Portrait Airborne Technologies

Interview mit Geschäftsführer Ing. Wolfgang Grumeth

Tecnam MMA (Foto: Airborne Technologies)

In Wiener Neustadt ist ein relativ junges, erfolgreiches Luftfahrtunternehmen ansässig, das sich auf Beobachtungs- und Vermessungsmissionen in der Luft inklusive Datenverarbeitung und auf den Verkauf von kompletten Luftfahrzeug-/Sensorplattformen spezialisiert hat.

Grund genug für Austrian Aviation Net, den Geschäftsführer von Airborne Technologies, Ing. Wolfgang Grumeth, über sein Unternehmen zu interviewen.

Das Interview fürhrte Manfred Saitz am 3. Mai am Firmensitz des Unternehmens in Wr. Neustadt.

 

 

Geschäftsführer Ing. Wolfgang Grumeth

AAnet: Herr Grumeth, erzählen Sie etwas über die Geschichte von Airborne Technologies. Wie ist die Firma entstanden?

Grumeth: Das Unternehmen gibt es seit Oktober 2008. Ich habe mich vor ungefähr sieben Jahren schon immer wieder damit beschäftigt, wie man eigentlich den kleinen Flugzeugen der General Aviation noch einen anderen Nutzen zugeben kann, als nur als Trainings- und Reisemittel für selbst fliegende Geschäftsleute. Dadurch war es eigentlich sehr naheliegend darauf zu kommen, dass man diese Flugzeuge für Beobachtungs- und Vermessungszwecke nutzen kann und dadurch die Effizienz zu steigern und einen größeren Marktzugang zu erlangen.
Mit dieser Idee habe ich mich schon beschäftigt, als ich noch bei Diamond arbeitete, die ich mit aufgebaut habe. Als Diamond in die Krise kam wurde vieles umstrukturiert und in Frage gestellt. Und zu diesem Zeitpunkt habe ich mich dann entschlossen, mich selbstständig zu machen.

Wie groß ist des Unternehmen und wie sieht die wirtschaftliche Lage bei Airborne Technologies aus?

Zur Zeit haben wir 16 Mitarbeiter auf der Lohnliste und je nach Einsatzlage ungefähr fünf bis sechs weitere Freelancer ständig beschäftigt. Diese Freelancer sind teilweise Piloten, Operators aber auch Techniker und Ingenieure, die permanent für uns Festigkeitsrechnungen machen und andere Analysen.
Als die Firma begonnen hat war die Auftragslage noch recht gut. Im Sommer 2009 hat die Wirtschaftskrise dann aber auch uns erreicht und hat für einige Monate den kompletten Vermessungs- und Beobachtungsmarkt still gelegt. Wir haben schon gemerkt, dass der Markt vorhanden ist, da wir unendlich viele Anfragen bekommen haben. Aber es hat sich niemand entscheiden können, tatsächlich einen Auftrag zu platzieren. Wir haben daher in dieser Zeit sehr viel Marktaufbereitungsarbeit geleistet, wir haben die Marketinglinie und die Produkte aufgebaut.

Laser Scan der Therme Lindsberg Asia

 

Mittlerweile können wir aber sagen, dass für uns die Krise vorbei ist. Wir haben volle Auftragsbücher in allen Geschäftsbereichen. Unsere Flugzeuge fliegen in dieser Woche eines in Albanien, eines in Rumänien, nächste Woche geht eines nach England. Im Bereich Verkauf von Gesamtsystemen haben wir auf der Aero 2010 den ersten Verkauf unserer Hausmarke Tecnam MMA nach Russland abgeschlossen. Auch für unsere drei anderen "Preferred Platforms" haben wir konkrete Aufträge laufen.

Was sind die Hauptauftragsbereiche /-gebiete im Bereich Data Acquisition & Processing? Wie sieht die Aufteilung Inland/Ausland aus?

Der Anteil Inland/Ausland ist ganz klar zu Gunsten ausländischer Aufträge. Wir können froh sein, wenn wir zwanzig Prozent unserer Geschäftstätigkeit im Bereich Data Acquisition & Processing im Inland erzielen.
Die Hauptaufgabenbereiche sind Vermessung mittels Laserscanner, wo man die Geometrie des Bodens sehr genau festhalten kann, Photogrammetrie und Hyperspektral Imaging, eine neue Technologie, die darauf beruht, dass man dem Spektrum des Lichts mehr Informationen entnehmen kann, als das menschliche Auge zu sehen im Stande ist.

