Obskurer Machtkampf um KLM-Chefposten

Konzernchef Ben Smith will seinen potentiellen "Gegenspieler" Pieter Elbers loswerden, doch dieser hat den Staat Niederlande und rund 13.000 Unterschriften von KLM-Mitarbeitern hinter sich...

Boeing 777-200 (Foto: Thomas Ramgraber).

Air France und KLM bilden schon lange einen gemeinsamen Konzern doch die beiden Airlines agieren weiterhin weitgehend autark voneinander. Dies könnte sich schon bald ändern, denn laut französischen Medien beabsichtigt AF-KL-Gruppenchef Ben Smith den Vertrag von KLM-Chef Pieter Elbers nicht mehr zu verlängern und ihn durch einen anderen Manager zu ersetzen.

Weiters wird berichtet, dass Smith plant die beiden Airlines näher zusammenzuführen und künftig zentraler zu steuern. Dies stößt auf der niederländischen Seite auf erheblichen Widerstand, denn das KLM-Management warnt gar vor möglichen Streiks der Beschäftigten. Weiters besteht in Frankreich die Sorge, dass sich Elbers zu einer Art Gegenspieler für Smith entwickeln könnte.

Doch es wird noch grotesker, denn KLM-Beschäftigte sammelten auf einer Onlineplattform Unterschriften dafür, dass "ihr Chef" bleiben muss. Gegenüber Bloomberg News äußerte sich eine Sprecherin des Konzerns dahingehend, dass bereits 13.000 Unterstützungserklärungen gesammelt wurden. Nebst dieser Aktion wurde auch ein Schreiben an den Aufsichtsrat der Air France-KLM-Gruppe gerichtet, in der darum ersucht wurde, dass das Mandat von Pieter Elbers bereits in der kommenden Sitzung am 19. Feber 2019 bestätigt werden soll. Tut das Gremium dies nicht, so endet der Kontrakt mit dem KLM-Direktor im April diesen Jahres.

Ben Smith wurde in Frankreich im Vorjahr mit Streiks und weiteren Protesten begrüßt. Die Belegschaft fühlte sich insbesondere angestoßen, dass der Job des Konzern-Generaldirektors an einen Ausländer vergeben wurde. Aus der niederländischen Hälfte der AF-KL-Gruppe gab es keinen nennenswerten Widerstand, doch nun brodelt es heftig, denn laut lokalen Medienberichten wirft das KLM-Management in einem Brief an den Aufsichtsrat gar "das Fehlen einer Strategie und einseitige Entscheidungen" vor. Auch wird kritisiert, dass die Rollenverteilung der Airlines unmissverständlich wäre. Ben Smith möchte auch in das Kontrollgremium der KLM einziehen, denn in diesem sitzt er trotz seiner Funktion als Konzernchef bis dato nicht.

Doch nicht nur von Seiten der KLM-Belegschaft und des niederländischen Managements bekommt Pieter Elbers Rückendeckung, sondern auch der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra forderte mittlerweile unmissverständlich eine Vertragsverlängerung. Allerdings dürfte der französische Staat dennoch am längeren Ast sitzen, denn dieser hält rund 15 Prozent an der Air France-KLM Group SA.

In den letzten Jahren wurden im französischen Teil der Firmengruppe fortlaufend Verluste gemacht und auch der Flugbetrieb war durch wiederkehrende Streiks wiederholt stark beeinträchtigt. In dern Niederlanden war es dagegen eher ruhig und KLM flog weitgehend profitabel. Ben Smith bezeichnet KLM gar als Vorbild für Air France und will die niederländischen Gewinnmargen künftig auch in Frankreich erreichen. Die Zentralisierung innerhalb des Konzerns ist allerdings umstritten und mittlerweile gibt es insbesondere im Bereich der Gewerkschaften Stimmen, die eine Loslösung der KLM von Air France fordern.

In der Branche wird die zentrale Steuerung von Schwester- und Tochtergesellschaften zunehmend eher zum Standard, denn beispielsweise Lufthansa versucht durch die Schaffung von gruppenweiten Kompetenzzentren, die in Frankfurt, Wien oder Zürich angesiedelt sind, insbesondere Kosten zu sparen. Bei den Eurowings-Flugbetrieben teilen sich manche Töchter die gleiche Geschäftsleitung oder sind ohnehin nur reine ACMI-Dienstleister. Brussels Airlines befindet sich derzeit in einer offensichtlichen Umbauphase von einer weitgehend eigenständigen Tochterairline hin zu einem Dienstleister für Eurowings. Das Kompetenzzentrum der Wings-Langstrecke sollen künftig die Belgier bilden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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