Niki wird mit Jahreswechsel Geschichte sein

Wenn der Deal platzt, sollen Niki und die Luftfahrtgesellschaft Walter pleite sein.

Foto: Michael Csoklich.

Der Kauf von Niki und der Luftfahrtgesellschaft Walter ist für Eurowings ein großer Expansionsschritt und die Integration eine Herkulesaufgabe. Wie das funktionieren kann und soll - vorbehaltlich der Genehmigungen durch die Kartellbehörden - , das erläuterte in einem Mediengespräch der Aufsichtsratsvorsitzende von Eurowings und Lufthansavorstand Thorsten Dirks in Wien. Michael Csoklich war für Austrian Aviation Net dabei. 


Thorsten Dirks ist das für Eurowings zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa AG (Foto: Michael Csoklich).

„Nö“, das war kurz und bündig die Antwort von Thorsten Dirks auf die Frage, ob er denn nicht einen tieferen Einblick in die Pläne von Eurowings geben will. In die Pläne, was denn Eurowings vorhat mit der von Air Berlin übernommenen Niki und der Luftfahrtgesellschaft Walter. 

Ein bißchen lichtete Dirks die Nebel beim Pressegespräch in Wien aber doch. „Wir haben von Air Berlin die beiden Gesellschaften mit ihren Mitarbeitern und mit allen Rechten und Pflichten übernommen“, sagt Dirks, „keine Flugzeuge, keine Slots, kein Personal.“ 

Klarheit herrscht jetzt auch in der Frage, wie viele Flugzeuge übernommen worden sind. Mit Walter 20 Dash, mit Niki 21 Stück, dazu kommen im Wetlease 7 Flugzeuge von Tuifly, die bisher schon für Niki im Einsatz waren. Jene 38 Flugzeuge, die die Lufthansa von Air Berlin im Wetlease übernommen worden sind, fliegen auch weiter. Allerdings ist der neue Vertragspartner jetzt die Luftfahrtgesellschaft Walter. 

Um die Nachfrage decken zu können, werden weitere 20 bis 25 Flugzeuge von Leasingfirmen gekauft oder geleast werden. 1300 zusätzliche Mitarbeiter will Eurowings dafür einstellen. Die 830 Mitarbeiter von Walter und 870 von Niki werden jetzt integriert. In Summe ergibt das Investitionen von 1,5 Milliarden Euro. 

Wie sieht die Zukunft von Niki aus?
Da spricht Thorsten Dirks eine klare Sprache. „Niki wird eine eigene Gesellschaft mit dem bestehenden Kollektivvertrag bleiben. Sobald es das OK der Kartellbehörden gibt, wird der Name aber verschwinden und daraus die Marke Eurowings werden.“ Dirks rechnet, dass das um den Jahreswechsel passieren wird. 


Eine Momentaufnahme am Flughafen Wien, die schon bald der Vergangenheit angehören könnte (Foto: Michael Csoklich).

Wieviele Flugzeuge von Niki in Wien stationiert sein werden und welche Strecken geflogen werden sollen?
Dazu will Dirks nur sagen, dass es nach dem Closing ein eigenes Flugprogramm für Niki geben soll, das unter der Marke Eurowings vermarktet werden wird. Hauseigene Konkurrenz soll dabei in der Lufthansa-Gruppe nicht entstehen: Die Flüge innerhalb des Lufthansa-Konzerns werden "so weit wie möglich" abgestimmt, Flüge werden "komplementär" angeboten, sagte AUA-Sprecher Peter Thier in dem Pressegespräch: "Das gemeinsame Ziel ist es aber schon, dem Mitbewerb im Zusammenspiel der Marken möglichst viele Marktanteile abzujagen." 

Bis es soweit ist fliegt Niki eigenständig, der Masseverwalter von Air Berlin sei dafür verantwortlich, dass bei der insolventen Air Berlin genug Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Flugbetrieb von Niki aufrecht zu erhalten. 

Mit dem endgültigen Abschluss, dem Closing, rechnet Dirks fest bis Jahresende. Andernfalls würden Niki wie auch Walter wohl zahlungsunfähig werden, sagte er. Er verweht sich auch gegen die These, der Deal mit Air Berlin sei ein abgekartetes Spiel gewesen. „Natürlich haben wir im Vorfeld mit allen gesprochen und waren daher vielleicht besser vorbereitet als andere“, so Dirks. „Viele schreien nur und erheben Forderungen, nur die Lufthansa aber habe gehandelt und investiert.“ Auch tue die Lufthansa alles, um den Wegfall von 60.000 Sitzen ab Winterflugplan bestmöglich aufzufangen. Jedes vorhandene Flugzeug fliege, aber zaubern könne man auch nicht. 

Wie geht es mit Eurowings weiter?
Das Ziel, 2017 erstmals Gewinn zu machen, wurde wegen des Air Berlin Deals verschoben. „Schauen wir einmal“, sagt Dirks. Er räumt ein, dass es eine schwierige, aber lösbare Aufgabe sei, so viele unterschiedliche Gesellschaften mit verschiedenen Kulturen und Kollektivverträgen auf der Eurowings-Plattform zu integrieren. Das Ziel? „Wir wollen eine große paneuropäische Marke werden", damit Kunden in ganz Europa hier Verbindungen suchen und finden, sagte Eurowings Chef und Lufthansa Vorstand Thorsten Dirks. Wir wollen "ein Flixbus der Lüfte" werden.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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