O'Leary mag Laudamotion, streikende FR-Piloten nicht

"Wo gestreikt wird, wird abgebaut".

Diesmal an der Seite von Laudamotion-Chef Andreas Gruber, da einer eigentliche "Inhaber des roten Kapperls" (Niki Lauda) erkrankt war: Michael O'Leary (Foto: Jan Gruber).

Die österreichische Fluggesellschaft Laudamotion verkaufte seit Betriebsaufnahme eigenen Angaben nach rund 2,1 Millionen Flugtickets. Michael O'Leary, Geschäftsführer des künftigen Mehrheitseigentümers Ryanair, betrachtet die Mitbewerber Wizzair und Level (operated by Anisec) jedoch nicht als Konkurrenz. Man werde dieser mit "Leichtigkeit" trotzen.

Weiters betonte der Manager am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs wiederholt, dass Laudamotion der "am besten zahlende Carrier" am Flughafen Wien wäre. Gleichzeitig habe man im Vergleich mit den genannten Mitbewerbern die niedrigsten Kosten. Einen nachvollziehbaren "Beweis" für diese Behauptungen blieb O'Leary erwartungsgemäß allerdings schuldig.

15 Airbus-Jets für Wien

Laut Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber soll die in Wien stationierte Flotte bis Sommer 2019 auf "ungefähr 15 Flugzeuge" anwachsen. Dies lässt vermuten, dass der vorgestellte Flugplan für die warme Jahreszeit des kommenden Jahres noch nicht vollständig ist und die eine oder andere Destination folgen könnte, da der bislang vorgestellte Plan auch mit deutlich weniger Maschinen zu bewältigen ist.

Hinsichtlich des Laudamotion-Kollektivvertrags geht man davon aus, das noch im Sommer diesen Jahres ein positiver Abschluss erzielt werden kann. Im Zusammenhang mit dem KV, aber auch der geplanten Aufstockung der Wien-Flotte, wurde auch darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiteranzahl in Österreich stark anwachsen soll.

Nach dem Vollzug der Mehrheitsübernahme durch Ryanair soll ein neues Design der Flotte vorgestellt werden. Nähere Einzelheiten dazu wurden noch nicht verkündet, jedoch erklärte Niki Lauda bereits bei seiner ersten Pressekonferenz im Frühjahr, dass im Herbst sowohl eine neue Livery als auch neue Uniformen für das Personal kommen sollen. Lauda selbst musste aufgrund einer Erkrankung dem Mediengespräch am Dienstag fernbleiben.

Laudamotion hui, Ryanair-Piloten pfui?

Während Michael O'Leary für Laudamotion nur lobende Worte fand und dieser eine tolle Zukunft voraussagte, ging er mit seinem eigenen fliegenden Personal weniger rosig um. So beschwerte er sich darüber, dass Piloten die Vorschläge von Ryanair abgelehnt hätten und kündigte an, dass "wo gestreikt wird, werden Flugzeuge abgezogen und Personal verlegt". Selbstsicher noch der Zusatz: "Damit haben die Piloten offenbar nicht gerechnet."

Auch wenn der Chef der irischen Airline darüber nicht gesprochen hat, zeichnet sich jedoch bereits ab, dass die Tochtergesellschaften Laudamotion und Ryanair Sun (in Polen) auch als eine Art "geheime Wunderwaffe" gegen gewerkschaftlich organisierte Forderungen bei der Mainline dienen könnten. Beispielsweise wurde vor einigen Tagen verkündet, dass in Dublin - also am Stammsitz des Carriers - sechs Maschinen abgezogen werden und das zugehörige Personal abgebaut werden soll. Zufälligerweise soll genau dieses Gerät durch die polnische Tochter Ryanair Sun weiterbetrieben werden und angeblich nur für Chartereinsätze verwendet werden. Genau an dieser Erklärung haben irische Gewerkschafter ihre Zweifel, denn diese vermuten, dass die Jets im Rahmen eines Wetlease-Auftrags durch die polnische Tochter für Ryanair betrieben werden könnten. Auch bezüglich Laudamotion vermutet man, dass die Mainline zumindest die Möglichkeit nutzen könnte Airbus-Jets im Rahmen im ACMI für die Mainline einzusetzen.

Bezüglich Laudamotion gibt es hierfür keinerlei konkrete Anhaltspunkte, da momentan genau das Gegenteil der Fall ist. Von 19 Flugzeugen betreiben nur neun die Österreicher selbst, während zehn Stück durch Ryanair im Rahmen eines Wetlease-Deals betrieben werden. Andreas Gruber kündigte allerdings an, dass ab Winterflugplan die komplette Flotte selbst betrieben werden soll. Ob sich dadurch aufgrund des Rechtsstreits mit Lufthansa etwas ändert, ist derzeit völlig unbekannt.

Autor: Jan Gruber
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