Sie bewerben unter dem Begriff "Airborne Special Services" auch militärische, bzw. hoheitliche Anwendungsmöglichkeiten in ihren Prospekten. Wie sieht es hier mit der Auftragssituation aus?

Bei militärischen und Law Enforcement/ Homeland Security Nutzungen haben wir als private Firma in Österreich naturgemäß keine Aufträge im Dienstleistungsbereich. Wir sind aber sehr oft im Einsatz um für andere private Firmen, die in diesem Bereich für staatliche Organisationen tätig sind, Dienstleistung zu erbringen. Im Ausland ist es durchaus üblich, dass man derartige Überwachungsaufgaben an private Firmen outsourced. Und hier haben wir einige Kunden, die bei uns Gesamtsysteme kaufen. Der Bereich der Airborne Special Services entwickelt sich bei uns umsatzmäßig tatsächlich am besten. Denn es geht darum, Gesamtsysteme zu verkaufen. Und da handelt es sich meistens nicht um ein einzelnes Flugzeug, sondern um Flotten. Und auch nicht nur um das Flugzeug selbst, sondern um die gesamte Plattform. Unsere Wertschöpfung beinhaltet die Anbringung der Sensoren, die Zulassung und Lieferung des gesamten Systems, aber auch die Schulung des Personals und die erfolgreiche Inbetriebnahme am Kundenort.

Operator-Arbeitsplatz im Tecnam MMA


Welche Flugzeug-Plattformen bieten Sie ihren Kunden an?

Wir haben sogenannte "Preferred Platforms" für den Betrieb und für das Tragen solcher Sensoren identifiziert. Das ist bei uns die Tecnam MMA, die wir selbst mit einem Supplementary Type Certificate auf diesen Status heben. Sie ist das kleinste Mitglied für Preferred Platforms.



Wolfgang Grumeth vor dem Tecnam MMA

Dann haben wir die Vulcanair P-68 Observer, die bei uns unter dem Begriff "das Original" läuft, denn sie wurde schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt für solche Aufgaben genutzt.

 

Weiters haben wir die Pilatus PC-6 als Spezialanwendungsflugzeug mit enormer Zuladung und hervorragenden Langsamflugeigenschaften.

 

Und schließlich die Vulcanair Aviator, einen zweimotorigen Turboprop, der bei uns unter dem Begriff "no-limits" läuft, denn sie ist wirklich maßgeschneidert für solche Aufgaben. Sie besitzt zwei schließbare Bodenluken und in der Nase neben dem Bodenradar noch eine zusätzliche Position für eine Beobachtungskamera. Generell sind Hochdecker für Beobachtungsaufgaben vorteilhafter, denn man schaut sich mit den Kameras und Messgeräten nicht den eigenen Flügel und den eigenen Motor an.

 


Sind Sie an der Sensor-Entwicklung / Spezifikation beteiligt, oder machen Sie sich ein Bild, was es Neues auf dem Markt gibt und evaluieren das dann für Ihre Zwecke?

Grundsätzlich ist es schon so, dass wir uns am Markt orientieren und schauen, welche innovativen Sensoren und Sensorhersteller es gibt. Und wie bei den Flugzeugen identifizieren wir dann bevorzugte Sensorhersteller. Mit diesen arbeiten wir dann so intensiv zusammen, dass das durchaus zu einer interaktiven Optimierung der Systeme führt.
Wir sind neuen Sensoranwendungen sehr offen und daher war es auch naheliegend, dass wir uns für der Messung der sogenannten Aschewolke engagieren. Wir haben mittlerweile ein Messverfahren etabliert, gemeinsam mit der Firma Grimm Aerosol Technik GmbH. Wir messen Feinstaubkonzentration und Feinstaubpartikelgrößen in allen atmosphärischen Schichten hinauf bis 7.000 Meter Höhe und haben mit der Firma Grimm die Messsensorik für diese Anwendungszwecke optimiert. Wir haben auch schon einen Auftrag von der Firma Austro Control GmbH. erhalten. Wir haben das Messsystem jetzt einsatzbereit und die Messwerte kalibriert und verifiziert. Bei der nächsten Notwendigkeit der Messung einer Asche- oder Feinstaubkonzentration in der Atmosphäre sind wir einsatzbereit.

