OLT Express in schwerer Krise

Die mangelhafte Auslastung der neuen Strecken, der Verlust des Swiss-Wetlease-Auftrages und eines weiteren Großauftrages setzen OLT Express unter Druck. Vier bis fünf Fokker 100 sollen kurzfristig stillgelegt werden, alle Verbindungen nach Wien gestrichen werden und das Thema Personalabbau sieht man als unvermeidbar an. Im Sommerflugplan sollen alle Wien-Strecken, ausgenommen Saarbrücken, wieder geflogen werden.

Fokker-100-Flotte wird halbiert. (Foto: www.AirTeamImages.com)

In Branchenkreisen wurde schon länger gemunkelt, dass die Regionalfluggesellschaft OLT Express einen schweren Winter haben wird. Am Freitag bestätigte die Airline, dass die Lage noch schlimmer ist als bisher angenommen.

OLT Express wird vier bis fünf Fokker-100-Jets stilllegen und an den Leasinggeber "Mass Leasing" (ebenfalls im Eigentum von Panta Holdings B.V.) zurückgeben. Ein Sprecher der Fluggesellschaft bezeichnete das Vorgehen als "Entgegenkommen des Leasinggebers". Ob und wie viele Arbeitsplätze wegfallen könnten, wäre im Moment noch nicht absehbar. Man befinde sich in Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern über Teilzeit und Kurzarbeit.

Auch Verwaltung, Technik und Unternehmensstandorte sind betroffen. So schreibt OLT Express in einer Aussendung: "Wegen der negativen Skaleneffekte sind voraussichtlich auch Einsparungen bei Technik und in der Verwaltung unvermeidbar. Auch steht auf dem Prüfstand, ob alle Unternehmensstandorte erhalten bleiben."

Das als "große Expansion" beworbene und mit zahlreichen Jubelmeldungen beweihräucherte neue Streckennetz ist Geschichte. Alle Verbindungen nach Wien werden bis Anfang des Jahres 2013 eingestellt. Innerdeutsch werden neben der Verbindungen ab Bremen lediglich folgende Strecken weitergeflogen: Münster/Osnabrück-München, Dresden-Hamburg, Dresden-Zürich, Saarbrücken-München, Karlsruhe/Baden-Baden-Hamburg. Sämtliche anderen Strecken, ausgenommen dem "alten" Flugangebot ab Bremen, werden aufgelassen. Fluggäste, die bereits Tickets gekauft haben, sollen ihr Geld erstattet bekommen.

Ein Sprecher der OLT Express gab auf AANet-Anfrage an, dass mangelnde Auslastung und die Tatsache, dass eine stabile Auslastung nicht absehbar war, die Geschäftsleitung zu diesem Schritt gezwungen habe, um schlimmeres zu verhindern.

Nebenbei kommunizierte die Fluggesellschaft in ihrer Pressemeldung, dass man zwei Großaufträge verloren habe. Offen schreibt man, dass Swiss den Wetlease-Auftrag für zwei Fokker 100 nicht verlängert hat. Ein Sprecher der Fluglinie meinte dazu, dass "die Nichtverlängerung des Vertrages überraschend ist". Auch den Ticketing-Auftrag ab Bremen eines Luft- und Raumfahrtkonzerns hat man verloren, wie ein Sprecher der OLT Express auf AANet-Anfrage bestätigte.

Geschäftsführer Dr. Joachim Klein in der Aussendung:  „Unser Ziel war es, für die beschäftigungslosen Flugzeuge von Contact Air, die wir im September übernommen haben, und der OLT Express Germany ein eigenes Streckennetz zu entwickeln und zu vermarkten und so alle Arbeitsplätze in beiden Unternehmensteilen zu erhalten. Dies wird uns leider nur zum Teil gelingen. Wir haben große Fortschritte bei Aufbau und Vertrieb unseres Streckennetzes gemacht. Aber die für die Entwicklung von neuen Verbindungen innerhalb des Winterhalbjahres notwendigen Investments sind aufgrund der veränderten Ausgangslage nicht mehr darstellbar. Wir wollen uns gegenüber den Kunden und Geschäftspartnern auch künftig als ein verlässliches Unternehmen etablieren. Daher haben wir uns entschlossen, frühzeitig gegenzusteuern und so den Erhalt des Unternehmens zu sichern.“

Dennoch gibt man sich bei OLT Express optimistisch und kündigt die Wiederaufnahme zahlreicher Strecken zum Sommerflugplan an. So sollen Wien-Münster/Osnabrück, Wien-Karlsruhe/Baden-Baden und Wien-Dresden im Sommer wieder geflogen werden. Die Strecke nach Saarbrücken soll - wie ein Airline-Sprecher bestätigte - nicht mehr angeboten werden. Die Veröffentlichung des Flugplans ist für Freitagnachmittag angekündigt.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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