Niki steht vor rasantem Wachstum

Touristikholding von Air Berlin, Tui und Etihad Airways soll in Wien angesiedelt werden.

Auf Grundlage von Niki soll eine große Ferienfluggesellschaft entstehen (Foto: www.AirTeamImages.com).

Der Standort Österreich soll für den künftig eigenständigen Touristikbereich der Air Berlin Group eine entscheidende Rolle spielen, denn laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" unter Berufung auf ein dem Medium vorliegendes Tui-Papier soll die Touristik-Holding ihren Sitz in Wien haben.

Die Tui AG werde ihre Tochtergesellschaft Tuifly zur Gänze an die österreichsiche Holdinggesellschaft, die es noch zu gründen gilt, übergeben. Die Besitzverhältnisse sollen mit gemeinsam knapp 50 Prozent bei Etihad Airways und Tui AG liegen, während die Mehrheit durch eine heimische Stiftung gehalten werden soll.  Auch die österreichische Fluggesellschaft Niki soll in die neue Beteiligungsgesellschaft zur Gänze eingebracht werden.

Ein Blick ins Firmenbuch lässt erahnen, dass auf bereits bestehende Konstruktionen gebaut werden könnte. Die Niki Luftfahrt GmbH befindet sich vollständig im Besitz der NL AB Beteiligungs GmbH, die zu 49,8 Prozent der Gehuba Beteiligungsverwaltungs GmbH und zu 50,2 Prozent der Niki Privatstiftung gehört. Die Firma Gehuba wiederum hat folgende Beteiligungsverhältnisse: Air Berlin Siebte Flugzeug GmbH (22,5 Prozent), Air Berlin Sechste Flugzeug GmbH (38,75 Prozent), Air Berlin Finance II GmbH (35,75 Prozent). 

Stiftungspräsident der Niki Privatstiftung ist übrigens Air-Berlin-Chef Stefan Pichler, der auch Geschäftsführer der NL AB Beteiligungs GmbH ist. Im Jänner des Vorjahres nahm Air Berlin in Sachen der Gehuba Beteiligungsverwaltungs GmbH umfangreiche Änderungen in der Gesellschafterstruktur vor. Das Unternehmen wurde ursprünglich zur Gänze von der Air Berlin PLC & Co Luftverkehrs KG gehalten, während seither die im vorherigen Absatz genannten Objektgesellschaftten vorgespannt sind.

Teure Tuifly könnte durch billige Niki "ersetzt" werden

Die Vermutung liegt also nahe, dass die noch zu gründende Touristik-Holding der Air Berlin Group, an der Tui und Etihad Airways gemeinsam hauchdünn unter 50 Prozent halten sollen, im Mehrheitsbesitz der Niki Privatstiftung stehen wird. Diese Stiftung hat bislang den Zweck, um auf dem Papier die österreichische Mehrheitseigentümerschaft der Air-Berlin-Tochter Niki sicherstellen zu können. Dies ist für gewisse Verkehrsrechte, beispielsweise nach Russland oder in die Vereinigten Arabischen Emirate, aufgrund bilateraler Vereinbarungen zwischen den jeweiligen Staaten unerlässlich.

Niki gilt innerhalb der Air Berlin Group als günstige Produktionsplattform, da die durchschnittlichen Löhne deutlich unter jenen der Mainline liegen sollen. Dem Vernehmen nach soll Niki auch günstiger als Tuifly produzieren können, was auch den Widerstand des Betriebsrats der Tuifly GmbH erklärt: In einem Schreiben der Arbeitnehmervertreter an die Beschäftigten der deutschen Ferienfluggesellschaft ist von der Sorge, dass Tuifly über den "österreichischen Irrweg auf Raten abgewickelt" werden könnte. Weiters heißt es im vorliegenden Brief: "Wir gehen heute davon aus, dass die notwendigen operativen Strukturen in Österreich geschaffen und infolgedessen unsere Strukturen mittelfristig abgebaut werden."