Laser Scan einer Hochspannungsleitung

Wird das komplette Processing Ihrer Missionen in-house durchgeführt, oder wird ein Teil der Daten auch zur Bearbeitung an den Kunden übergeben?

Wir können das komplette Processing bis zum Endprodukt selbst machen; machen wir auch in vielen Fällen. Es kommt aber auch vor, dass der Kunde zum Beispiel nur die Rohdaten bestellt und diese selbst verarbeitet. Der Trend geht mehr in Richtung Komplettlösung.

Sie haben bisher komplette Plattformlösungen (inklusive Zulassung und, Schulung) an Organisationen in Bulgarien, Großbritannien, Mali, Niger, Nigeria, Rumänien und Russland verkauft. In welchen Bereichen werden diese eingesetzt.

Die Kunden sind meistens staatliche Stellen: Polizei, Küstenwache, Grenzüberwachung, sogenannte Spezialpolizeiheiten wie zum Beispiel Drug Enforcement. Es gibt aber den Trend, dass diese Beobachtungsaufgaben privatisiert, und damit outgesourced werden und private Firmen, die als Auftragsnehmer staatlicher Stellen auftreten ein derartiges Flugzeug benötigen. In diesen Fällen geht das Flugzeug mit Sensorik und mit Downlink in die Luft. Die Beobachtungsinformationen werden live in die Bodenstation gesendet, wo sie von staatlichen Stellen ausgewertet werden.

Da sind Sie eigentlich ein recht schlankes Unternehmen, wenn Sie mit nur 16 Mitarbeitern auskommen?

Wir sind da recht schlank, das ist richtig, wissen aber, dass wir gerade in dem Bereich Gesamtsystemverkauf ziemlich wachsen werden.

Welche Qualifikationen muss man mitbringen, um für Ihre Firma die richtigen Voraussetzungen zu haben?

Für den technischen Bereich suchen wir Mechatroniker mit einer starken Affinität zur Luftfahrt. Im Dienstleistungsbereich Personen mit einer computerorientierten Ausbildung, die im Umgang mit Computerprogrammen geübt sind. Idealer Weise, aber nicht als Grundvoraussetzung, Geoinformatiker. Wir beschäftigen hier durchwegs Diplomingenieure, FH Diplomingenieure, HTL Ingenieure mit einer Computerausbildung, kombiniert mit Kenntnissen im Bereich Mechanik und Nachrichtentechnik, daher sind auch hier Mechatroniker gefragt.

Vegetationsanalyse

Wer sind in Ihren Marktsegmenten Ihre bedeutendsten Konkurrenten im In- und Ausland und wie groß ist Ihr Marktanteil?

Da muss man wieder trennen zwischen Dienstleistung und Gesamt-Plattformsystemen. Im Bereich Gesamtsystem ist es sehr schwierig einen Marktanteil anzugeben, weil wir diesen Markt, kleine Flugzeuge im Dienst der öffentliche Sicherheit einzusetzen, neu gestaltet haben. Bisher wurden diese Aufgaben mit wesentlich größeren Flugzeugen abgedeckt. Das Echo von den Herstellern unserer Plattformen ist enorm. Sie freuen sich, dass sie mit uns einen Partner haben, der ihnen diese Aufgabe der Gesamtintegration abnimmt und ihnen einen zusätzlichen Markt erschließt.
In unserer unmittelbaren Nachbarschaft gibt es die Firma Diamond, bei der ich damals diese Idee entwickelt habe. Wie viel Marktanteil wer hat ist aber sehr schwer zu schätzen. In Europa konnten wir aber noch keine Firma identifizieren, die tatsächlich das selbe Portfolio abdeckt, das wir abdecken. Es gibt schon Firmen, die nachträgliche technische

Autor: Manfred Saitz
Das ist der Kurztext zu Manfred Saitz.

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