Powdair: Viele Ankündigungen, noch mehr Fragezeichen

Luftfahrtbehörden äußern Zweifel.

Den Flughafen Sion will die Firma Powdair als Basis für Charterflugzeuge nutzen (Foto: www.AirTeamImages.com).

Wer oder was das irische Startup Powdair eigentlich genau sein soll, wird seitens der handelnden Personen regelrecht geheim gehalten, doch um eine Fluggesellschaft handelt es sich bei dem Unternehmen, das sich zumindest im Internet wie eine Airline präsentiert, nicht, denn man verfügt über kein AOC. Dennoch will man Flüge zwischen Zürich und Sion, also innerschweizerisch anbieten.

Ein Sprecher der irischen Zivillluftfahrtbehörde bestätigte gegenüber Austrian Aviation Net, dass Powdair selbst über kein AOC verfügt und bis dato auch keinen entsprechenden Antrag eingereicht habe. Auch seitens des schweizerischen Bundesamts für Zivilluftfahrt ist man entsprechend skeptisch: "Diese ominöse Firma ist auch für uns ein großes Fragezeichen. Ich kann lediglich sagen, dass Powdair kein Schweizer AOC hat und dass noch nie eine entsprechende Anfrage an uns gelangt ist. Wir wissen momentan auch noch nicht, mit welchen Flugzeugen die Firma Sion anfliegen will, und wer wirklich dahinter steckt. Sicher ist auch, dass die Firma ihren Sitz nicht in Sion sondern in Irland hat", erklärt ein Bazl-Medienreferent auf Anfrage.

Der ungefragt "geborgte" Drei-Letter-Code

Die Entwicklung des Powdair-Projekts wirkt zumindest leicht chaotisch, denn ursprünglich kündigte das Unternehmen an, dass man den Flughafen Sion mit Airbus-Maschinen bedienen werde, zwischenzeitlich sprach man von der für diesen Flugplatz völlig ungeeigneten Fokker 100, über Embraer 170/190 und vor einigen Wochen wurde Backbone als Betreiberin von CRJ-200-Maschinen vorgestellt.

Auch nahm man es beim Verkauf von Flugtickets bislang nicht sonderlich genau mit den Vorschriften, denn bis zur Bekanntgabe des Business-Jet-Betreibers Backbone als Operating-Carrier wies man in der Buchungsmaske sämtliche Flüge mit dem Drei-Letter-Code POW aus. Wer nun glaubt, dass POW für Powdair stehen würde, irrt, denn dieser ICAO-Designator ist der Hagondale Limited, der Muttergesellschaft von Titan Airways, zugeordnet, die freilich von der "Leihgabe" nichts wusste. Seit einigen Wochen ist in der Powdair-Buchungsmaske jedoch der Drei-Letter-Code BOB ersichtlich, der Backbone zugeordnet wird.

Ähnlich verhält es sich hinsichtlich der ab Sion angekündigten Destinationen. Ursprünglich verkündete Powdair Bristol, Edinburgh, Luton, Southend, Manchester und Southampton, Antwerpen und Hamburg. Für die genannten Städte wurden zwischenzeitlich auch Flugscheine über die Firmenhomepage feilgeboten, jedoch am 31. August 2017 waren Hamburg und Edinburgh wieder spurlos verschwunden. Eine offizielle Medienaussendung hierzu gab es nicht.

Dafür will man nun in Zusammenarbeit mit Darwin Airline Sion-Zürich und Sion-London City hochfrequent ganzjährig anbieten. Die innerschweizerische Route soll ab Dezember 2017 gar dreimal täglich bedient werden. Der innerstädtische Airport Londons soll mit zwei Umläufen pro Tag angesteuert werden. Als Fluggerät sollen auf den beiden Ganzjahresrouten Maschinen des Typs Saab 2000 zum Einsatz kommen.

