Ryanair könnte das Wachstum verlangsamen

Auswirkungen auf Österreich-Tochter Laudamotion unklar.

Winglet einer Boeing 737-800 (Foto: Jan Gruber).

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair könnte in nächster Zeit erheblich langsamer wachsen, denn nebst der Absenkung der Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr stellt der Carrier nun auch alle Strecken und Basen auf den Prüfstand. Man werde diese "sehr genau prüfen", berichtet das deutsche Portal Airliners.de unter Berufung auf ein internes Rundschreiben, das von Ryanair-Personaldirektor Eddie Wilson gezeichnet ist.

Der irische Billigflieger musste aufgrund gestiegener Treibstoffpreise, aber auch den Kosten, die durch diverse Streiks entstanden sind, bereits zum dritten Mal in Folge die Gewinnprognose absenken. Dies erfreut die Aktionäre des börsennotierten Konzerns mit Sicherheit nicht, weshalb die Geschäftsleitung nun Gegenmaßnahmen einleiten wird. Allerdings gibt man sich - wie bei börsennotierten Firmen üblich - noch äußerst wortkarg gegenüber der Belegschaft.

Airliners.de berichtet, dass auch eine Verlangsamung des Wachstums eine mögliche Option wäre. Dabei könnten die 135 Boeing 737-Max-200-Jets langsamer als ursprünglich geplant übernommen werden oder aber die Ausflottung älterer 737-800NG zügiger gestaltet werden. Einhergehen könnten gleichzeitig weniger Neueinstellungen.

Welche Routen und/oder Stützpunkte betroffen sein könnte, wollte Wilson in seinem Schreiben allerdings noch nicht verraten. Lediglich, dass man die Gewerkschaften und die Beschäftigten rechtzeitig kontaktieren werde, um ihnen bei Möglichkeit einen Wechsel zu einer anderen Basis anbieten zu können, ist zu erfahren. Allerdings soll es noch einige Monate in Anspruch nehmen bis dahingehend Entscheidungen getroffen werden. Auch nicht ausgeschlossen sind: Saisonale Stützpunkte, die beispielsweise nur während der Sommersaison betrieben werden.

Welche Rolle die österreichische Tochtergesellschaft Laudamotion in diesem Sparkurs einnehmen wird, ist derzeit nicht klar. Firmenchef Andreas Gruber betonte zuletzt, dass die Zeichen auf Wachstum stehen und bis 2021 soll die Flotte auf 40 Flugzeuge anwachsen. Da der Manager jedoch Basen außerhalb Deutschlands und Österreichs nicht explizit ausschloss, besteht zumindest spekulativ die Möglichkeit, dass Ryanair die eine oder andere Basis an Laudamotion oder aber die polnische Ryanair Sun übergeben könnte. Bereits geschehen sind solche Schritte bereits: Ab Polen fliegt künftig überwiegend der lokale Ableger im Auftrag der Konzernmutter, während sich Laudamotion aus beispielsweise Köln/Bonn und Berlin-Tegel zurückzog. Im Gegenzug übergab Ryanair Düsseldorf und Stuttgart weitgehend an die Österreicher.

Einen sonderlichen Hehl macht man bei Laudamotion ohnehin nicht daraus, dass sich das Unternehmen mitten in einer Aufbau- und Expansionsphase befindet und in vielerlei Hinsicht vom irischen Mutterkonzern abhängig ist. Zum Beispiel nutzt man für den Vertrieb die Homepage der Iren und auch in finanzieller Hinsicht dürfte Ryanair den Österreichern kräftig unter die Flügel greifen, denn andernfalls könnte sich Laudamotion wohl kaum Dumpingpreise wie 5,99 Euro und weniger leisten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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