Ryanair/Laudamotion und Lufthansa lügen sich um die Wette

Beide Konzerne stellen jede Äußerung der jeweils anderen Partei als unwahr dar.

Ob nun Ryanair oder Lufthansa die Wahrheit oder aber die Unwahrheit sagt, ist nicht feststellbar (Foto: Deutsche Lufthansa AG).

Laudamotion-Mehrheitseigentümer Ryanair legt im inoffiziellen "Pinocchio-Wettbewerb" (Ryanair/Laudamotion gegen Lufthansa) nochmals nach und bezeichnet die öffentliche Reaktion des Kranich-Konzerns bezüglich der Aussendung der Iren nach der Kündigung der Leasingverträge für jene neun Jets der A320-Reihe, die Laudamotion von Lufthansa least, als Lüge.

Besonders sauer stößt Ryanair die Behauptung des Kranich-Konzerns auf, dass man sämtliche Auflagen der EU-Kommission bezüglich des Leasings der ehemaligen Niki-Jets an Laudamotion erfüllt habe. "Das ist schlichtweg eine Lüge", schreibt Ryanair. "Lufthansa hat zugestimmt elf Maschinen zu verleasen, hat mit Stand 13. Juli 2018 aber nur neun Stück an Laudamotion übergeben."

"Ein Flugzeug, das Anfang Juni hätte übergeben werden sollen, ist nun "verspätet" und soll frühestens Ende August übergeben werden. Das bedeutet, dass Laudamotion Slots während der Hochsaision verlieren wird", so Ryanair. Es handelt sich dabei übrigens um die OE-LES, die momentan noch die vollständige Niki-Lackierung trägt.

Weiters behauptet Ryanair, dass Lufthansa die Auflage der EU-Kommission auch dahingehend nicht erfüllen würde, dass die Konditionen eben nicht marktüblich wären. Die Iren behaupten, dass jene Raten, die Laudamotion zu zahlen habe, deutlich höher wären als vergleichbare Marktangebote für Maschinen der A320-Familie diesen Alters.

Ryanair führt weiters aus, dass Laudamotion sowohl die Leasingraten als auch die Wartungsrücklagen stets an Lufthansa bezahlt hätte. Die Behauptung, dass die österreichische Tochtergesellschaft wiederholt vertragswidrig bezahlt hätte bzw. dass es Zahlungsanstände geben würde, wäre falsch.

"Lufthansa versucht jede nur erdenkliche Möglichkeit, um Laudamotion zu schaden. Dies schließt auch ein, dass Lufthansa das Wetleasing beendete und dann auch noch die Zahlung von 1,5 Millionen Euro an Wet-Lease-Raten verweigert, obwohl diesen Lufthansa ursprünglich zugestimmt hat", so Ryanair. Da jedoch Eurowings behauptet, dass man stets alle ACMI-Raten an Laudamotion überwiesen habe, liegt die Vermutung nahe, dass die strittigen 1,5 Millionen Euro eine Abschlagszahlung, die im Zuge der Beendigung der ACMI-Zusammenarbeit vereinbart worden sein könnten, darstellen könnten. Dem widerspricht jedoch eine Äußerung von Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber, der explizit von unbezahlten ACMI-Raten sprach.

Es ist momentan nicht möglich festzustellen, ob Laudamotion/Ryanair oder die Lufthansa die Wahrheit kommunizieren oder aber die Unwahrheit, da beide Konzerne jedes Wort, das öffentlich kommuniziert wird, gegenseitig als Unwahr, also als Lüge, darstellen. Unsachlich ausgedrückt: Dies gleicht durchaus ein bisschen einem Kindergarten, zumal kommende Woche in London ohnehin ein Gerichtstermin anberaumt ist, der für vorläufige Klärung sorgen könnte. Weiters ist auch die EU-Kommission aufgrund einer Eingabe von Laudamotion mit der Angelegenheit befasst, so dass es eigentlich nicht notwendig wäre sich gegenseitig in Aussendungen die Unwahrheit vorwerfen zu müssen. In der Regel werden solche Unstimmigkeiten, auch unter rivalisierenden Konzernen, eher vor Gericht oder diskret ohne Öffentlichkeit geregelt.

Der vorläufige Stand der Dinge ist wie folgt: Lufthansa hat Laudamotion den Leasingvertrag für neun Maschinen gekündigt. Dagegen ziehen die Österreicher vor Gericht und haben eine einstweilige Verfügung erwirkt. Kommende Woche findet in London - dieser Gerichtstand wurde vertraglich vereinbart - eine erste gerichtliche Anhörung statt. Weiters beschuldigen sich Laudamotion und die Lufthansa Group gegenseitig bezüglich Zahlungsanständen. Laudamotion/Ryanair behauptet, dass Eurowings ACMI-Raten schuldig geblieben wäre und Lufthansa behauptet hingegen, dass Laudamotion die Leasingraten für die neun Jets der A320-Familie nicht vertragskonform bezahlt hätte. Beide Seiten dementieren die jeweils andere Äußerung. Was nun von den ganzen gegenseitigen Anschuldigungen und Bezichtigungen der Lüge stimmt und was nicht, werden wohl das Gericht in London und die EU-Kommission zu klären haben.

Einen ausführlichen Artikel mit Stellungnahmen von Ryanair, Lufthansa und Laudamotion-Chef Andreas Gruber finden Sie hier. Ein pikantes Detail am Rande: Niki Lauda, der sich in Sachen Lufthansa seit der Air-Berlin-Pleite vor rund 11 Monaten, selten ein Blatt vor den Mund nahm, schweigt in dieser Angelegenheit bislang.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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