Niki-Übernahme: Weiterhin Gegenwind aus Brüssel

Deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries ergreift neuerlich für Lufthansa Partei.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte vor einigen Tagen, dass man Niki "quasi ohne Slots" übernehmen werde und er zuversichtlich ist, dass es so zu einem grünen Licht aus Brüssel kommen werde. Gleichzeitig deutete Spohr auch an, dass der Kranich-Konzern durchaus auch auf die rund 20 Niki-Flugzeuge verzichten könne. Man solle den Stellenwert von Niki nicht überbewerten.

Laut Informationen des Handelsblatts sollen diese Zugeständnisse für die EU-Kommission allerdings nicht ausreichend sein. Hintergrund könnte sein, dass die Lufthansa Gruppe bei einer Rückgabe von Niki-Slots erst recht wieder zu zusätzlichen Start- und Landerechten kommen könnte. Die Slots würden an den Coordinator zurückgehen, der diese je zur Hälfte an Bestands- und Neukunden und damit auch Airlines der Lufthansa-Gruppe vergeben muss. Dies könnte die freiwillige Aufgabe von Niki-Slots ad-absurdum führen. Der Kranich-Joker soll in diesem Fall Luftfahrtgesellschaft Walter heißen, denn diese Niki-Schwester würde als Newcomer gelten. Unterm Strich könnte sich die Lufthansa Gruppe als Bestandskunde und über Walter als Neukunde zahlreiche Niki-Slots unter den Nagel reißen, was angeblich in Brüssel auf Skepsis stoßen soll.

Die EU-Kommission leitete nun eine Befragung sämtlicher relevanter Mitbewerber ein. Laut der Behörde handelt es sich dabei um ein übliches Verfahren. Bis zum 21. Dezember 2017 muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie den Deal mit Auflagen durchwinkt oder ein vertieftes Prüfverfahren einleitet, das nochmals rund drei Monate in Anspruch nehmen könnte.

Ein Indiz dafür, dass es bei der kartellrechtlichen Prüfung nicht so ganz im Sinne der Lufthansa läuft, ist, dass "Vize-Ersatz-Reserve-Pressesprecherin" und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) öffentlich für den Kranich-Konzern Partei ergreift. Gegenüber der DPA warnte sie gar vor einem Lufthansa-Bashing bezüglich der zum Teil erheblich gestiegenen Ticketpreise. Sie verwies auf rund 80 Air-Berlin-Maschinen, die der Kranich momentan nicht nutzen dürfe, was zu einer Verknappung des Angebots führen würde. Diese Rechtfertigung war in den letzten Wochen wiederholt von Lufthansa auf die Frage warum die Ticketpreise zu hoch wären zu hören. Auch übte die amtierende Ministerin Kritik am Management der Air Berlin, das in den letzten Jahrzehnten amtierte.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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