Powdair hebt definitiv nicht ab

Hintermänner haben bereits zahlreiche Pleiten hinter sich.

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Die Briefkastenfirma Powdair wollte eigentlich ab dem schweizerischen Sion diverse Ziele in UK und Belgien ansteuern und sah sich als Airline für Schifahrer, wobei der Begriff Airline insofern irreführend ist, da man zu keinem Zeitpunkt über AOC oder Betriebsbewilligung verfügte. Nun ist endgültig Schluss, wobei die Verantwortlichen in einer Aussendung lediglich davon schreiben, dass man ein Jahr später abheben werden.

Doch die Hintermänner haben insbesondere im Vereinigten Königreich bereits eine unrühmliche Vorgeschichte, denn vor ziemlich genau zwei Jahren standen bereits tausende Menschen mit bezahlten Tickets da, jedoch zu einer Beförderung kam es nicht mehr. Zoe Obller und Nick Davis standen hinter Scoot Ferries, die im Jahr 2015 unmittelbar vor Weihnachten den Betrieb einstellen musste. Die Erklärungen in der Öffentlichkeit sind übrigens sehr ähnlich, doch lässt man gegenüber Isle of Wight County Press jeglichen Zusammenhang durch einen Chief Commercial Officer dementieren.

Nachdem man also mit High-Speed-Fährschiffen keinen Erfolg hatte und tausende verärgerte Kunden hinterlassen hat, wollte man sich als Skifahrer-Airline ohne AOC und Betriebsbewilligung versuchen. Der Firmensitz in Irland befindet sich bei einem einschlägigen Briefkasten-Dienstleister. Mehrere Geschäftsführer verschiedener Fluggesellschaften in Europa äußerten im Gespräch mit Austrian Aviation Net massive Zweifel daran, dass Powdair jemals hätte abheben können.

Beispielsweise kündigte Darwin Airline aus nicht näher bezeichneten Gründen die Charterverträge auf, während SkyWork zu keinem Zeitpunkt einen Contract mit dem dubiosen Unternehmen abschloss. Auch andere potentielle Operators sollen bereits frühzeitig Abstand genommen haben.

Pikant ist aber, dass diverse schweizerische Zeitungen schreiben, dass zahlreiche Hotels und Schigebiete im Wallis bereits Geld in Powdair gesteckt hätten. Die nunmehrige Absage lässt sehr viel Raum zur Spekulation zum eigentlichen "Geschäftsmodell" der Briefkastenfirma offen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass bisherigen Firmen von Zoe Obller und Nick Davis nicht von langer Lebenszeit waren. Scoot Ferries musste laut BBC in 2015 nur vier Tage vor Weihnachten den Betrieb einstellen und rund 32 Seeleute auf die Straße stellen. Zuvor scheiterte man mit einer Sicherheitsfirma, die gegen Piratenangriffe schützen sollten. In 2014 strandeten rund 100 Menschen, die auf diversen Schiffen eingesetzt waren. Und in 2017 dürften Urlaubsträume dank "No-Fly-Powdair" platzen, wobei nicht nur Passagiere, sondern auch Hoteliers betroffen sind.

Reisenden, die bei Powdair gebucht haben, kann eigentlich nur der Rat gegeben werden, dass diese künftig genauer darauf achten sollten wo sie buchen und bei Firmen, die weder ein konzessioniertes Reisebüro oder eine Fluggesellschaft mit AOC und Betriebsbewilligung sind und noch dazu weder Impressum, noch Telefonnummer auf der Homepage haben, Abstand von Käufen bzw. Buchungen nehmen. Eventueller Geldverlust ist für Betroffene wohl oder übel in die Gattung "Lehrgeld bezahlt" einzustufen...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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