Niki: Vestager kritisiert Lufthansa-Kaufvertrag

EU-Kommission habe Lufthansa und Air Berlin bereits frühzeitig vorgewarnt.

Margrethe Vestager (Foto: European Union, 2017).

In den letzten Tagen wird wohl um kaum einen anderen EU-Kommissar so kontrovers diskutiert wie um Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager: Während nach der Untersagung der Niki-Übernahme durch Lufthansa zahlreiche lobende Stimmen die Tätigkeit ihrer Behörde lobten, hagelte es insbesondere aus dem lufthansanahen Lager auch heftige Kritik, dass Arbeitsplätze leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden würden.

Im Gespräch mit der Tageszeitung "Der Standard" kritisierte die Wettbewerbshüterin das Vorgehen der Lufthansa massiv, denn die EU-Kommission habe die Verantwortlichen bei Air Berlin und Niki frühzeitig vorgewarnt, dass es "ein sehr hohes Risiko für wettbewerbsrechtliche Probleme gibt, falls Lufthansa der Käufer sein sollte". Weiters habe es zahlreiche andere Bieter gegeben. Die Offerte des Kranich-Konzerns, die Air Berlin angenommen hatte, wäre seitens der EU-Kommission geprüft und für nicht genehmigungsfähig erachtet worden. Brüssel lies sich offenbar von der Stimmungsmache der deutschen Bundesregierung, die sich unmissverständlich und eindeutig stets zu Gunsten von Lufthansa ausgesprochen hat, nicht beeinflussen.

Pikant ist allerdings Vestagers Aussage, dass die Verantwortlichen frühzeitig auf kartellrechtliche Probleme aufmerksam gemacht wurden und dennoch die Verträge mit Lufthansa abgeschlossen wurden. Dies kann natürlich auch wieder die Vermutung aufkommen lassen, dass es der Kranich bei Niki entweder nur auf die Flugzeuge abgesehen haben könnte oder aber davon ausgegangen ist, dass die deutsche Regierung schon irgendwie weitergehend intervenieren würde. Oder noch einfacher gesagt: Lufthansa pokerte.

Die Wettbewerbskommissarin bezeichnete auch den Kaufvertrag als sehr "speziell" und fügte hinzu, dass die EU-Kommission noch nie einen so außergewöhnlich gestalteten Contract vorgelegt bekommen habe, wie jener für die geplatzte Niki-Übernahme. Weiter wolle Vestager jedoch nicht ins Detail gehen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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