Russische Banken beraten über Utair-Zukunft

Russische Medien werfen vor Billigtickets aufgelegt haben, um einen fälligen Kredit zahlen zu können. Nun sollen die neuen Routen aber gar nicht aufgenommen werden...

Boeing 737-700 (Foto: Utair).

Bei der russischen Fluggesellschaft Utair ist die Finanzlage laut lokalen Medienberichten stark angespannt, denn der Cash-Bestand der Airline soll nicht mehr ausreichen um die Zinsen endfälliger Kredite bezahlen zu können. Dies brachte nun insgesamt 11 Banken, bei denen die Airline in der Kreide steht, auf den Plan das weitere Vorgehen gemeinsam abzustimmen.

Zwar konnte Utair im vergangenen Jahr einen kleinen Gewinn schreiben, doch die Altlasten drücken heftig. Eine Anleihe wurde kürzlich fällig, die zwar vollständig ausbezahlt werden konnte, doch russische Medien erheben dabei schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. So sollen diverse neue Inlandsstrecken angekündigt und Tickets zu äußerst günstigen Preisen verkauft worden sein. So soll sich die Airline ausreichend Cash beschafft haben, um die fällige 12-Jahres-Anleihe ausbezahlen zu können. Nun sollen aber einige Routen gar nicht aufgenommen werden. Dazu erklärt der russische Luftfahrtexperte und Analyst Dmitry Adamidov gegenüber Riafan.ru: "Um einen Teil der Schulden zu begleichen, hat Utair die Tickets für den Frühling und den Sommer zu ermäßigten Preisen verkauft. Nachdem sie nun Geld gesammelt und für die Tilgung des Darlehens verwendet hatten, wurde ihnen klar, dass sie keine Flüge machen können und nun bieten sie den Passagieren an sie zu rentableren Zielen zu befördern." Weiters geht er davon aus, dass russische Airlines zahlreiche Inlandsrouten aufgeben müssen, da diese nicht rentabel zu betreiben sind und sich die Fluggesellschaften hohe Verluste nicht mehr leisten können.

Besonders drückend ist für Utair, dass zwei Darlehen, die 2022 bzw. 2027 endfällig wären aufgrund ab Dezember nicht bezahlter Zinsen nun von den Banken fällig gestellt werden. Russische Medien beziffern das Volumen mit umgerechnet 521.980.574 Euro. An Zinsen soll die Airline umgerechnet etwa 13.341.752 Euro schuldig sein. Mit weiteren 232.290.712 Euro soll Utair allein bei der Sberbank in der Kreide stehen, die gegen die Zwangsvollstreckung und Verwertung von Sicherheiten gestimmt haben soll.  Zuletzt genannter Kredit ist im kommenden Jahr zur Rückzahlung fällig. In den letzten veröffentlichten Quartalszahlen wies die Fluggesellschaft im September 2018 einen Cashbestand in der Höhe von nur 9.397.471 Euro aus, was zur Bezahlung der Zinsen nicht ausreichend ist.

Während sich die Sberbank und zwei weitere Großbanken öffentlich klar zu Utair bekennen, ist das Verhalten anderer Gläubiger wesentlich vorsichtiger. Das zuerst genannte Kreditinstitut erklärte auch, dass man eine Pleite der Utair vermeiden wolle und diese bei der Umstrukturierung ihrer Darlehen unterstützen wolle. Die weitere Entwicklung bleibt daher abzuwarten.

Utair ist nach der Aeroflot Gruppe, der S7 Airlines und der Ural-Airlines-Group die viertgrößte Fluggesellschaft des Landes und gilt seit einigen Jahren als finanziell angeschlagen. Da kam dem Carrier ein Vorfall am 18. Feber 2019 noch unpassender, denn eine Maschine musste aufgrund eines Riss in der Cockpitscheibe eine Sicherheitslandung auf dem Flughafen Moskau-Vnukovo einlegen. Das Flugzeug ist zur Klärung der Ursache und zur Reparatur vorläufig abgestellt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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