) allerdings eine äußerst hohe Zuverlässigkeit nachgesagt, was angesichts der Single-Aircraft-Operation eine positive Information ist. Weiters ist zu hören, dass man auf der Suche nach preiswertem Airbus-Fluggerät ist, das für ACMI- und Chartereinsätze benötigt wird. Da VLM Brussels keine Homepage unterhält, was im Internetzeitalter für eine Fluggesellschaft absolut nicht üblich ist, ist darüberhinaus nicht sonderlich viel mehr öffentlich bekannt.

Nachdem sich ein möglicher Einstieg der Onur Air bei Small Planet Airlines Deutschland als regelrechte Zeitungsente herausgestellt hatte, denn die Türken entschieden sich gegen eine Übernahme und auch die polnische Enter Air dankend abgelehnt hatte, schien VLM Brussels als letzte Option für einen möglichen Neustart der deutschen Charterfluggesellschaft. Fast schon euphorisch titelten viele Medien schon eine Rettung, doch mehr als eine Absichtserklärung wurde nicht unterschrieben.

Düstere Aussichten für das Small-Planet-Deutschland-Personal

Das fliegende Personal von Small Planet Deutschland erhielt bereits mit Ende der Sommerflugplanperiode die Kündigungen und der Flugbetrieb wurde eingestellt. Das AOC ruht seither, könnte jedoch - sofern die Voraussetzungen wieder erfüllt werden - wieder reaktiviert werden. Die Entscheidung darüber würde im Bedarfsfall beim deutschen Luftfahrtbundesamt liegen.

In den letzten Tagen scheinen sich bei Small Planet Deutschland allerdings die Ereignisse regelrecht überschlagen zu haben, denn das fliegende Personal und andere Mitarbeiter wurden zunächst "widerruflich gekündigt". Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass im Falle einer Übernahme die Auflösung der Arbeitsverträge hätte rückgängig gemacht werden können. Laut E-Mail-Nachrichten von Beschäftigten des Unternehmens wurden diese nun in "unwiderrufliche Kündigungen" umgewandelt, was für den betroffenen Mitarbeiter persönlich das endgültige Aus bedeutet. 

Die Finanzlage bei Small Planet Deutschland dürfte sich jedoch zugespitzt haben, denn man konnte zuletzt noch die Gehälter der Mitarbeiter bezahlen. Aus internen Schreiben, von denen auch das Portal Aerotelgraph.com am Wochenende berichtete, geht nun hervor, dass entsprechende Zahlungen durch das deutsche Arbeitsamt erfolgen sollen. Dies löste einen unternehmensinternen "Shitstorm" aus, der Austrian Aviation Net vorliegt. Vereinfacht gesagt kritisieren die Betroffenen heftig, dass geraten wird die Anträge so rasch wie möglich beim Arbeitsamt zu stellen und diese nicht durch den Sachwalter oder die Geschäftsleitung eingebracht worden wären. Weiters fühlen sich manche Mitarbeiter offensichtlich schlecht behandelt. Auf Anfrage wollte Small Planet Airlines Deutschland keine inhaltliche Stellungnahme abgegeben, nur soviel: Man arbeite mit Hochdruck daran, dass man mit dem potentiellen Investor zu einem Abschluss komme.

Übernahme bis 1. Dezember 2018 "unwahrscheinlich"

Dieser wäre jedoch unwahrscheinlich, berichtet das deutsche Portal Airliners.de am Montag unter Berufung auf das Unternehmen. Sollte bis zum 1. Dezember 2018 keine Übernahme durch VLM Brussels bzw. dessen Eigentümerin SF Aviation Management BV oder einem anderen Investor erfolgen, endet die Eigenverwaltung und das reguläre Insolvenzverfahren - ohne Eigenverwaltung - wird über Small Planet Airlines Deutschland eröffnet. Das hat zur Folge, dass der Insolvenzverwalter mit der zügigen Verwertung beginnen wird und theoretisch ist es möglich, dass ein Investor Small Planet Airlines Deutschland samt AOC aus der Insolvenz herauskaufen könnte, jedoch zeigen die zahlreichen Airline-Pleiten der Vergangenheit, dass dies eher selten vorkommt. Als wahrscheinlich erscheint daher die Abwicklung von Small Planet Airlines Deutschland.