Niki könnte Führungsrolle einnehmen

Sollten sich die Sorgen des Betriebsrates der Tuifly GmbH bewahrheiten, so würde Niki also die Führungsrolle in der neuen Touristikschiene von Tui und Air Berlin übernehmen. Auch ist nicht auszuschließen, dass mittelfristig das deutsche Tuifly AOC zu Gunsten des österreichischen von Niki aufgegeben werden könnte. Der simple Grund hierfür dürfte sein, dass der Einfluss deutscher Gewerkschaften wie der Vereinigung Cockpit in Wien schlichtweg nicht vorhanden ist und Niki generell günstigere Produktionskosten hat. 

In den letzten Jahre reduzierte Tui die Anzahl der Beschäftigten in Hannover drastisch. Beispielsweise werden seither große Wartungen fremdvergeben. Nun könnten auch Verwaltung, Technik sowie Teile des Group Operation Centers in Hannover gänzlich nach Wien wechseln, wie Bild am Sonntag berichtet. Das Medium zitiert weiters aus einem Brief, den Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann an die Beschäftigten richtete: "Die Tuifly als Ganzes in einen Verbund einzubringen, sehen wir als interessante Option." Man könne dadurch die Wirtschaftlichkeit in Deutschland bedeutend verbessern.

Tuifly scheint insbesondere durch die rasante Expansion der Lufthansa-Tochter Eurowings unter Druck geraten sein. Diese versucht, insbesondere auf touristischen Strecken, ihr weiteres Wachstum durch die eigens zu diesem Zweck gegründete Eurowings Europe GmbH mit Sitz in Wien zu bewerkstelligen. Auch hier sollen die Kostenvorteile des österreichischen Standorts eine entscheidende Rolle spielen.

So die Pläne von Tui, Air Berlin und Etihad Airways umgesetzt werden sollten, würde in Österreich auf Grundlage von Niki eine Fluggesellschaft entstehen, die bis zu 62 Flugzeuge der A320-Familie und der Boeing 737-Reihe betreiben könnte. Man würde übrigens nur rund 20 Maschinen weniger als Austrian Airlines in der Flotte haben, jedoch soll sich die neue Airline auf Point-to-Point Low-Costflüge mit touristischem Schwerpunkt konzentrieren. Die Größe der Flotte würde in der D-A-CH-Region auch einen nicht zu unterschätzenden Konkurrenten für Eurowings bedeuten. Übrigens: Jene 14 Flugzeuge, die seitens Air Berlin eingebracht werden sollen, werden ohnehin von Tuifly betrieben. Konkret bedeutet das, dass die zweitgrößte Airline Deutschlands weiterhin die ACMI-Raten entrichten wird, da der Vertrag zwischen Tuifly und Air Berlin, noch unter Joachim Hunold abgeschlossen, äußerst langfristig ausgelegt ist.

Bereits gegen Ende des Vorjahres hob Air-Berlin-Chef Stefan Pichler die günstigen Kosten der Tochtergesellschaft Niki hervor. Hierbei deutete er bereits an, dass Niki eine zentrale Rolle in der Weiterentwicklung der Air Berlin Group einnehmen könnte. Konkret sagte er, dass die österreichische Airline zahlreiche Strecken übernehmen könnte, die für Air Berlin unwirtschaftlich sind, jedoch mit Niki-Kosten gewinnbringend zu betreiben wären. Dieser Pichler-Plan scheint nun umgesetzt zu werden. Ob das neue Unternehmen unter der Marke Niki, als Tuifly oder unter einer gänzlich neuen Kreation auftreten wird, ist noch völlig offen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

    Special Visitors

    Global Jet Luxembourg (Roman Abramowich) / P4-MES
    Global Jet Luxembourg (Viktor Vekselberg) / P4-MIS
    Bundesheer (Austrian Airforce) / 7L-WN
    Pilatus Flugzeugwerke / HB-VSA
    BBJ One / N737ER
    BBJ One / N737ER
    IRAN AIR / EP-IJA

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller

    Philipp Valenta