Schönefeld: Aus für den Rosinenbomber

Gesetzgebung und künftig unleistbarer Hangar gaben den Ausschlag.

Douglas DC-3 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Einst waren die berühmten "Rosinenbomber" am Flughafen Berlin-Tempelhof für die Berliner Bevölkerung überlebensnotwendig, denn mit diesen wurde die in die Geschichte eingegangene Luftbrücke zur Versorgung von West-Berlin aufrecht erhalten. Später etablierte sich ab Tempelhof eine Touristenattraktion, die Rundflüge mit diesem historischen Fluggerät anbot.

Doch die massiv umstrittene Schließung des Tempelhofer Airports machte es den Betreibern schwierig, denn hatten Touristen einst einen sehr kurzen Anreiseweg, musste ab nun zum ehemaligen DDR-Hauptstadtflughafen Schönefeld angereist werden. Immerhin: Dort bekam man einen Hangar mit günstiger Miete zur Verfügung gestellt.

In 2010 kam es zu einer spektakulären Notlandung der einzigen in Deutschland zugelassenen Douglas DC-3, bei der auch einige Insassen verletzt wurden. Da das historische Fluggerät dermaßen schwer beschädigt wurde, entschied man sich mit Hilfe eines ins Leben gerufenen Fördervereins im Vereinigten Königreich eine andere DC-3 zu erwerben. Diese wird seither in einem Hangar in Schönefeld restauriert.

Die Arbeiten müssen nun laut Mitteilung des Fördervereins eingestellt werden. Nach rund neun Jahren muss das Projekt des Wiederaufbaus einer Douglas DC-3 für kommerzielle Rundflüge nun beendet werden. Einer der Gründe hierfür ist, dass sich die behördlichen Auflagen neuerlich verschärft hätten: "Die umfangreichen organisatorischen Arbeiten zur Zulassung einer Werft in Deutschland, die Wiederaufnahme der DC 3 in das Deutsche Kennblatt, die technische Vorbereitung des Umbaus von einer Frachtvariante zur Passagiervariante wurden zielstrebig angegangen. Das Erfolgstempo der einzelnen, voneinander in Abhängigkeit stehenden Schritte hielt sich leider in Grenzen. Die sich ändernde Gesetzeslage zur Zulassung von Annex II ( Historische Luftfahrzeuge ) in diesem Zeitraum brachte neue Unklarheiten und Hürden für das Projekt. Damit waren die Organisation und die Kosten für das Projekt kaum noch seriös zu kalkulieren."

Einen weiteren Rückschlag will man seitens der Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH erlitten haben, denn den momentanen Hangar, der angeblich günstig gemietet wird, darf man in Zukunft nicht weiterhin nutzen. Der Förderverein drückt es drastisch aus: "Darüber hinaus sind wir seit der letzten Woche nun informiert, dass der Rosinenbomber am neuen BER kein Zuhause mehr bekommen würde. Eine für dieses historische Luftfahrzeug unabdingbare Hangarierung ist ab Mai 2019 ausgeschlossen. Ein Betreiben des Rosinenbombers auf einem Platz weit außerhalb von Berlin sehen wir jedoch historisch und wirtschaftlich, auch in Anbetracht der Einwerbung von weiteren benötigten Spendengeldern, als ausgeschlossen an."

Die Berliner Morgenpost berichtet dazu, dass alternative Möglichkeiten seitens des BERs angeboten worden wären, jedoch diese finanziell für den Förderverein nicht leistbar wären. Der "alte Hangar" wäre deutlich billiger als das Angebot für die Zukunft. Dem aktuellen Informationsstand nach muss der Förderverein samt seiner Douglas DC-3 im Mai 2019 ausziehen.

Das Schicksal der Berliner Rosinenbomber ist in Deutschland kein Einzelfall, denn auch die Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung wird in Zukunft keine Passagierflüge mit Maschinen des Typs Ju-52 anbieten. Auch das Projekt "Super Constellation" wurde nach mehr als neun Jahren Arbeit seitens der Stiftung wieder eingestellt, so dass es unwahrscheinlich ist, dass dieses Munster jemals abheben wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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