Niki: Lufthansa muss Jets zurückgeben...

...oder auch nicht, falls der österreichische Ferienflieger abgewickelt werden sollte.

Airbus A320 (Foto: www.AirTeamImages.com).

In der Entscheidung der EU-Kommission in Sachen Übernahmen von Luftfahrtgesellschaft Walter, Niki und Teilen von Air Berlin durch Lufthansa ist ersichtlich, dass der Kranich-Konzern das erworbene - bzw. auf sich umgeschriebene Leasingverträge - Fluggerät im Falle einer negativen Entscheidung zurückgeben oder zu marktüblichen Konditionen an LGW, Niki bzw. Air Berlin verleasen muss.

Da der Kauf von Niki geplatzt ist, müsste Lufthansa eigentlich sämtliche Jets zurückgeben, doch laut Niki Lauda soll sich der Kranich-Konzern weigern. Ein Sprecher dementiert dies jedoch und betont, dass man die Entscheidung der EU-Kommission genau einhalten wolle.

Ein Sonderfall wäre allerdings, wenn Niki abgewickelt werden würde. Dies hätte natürlich zur Folge, dass Niki definitiv kein Fluggerät mehr braucht und daher Lufthansa auch keines zurückgeben müsste. Niki Lauda erhob am Wochenende gegenüber diversen Medien schwerste Vorwürfe gegen den Kranich-Konzern und behauptet gar, dass Lufthansa Niki zerstören wolle. In der Tat würde das Fluggerät mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Lufthansa verbleiben, wenn Niki abgewickelt werden würde.

Indes soll es derzeit nebst Niki Lauda drei weitere Interessenten geben, jedoch sind die Worte des Firmengründers, dass an Niki ohne Flugzeugen niemand Interesse hätte, durchaus nachvollziehbar. Eine insolvente Fluggessellschaft ohne Flugzeuge hat allenfalls symbolischen Wert. Daher liegt es an Insolvenzverwalter Lucas Flöther möglichst rasch eine Lösung für das Problem zu finden, da andernfalls kein vernünftiger Kaufpreis zu erzielen sein wird.

Der gesamte Ablauf der Air-Berlin-Pleite dürfte indes kein gutes Bild auf die Verantwortlichen, die deutsche Bundesregierung und Lufthansa werfen, denn zwischen den Zeilen gaben sich Vertreter aus dem Air-Berlin-Gläubigerausschuss in Sachen Niki-Verkauf durchaus kleinlaut und behaupten, dass sie von kartellrechtlichen Problemen nichts gewusst hätten und man sonst anders entschieden hätte. Bewusst kann die Frage in den Raum gestellt werden, ob die Entscheidungen durch äußere Einflüsse wie die Wünsche der deutschen Bundesregierung oder einem soliden Auftreten von Lufthansa-Vertretern beeinflusst waren.

Allenfalls kann man dem Gläubigerausschuss vorwerfen, dass die für die Gläubiger der Air Berlin absolut ungünstigste Lösung gewählt wurde, denn LGW geht für sprichwörtlich lächerliche 18 Millionen Euro an Lufthansa - wobei es auch hierfür noch kein grünes Licht aus Brüssel gibt und die einst profitable Niki dürfte nun wohl regelrecht verramscht werden. Da der Gläubigerausschuss in diesem Fall eine erhebliche Mitverantwortung trägt, dürfte man sich sprichwörtlich ins eigene Knie geschossen haben. Da bleibt dann nur noch die Hoffnung darauf, dass Lucas Flöther die Haftungserklärung von Etihad Airways im Sinne der Gläubiger zu Geld machen kann...

Lufthansa hingegen pokerte und davon, dass sich der Kranich-Konzern "verpokerte" kann noch keine Rede sein. Sollte es grünes Licht für die Übernahme der LGW geben und Niki wird abgewickelt, hätte das Management des Kranich-Konzerns sogar ein Mega-Schnäppchen gemacht. Was bleibt ist ein fader Beigeschmack, aber dieser wird die Aktionäre - Aufsichtsrat und Vorstand sind nur diesen gegenüber Rechenschaft schuldig - wohl kaum interessieren, wenn die Aussicht auf steigende Dividenden gegeben ist.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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