Niki-Vorfall: Weder Druckverlust noch Notabstieg

Unbedeutende Incidents werden in der Medienlandschaft leider allzu gerne aufgebauscht.

Letztes Update am 9. Februar 2014 um 13:49 Uhr.

Eine Rücklandung gelangt über die Umwege sogenannter Fachmedien leider gerne als Notlage an die Boulevardpresse - wie im Falle eines Niki-Airbus vor ein paar Tagen (Foto: Peter Unmuth - www.vap-group.at).

"Kabinendruckverlust", "Notabstieg", "Notsinkflug", "Sauerstoffmasken": Worte, die wie Elemente eines Artikels aus einer Boulevardpostille klingen, muss man leider immer wieder auch in Medien lesen, die sich als seriöse Branchenportale der Luftfahrt hinstellen. Auch aktuell macht in einem österreichischen "Luftfahrtmagazin" eine Meldung dieser Art die Runde.

Demnach hätte ein Flugzeug der Air-Berlin-Tochter Niki "offenbar" einen Kabinendruckverlust aufgrund eines Problems mit einem Fenster erlitten und musste wörtlich einen "Notabstieg" bzw. einen "Notsinkflug" durchführen. Die Piloten hätten außerdem die Sauerstoffmasken angelegt.

Wie es sich hingegen wirklich abgespielt haben dürfte, erklärte eine Person, die direkt an Bord mit dem Vorfall zu tun hatte, gegenüber Austrian Aviation Net. Demnach sei die Maschine regulär gestartet und der Service wurde normal durchgeführt. Nach rund 40 Minuten sei der Flieger wieder gesunken - man hätte dies allerdings lediglich als normalen Wechsel der Flugfläche wahrgenommen. Die Cabin Crew wurde dann mittels eines versteckten Warntons informiert, dass etwas abnormal sei. Ein richtiger Notfall wäre hingegen mit einer Durchsage des Captains eingeleitet worden ("Senior to the Cockpit!").

Die Kabinenbesatzung wurde per Telefon informiert, dass aufgrund eines Ausfalls einer Scheibenheizung eine Cockpitscheibe einen Riss habe und man absinken werde um in Ruhe die Checkliste abzuarbeiten. Dieser Sinkflug erfolgte mit einer leicht erhöhter Sinkrate wobei von einem "Notabstieg" wie anderswo genannt "nicht die Rede sein kann", so unser Informant. Nach einigen Minuten erklärte dann der Kapitän den Passagieren, dass man nach Wien zurückkehre um die Scheibe zu tauschen.

Auch Air Berlin sieht den Vorfall entspannt - eine Sprecherin kommentierte gegenüber unserem Portal: "Wir können die zum Teil veröffentlichten Angaben nicht bestätigen. Bei dem Flug AB8813 von Wien nach Düsseldorf am 31. Januar 2014 handelte es sich um einen kontrollierten Sinkflug, bei dem die Cockpitcrew ohne Sauerstoffmasken die Landung ganz normal durchführen konnte. Die Sicherheit der Gäste war stets gegeben und das Flugzeug konnte ganz normal in Wien landen. Es kam zu keiner Zeit zu einem Druckverlust in der Kabine."

Wie man sieht, handelte es sich dabei um einen an sich harmlosen Vorfall, der ohne "Not" abgearbeitet wurde und über den es sich eigentlich nicht lohnt, in einem seriösen Luftfahrtmedium in einem sensations-affinen Stil zu schreiben. Leider kommt so etwas trotzdem immer wieder vor. An sich harmlose Incidents werden dann gerne von Boulevardmedien ungefiltert aufgenommen. Diese machen dann gerne aus der sprichwörtlichen Mücke einen Elefanten, der dann allerdings rasch zur Zeitungsente mutieren kann. Wie gerne der Boulevard solche Meldungen dieser Art aufnimmt, sieht man auch bei diesem Niki-Vorfall - ein Besuch auf "Google News" liefert den Beweis.

Die Redaktion von Austrian Aviation Net sieht es daher auch als ihre Aufgabe an, solche Vorfälle im richtigen - und nicht in einem für den Boulevard "passenden" Licht - darzustellen. Daher schreiben wir - wenn überhaupt - über solche Incidents betont neutral, vermeiden das Wort "Not" wenn es nicht angebracht ist und versenden Informationen über solcherlei Vorfälle normalerweise auch nicht an Medienpartner.

Nachdem dieser Artikel zu einigen Diskussionen geführt hat, wurde er durch einen weiteren Bericht ergänzt, den Sie hier finden.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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