Norwegians holpriger Start in Argentinien

AOC, Betriebsbewilligung und Marktzugang sind da, doch die einzige Boeing 737-800 der Tochtergesellschaft fliegt in Europa.

Boeing 737-800 (Foto: Andy Graf).

In Argentinien hält Norwegian Air Shuttle über ihre lokale Tochtergesellschaft Verkehrsrechte für 153 Strecken, doch bedient werden diese nicht wirklich. Die groß verkündeten Pläne wurden bislang nur äußerst spärlich umgesetzt, denn nur eine einzige Boeing 737 wurde in das südamerikanische Land überstellt, doch diese fand aufgrund von Kapazitätsmangel zwischenzeitlich wieder ihren Weg zurück nach Europa.

Vor Ort gibt es erhebliche Kritik am Vorgehen von Norwegian Air Argentinia, denn gar eine Gewerkschaft fordert, dass dem Unternehmen AOC und Betriebsbewilligung entzogen werden sollen, da angeblich ein Gesetz bezüglich der Streckenrechte nicht eingehalten werden würde und darüberhinaus es dem Unternehmen an geeignetem Fluggerät mangeln würde. Dem hält jedoch ein Sprecher entgegen, dass in Kürze Lieferungen seitens Boeing anstehen würden.

Mit 1. Juli 2018 wurde der argentinische Inlandsmarkt geöffnet und eigentlich wäre Norwegian Air Argentinia einer der ersten Profiteure, doch bislang nahm man keine entsprechenden Routen auf. Im Gegenteil: Die einzige Boeing 737 fliegt derzeit als "Leihgabe an das Stammhaus" - so das offizielle Wording - in Europa. Die ersten Inlandsstrecken in Argentinien sollen laut offiziellen Erklärungen im Herbst diesen Jahres aufgenommen werden, doch daran haben Gewerkschaft und Kritiker so ihre Zweifel.

Einerseits wird spekuliert, dass die angeblich angeschlagene Finanzlage von Norwegian Air Shuttle derzeit einen kostenintensiven Aufbau eines Inlandsstreckennetzes in Argentinien nicht zulassen würde und andererseits ist Boeing mit den Auslieferungen von Flugzeugen in Verzug. Dennoch: Das Unternehmen betont, dass man in Argentinien definitiv starten werde und will pro Basis - drei sind derzeit geplant - rund 200 Millionen Euro in den Aufbau investieren. Der erste Stützpunkt soll übrigens in Córdoba aufgebaut werden.

Norwegian Argentinia scheint von den Gewerkschaften insbesondere aufgrund der simplen Tatsache, dass das teilweise bereits angeheuerte Flugpersonal Gewissheit darüber haben möchte, ob und wann es los geht, kritisiert zu werden. Ob ein möglicher Verkauf des Konzerns Auswirkungen auf das Projekt in Argentinien haben könnte, ist völlig unklar. Derzeit ist in der Gerüchteküche eine verdächtige Ruhe eingekehrt, was zumindest Raum zur Spekulation eröffnet, dass hinter den Kulissen verhandelt werden könnte oder umgekehrt aber auch, dass das Interesse von IAG, Ryanair, Lufthansa und anderen angeblichen Interessenten abgeflaut werden könnte. Die Aktionäre jedenfalls überraschte Norwegian zuletzt mit einem Quartalsgewinn.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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