ÖGB-/AK-NÖ-Chef Wieser: "Laudamotion ist kein österreichisches Unternehmen mehr"

Austrian Airlines, Easyjet Europe, Eurowings Europe, Anisec und Peoples sind jedoch ebenfalls direkt oder indirekt über Stiftungen, die als Strohmänner fungieren, vollständig in ausländischem Besitz.

Die Gewerkschaft dürfte wohl Angst vor Michael O'Leary (im Bild) haben... (Foto: Michael Csoklich).

Nachdem die Laudamotion-Geschäftsführer Colin Casey und Andreas Gruber gemeinsam mit ihrem Chef Michael O'Leary bekanntgaben, dass die NL Holding GmbH des Niki Lauda die verbleibenden 25 Prozent an Ryanair verkaufen wird, meldete sich nun die Arbeiterkammer Niederösterreich zu Wort und behauptet, dass Laudamotion nun kein österreichisches Unternehmen mehr wäre.

Allerdings war das Luftfahrtunternehmen bereits seit Ende August 2018 im 75-prozentigen Eigentum des irischen Billigfliegers, während Lauda nur noch mit einer Minderheit von 25 Prozent beteiligt war. Die maßgebliche Kontrolle hat seither Ryanair und theoretisch hätte Michael O'Leary den dreifachen Formel-1-Weltmeister jederzeit "überstimmen" können.

"Es ist derzeit ungewiss, was das für die Beschäftigten bedeutet", so AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser in einer ersten Reaktion auf die vollständige Übernahme durch Ryanair, der er vorwirft:"Ryanair ist in der Vergangenheit immer wieder durch fragwürdige arbeits- und sozialrechtliche Maßnahmen aufgefallen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen Rechtssicherheit. Es darf keinesfalls zu Lohn- und Gehaltsnachteilen kommen. Darauf werden wir auch genau achten." Angesichts des aktuell harten Wettbewerbs um die Gunst des fliegenden Personals, das als "Mangelware" gilt, ist diese Befürchtung jedoch mit Vorsicht zu genießen.

Auf den Umstand, dass auch sämtliche anderen Passagierfluggesellschaften in Österreich (Austrian Airlines, Anisec, Eurowings Europe und Easyjet Europe) entweder direkt oder über Stiftungen, die als Strohmann fungieren, vollständig in den Händen ausländischer Konzerne sind, geht der AK-Niederösterreich-Präsident jedoch nicht ein. Selbst Peoples gehört mit der Altenrhein Realco AG einem Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und damit einer ausländischen Firma. Eine Airline mit rein österreichischen Eigentümern gibt es derzeit überhaupt nicht.

Nach Gewerkschaft und Arbeiterkammer Niederösterreich meinte nun auch Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Schnabl, der auch Vorsitzender der SPÖ NÖ ist, sich zu Wort melden zu müssen: "Wirtschaftliche Synergien zu nutzen ist nicht verwerflich, jedoch unter vollständiger Wahrung der Rechte der MitarbeiterInnen. Es darf nicht zu Lohn- und Gehaltsnachteilen für diese kommen." Gar der "der leichte Geruch eines Etikettenschwindel" haftet für ihn an Laudamotion. Auf den Mitbewerb, der sich ebenfalls in ausländischen Händen befindet, geht jedoch auch der Landespolitiker nicht ein.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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