Die Ursachen der Insolvenz von Small Planet Airlines sind vielfältig, jedoch dürfte am ehesten eine Aussage des Managements, dass man Charterflüge zu billig verkauft haben zutreffen. Laut Austrian Aviation Net vorliegenden Verträgen verkaufte man an einen Charterkunden für lediglich 1.700 Euro pro Blockstunde, was äußerst günstig ist und mit deutschen Lohnkosten nur sehr schwer umsetzbar sein könnte. Allerdings währe diese niedrige Block-Hour-Rate durchaus kostendeckend zu bedienen, wenn die Flugzeuge quasi rund um die Uhr in der Luft sind und somit vermeidbare Bodenkosten haben. Doch genau dies wollte das Fluggerät offenbar nicht, denn Small Planet Deutschland war von häufigen AOGs geplagt, die erhebliche Verspätungen, Ausfälle und Vertragsstrafen an die Auftraggeber auslösen. Die Kosten summierten sich und sowohl Passagiere als auch Reiseveranstalter wollten Entschädigungen sehen. Passagiere werden angesichts der Insolvenz allerdings eher schlechte Karten gegenüber der Airline haben, jedoch gegenüber dem Reiseveranstalter stehen die Karten sehr gut, denn dieser muss als Vertragspartner des Kunden für seine Erfüllungsgehilfen (Airline) geradestehen. In Österreich wurden erst kürzlich Entschädigungsforderungen, die aufgrund einer Verspätung von Small Planet Deutschland angefallen sind, erfolgreich gerichtlich gegen einen namhaften Reiseveranstalter durchgesetzt. Betroffene Kunden sollten sich daher nicht auf das Insolvenzverfahren von Small Planet Deutschland "abwimmeln" lassen, sondern ihr Recht gegenüber ihrem Vertragspartner, also dem Reiseveranstalter durchsetzen. Dass es für diesen schwer wird ein insolventes Unternehmen in Regreß zu nehmen, kann dem Kunden aber nun wirklich herzlich egal sein.

Auch Geschäftsführer brauchen neue Jobs

Unabhängig von den aktuellen Entwicklungen bei Small Planet Airlines Deutschland, die möglicherweise ein vorzeitiges Weihnachtswunder erfordern würden, dass ein Neustart mit neuen Eigentümern in verkleinerter Form stattfinden kann, sah sich der Geschäftsführer schon Anfang des Monats um neue Jobs vor, wie ein Bewerbungsschreiben, das Austrian Aviation Net vorliegt, belegt. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass es ein ähnliches Bild auch in der Niki-Insolvenz gab, in der Geschäftsführer Oliver Lackmann Durchhalteparolen an die Belegschaft auszugeben, um dann als erster in Richtung einer Position in der Unternehmensleitung von Tuifly von Bord zu gehen. Man kann darüber denken wie man möchte, jedoch gibt es bei Firmenpleiten irgendwann immer eine "Rette wer sich kann"-Phase, in der an Morgen gedacht werden muss, denn die meisten Angestellten - egal ob Pilot, Geschäftsführer oder einfacher Sachbearbeiter - haben Existenzen und Familien, die auf dem Spiel stehen und je schneller ein neuer Job gefunden wird, desto eher kehrt persönliche Ruhe ein. Bei Small Planet Airlines Deutschland kommt für so manch Angestellten dazu, dass dieser ein regelrechtes Dejavu erlebt, denn zuvor erlebte man bei Air Berlin am eigenen Leib was so eine Airline-Pleite an persönlichen negativen Begleiterscheinungen, insbesondere finanzieller Natur, mit sich bringt.

Das Jahr 2018 oder "Jahr 1 nach Air Berlin" wird wohl als das Jahr der Massen-Pleiten von europäischen Fluggesellschaften in die Geschichte eingehen, denn insbesondere im Sommer bzw. kurz danach sind außerordentlich viele Airlines in die Pleite geflogen. Eigentlich ungewöhnlich, denn jahrzehntelang verdienten Fluggesellschaften im Sommer bestens, um sich mit den Gewinnen über den ertragsschwachen Winter "retten" zu können. Ein Ende des Sterbens kleinerer Fluggesellschaften ist insofern nicht in Sicht, da auch ein skandinavischer Konzern, für den sich unter anderem die IAG interessieren soll, seit längerer Zeit in finanziell angeknackstem Zustand befindet.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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