Small Planet: Auch polnischer Ableger ist pleite

Restrukturierungsverfahren eingeleitet. 

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Nach der deutschen Small Planet Airlines muss auch die polnische Schwestergesellschaft Insolvenz anmelden und zwar in Form eines so genannten Restrukturierungsverfahren nach polnischem Recht. Dieses kann - im Gegensatz zur deutschen Rechtslage - auch ohne positive Fortführungsprognose eröffnet werden. Generell steht bei diesem Verfahren, das vom Grundgedanken her ungefährt, aber nicht deckungsgleich, mit dem österreichischen Sanierungsverfahren vergleichbar ist, der Erhalt des Unternehmens im Vordergrund.

Small Planet Airlines Sp. zo.o teilte am Montagabend mit, dass dieser Schritt als Teil der Sanierung der gesamten Small Planet Group gesetzt wurde. Damit deutet das polnische Unternehmen - möglicherweise ungewollt - an, dass der gesamte Konzern Finanzprobleme haben dürfte. Zumindest sprechen die Indizien, dass zwei von vier Flugbetrieben (Deutschland und Polen) insolvent sind, deutlich dafür. Derzeit sind die Schwestern in Litauen und Kambodscha nicht von derartigen Schritten betroffen. Möglicherweise könnte dies noch folgen.

Small Planet Poland bezeichnet sich in einer Aussendung selbst als größte Charterairline Polens und betrieb zuletzt bis zu zehn Flugzeuge. Einige davon waren im Rahmen von Wetlease-Aufträgen auch für die Schwestergesellschaften in Deutschland, Kambodscha und Litauen tätig. Generell ist das Personal aller Small-Planet-Flugbetriebe so geschult, dass diese flexibel auf allen vier Plattformen eingesetzt werden können.

Nun werden auch für den polnischen Flugbetrieb Investoren gesucht und dabei will das Unternehmen insbesondere mit attraktiven Slots locken. Das Vertrauen zu Reiseveranstaltern hat man offenbar verloren, denn besonders seit der Insolvenz der deutschen Schwester wird im großen Stil auf Mitbewerber wie Ryanair Sun und Enter Air umgebucht.

"Ich glaube, das ist eine attraktive Investment-Gelegenheit. Wir haben auch wertvolle Slots am Flughafen Warschau Chopin und sehr gefragte Sommer-Slots auf griechischen Inseln wie Zakynthos, Rhodos, Heraklion", erklärt Bartosz Czajka, Geschäftsführer von Small Planet Poland. Der Manager bestätigte bereits in den letzten Tagen wiederholt gegenüber polnischen Medien, dass es finanzielle Rückstände gegenüber Lieferanten gibt und die finanzielle Situation angespannt ist.

Das Unternehmen erklärt weiters, dass man einen sehr arbeitsreichen Sommer nun abschließen würde und nun mangels Nachfrage - zahlreiche Kunden wandten sich ab - die Flotte verkleinern müsste. Maximal zwei Flugzeuge sollen verbleiben. Das Unternehmen beschäftigt momentan rund 300 Flugbegleiter und 100 Piloten. Es wird in Polen damit gerechnet, dass mindestens 300 Mitarbeiter zügig gegangen werden müssen.

Der Flugbetrieb soll ungeachtet der Insolvenz vorerst fortgeführt werden, jedoch müssen Fluggäste nun vorsichtig sein: Ansprüche gegenüber der Airline, die vor dem 5. Oktober 2018 entstanden sind, müssen beim zuständigen polnischen Gericht als Forderung angemeldet werden. Das können Forderungen wie Ausgleichszahlungen nach EU-Passagierrechteverordnung, eventuell direkt gebuchte, aber nicht durchgeführte Flüge und sonstige Ansprüche sein. Wurde jedoch im Rahmen einer Pauschalreise ein Ticket erworben, dessen Abflugtermin noch in der Zukunft liegt, so ist es schlicht und ergreifend das Problem des Tour Operators, falls Small Planet Poland den Flugbetrieb einstellen muss. Der Reiseveranstalter muss dann eine Ersatzbeförderung mit einer anderen Airline organisieren und den Kunden schadlos halten. Erkennbar sind Flüge von Small Planet Poland an P7-Flugnummern.

Abschließend gilt es noch zu erwähnen, dass Small Planet Poland in der jüngsten Medienerklärung andeutet, dass die Firmengruppe angeschlagen sein sein könnte. Die Tatsache, dass man externe Investoren sucht, zeigt offenbar ebenfalls, dass die Mainline in Litauen offenbar nicht in der Lage war oder ist die Töchter in Deutschland und Polen finanziell zu stützen. Die weitere Entwicklung in Deutschland, wo es angeblich vier Interessenten gibt und Polen bleibt daher abzuwarten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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