"Wir hatten immer einen Blick auf den London-City-Airport, da wir wissen, dass sich hier Wintersportflüge der Region konzentrieren, denn Wintersportler in diesem Bereich sind auf der Suche nach einem bequemen Weg, um die Alpen zu erreichen, etwas war, das wir nicht ignorieren konnten. Wir haben eine unglaubliche Nachfrage gehabt, seit wir zum ersten Mal für einen direkten Service nach London City angeboten haben und wir freuen uns sehr, dass wir es unseren Kunden während unserer ersten Saison anbieten können. Ebenso wichtig für uns war die Chance, den Schweizer Besuchern im Wallis und den Wallisern gerecht zu werden, um Zürich für geschäftliche und internationale Verbindungen leicht erreichen zu können. Unser dreimal täglicher Service nach Zürich wird zwischen den Alpen und einem der größten Wirtschaftszentren in der Schweiz wird schnell und einfach werden und wir hoffen, dass wir uns im Rahmen des Programms als sehr beliebt erweisen werden", erklärt Powdair-Head-of-Commercial Zoë Ombler in einer Aussendung.

Sofern die beiden Flugstrecken aufgenommen werden sollten, dürfte es ein interessantes Experiment darstellen, da Darwin Airline schon bisher die Möglichkeit gehabt hätte diese Route zu bedienen, dies jedoch nicht tat. Auch andere schweizerische Airlines wie beispielsweise SkyWork, EasyJet Switzerland, Helvetic oder Swiss sahen bislang offenbar kein Potential in einem rund 45-minütigen Inlandsflug zwischen Zürich und Sion. Auch London-City ist als ganzjährige Strecke im doppelten Tagesrand absolutes Neuland, für das sich bis dato weder britische, noch schweizerische Carrier interessiert haben. 

Darwin-Airline-CCO Christian Schneider erklärt dazu ein einer Powdair-Aussendung: "Wir sind sehr erfreut, der Partner für Powdair auf ihren neuen Strecken von Sion nach London City sowie Zürich zu sein. Als hoch erfahrene Schweizer Regionalfirma freuen wir uns, die Zusammenarbeit zu beginnen und unsere neue Marke Adria Airways Schweiz in Partnerschaft mit Powdair zu sehen. "

Homepage und Telefonnummer

Die Berner Regionalfluggesellschaft SkyWork Airlines bringt jedoch besondere Spannung auf den Flugplatz nach Sion, denn der Carrier plant ebenfalls eine Saab 2000 zu stationieren und damit die Destinationen Antwerpen, Hamburg, Bristol, Luton, Southend und Southampton anzusteuern. Der entscheidende Unterschied zwischen SkyWork und Powdair ist, dass die Berner über ein gültiges AOC verfügen und seit vielen Jahren als Fluggesellschaft in der Schweiz und Europa tätig sind.  Dies könnte bei Konsumenten einen gewissen Vertrauensvorschuss bringen, denn auf der Powdair-Homepage finden sich weder ein gesetzeskonformes Impressum, noch eine Telefonnummer. 

Dies ist auch wenig verweunderlich, denn bei in der Fußzeile der Powdair-Homepage angegeben Straßenadresse in Dublin handelt es sich um die Anschrift eines Briefkastenanbieters, der unter anderem damit wirbt, dass man "kostengünstig eine prestigeträchtige Postanschrift" bekommen könne und dazu noch einen "Post- und Faxweiterleitungsservice".

Dazu kommt, dass das Wording der bisherigen Powdair-Aussendung zumindest die Vermutung aufkommen lässt, dass man sich auf der Suche nach Investoren befindet. Wer hinter der Firma steht, will man nicht sagen. Das Portal Aerotelegraph.com schreibt, dass ein britischer Mountainbike-Händler und ein Pilot das Unternehmen gegründet hätten und als Aktionäre "Schifans" beteiligt wären. Wer jedoch als maßgeblicher Kapitalgeber aktiv ist, will man offenbar nicht sagen.

Powdair scheint jedoch eng mit dem britischen Mountainbike-Händler Ellis Brigham, der innerhalb des vereinigten Königreichs rund 20 Filialen betreibt, verwoben zu sein, denn für den 6. September 2017 kündigt das Startup einen offiziellen Launch-Event in der Zweigstelle Covent Garden in London an. Der Sportartikelhändler wird in der letzten Powdair-Aussendung allerdings nicht als Gesellschafter, sondern als Vertriebspartner bezeichnet.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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