Niki: Lauda wittert zweite Chance

Unterlegene Bietergemeinschaft könnte doch noch zum Zug kommen.

Andreas Nikolaus Lauda (Foto: Niki Luftfahrt GmbH).

Der dreifache Formel-Eins-Weltmeister und nunmehrige RTL-Rentner Niki Lauda scheint von den Entwicklungen bezüglich der möglicherweise platzenden Übernahme von Niki durch Lufthansa nicht sonderlich überrascht zu sein. Nun wittert der der umtriebige Geschäftsmann eine große Chance doch noch zum Zug zu kommen.

Lauda schloss sich mit der Thomas Cook Group und deren Tochter Condor Flugdienst zu einer Bietergemeinschaft zusammen. Das Angebot in der Höhe von rund 100 Millionen Euro wurde seitens der Verantwortlichen rund um die Air-Berlin-Insolvenz ausgeschlagen. Man gab Lufthansa den Zuschlag, was von Lauda, aber auch anderen Personen aus der Branche heftig kritisiert wurde.

Thomas Cook rührt derzeit die PR-Trommel und macht Stimmung gegen Lufthansa. Niki Lauda erklärte nun gegenüber dem Handelsblatt konkret, dass das Angebot des Konsortiums weiterhin gültig wäre: "Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen. Die Übernahme der Air Berlin schafft quasi ein Monopol in Deutschland und Österreich. Das ist fürchterlich."

Die Chancen könnten für die Bietergemeinschaft Thomas Cook/Condor/Lauda gar nicht so schlecht stehen, denn dem Vernehmen nach sollen Sachwalter und Thomas Winkelmann bereits intensiv am Plan B arbeiten, denn ein platzender Niki-Verkauf könnte für ein politisches Erdbeben in Deutschland sorgen. Der Verkaufserlös ist nämlich für die staatliche KfW-Bank reserviert, der mit Jahresende zur Rückzahlung fällig wird. Der Sachwalter im Air-Berlin-Insolvenzverfahren zeigte jedoch bereits Masseunzulänglichkeit an und betonte öffentlich, dass die Rückzahlung des Staatskredits keinesfalls in trockenen Tüchern wäre.

Angenommen der Verkauf von Niki platzt und das heimische Unternehmen muss Insolvenz anmelden, so wären das Landesgericht Korneuburg und ein von diesem eingesetzter Masseverwalter am Zug. Das hat die Konsequenz, dass irgendwelche Absprachen in Deutschland obsolet wären, denn eine Niki-Insolvenz wäre ein separates Verfahren, das nach österreichischem Recht abzuwickeln wäre. Hier könnte durchaus ein Investor äußerst günstig zum Zug kommen und der deutsche Staat schaut durch die Röhre.

Möglicherweise wurde genau aus diesem Grund Niki bislang künstlich in der Luft gehalten, jedoch sollte die Rückzahlung des 150-Millionen-Euro-Kredits platzen, könnte Lufthansa wohl in Zukunft nicht mehr auf euphorisches Gratis-Lobbying durch die deutsche Bundesregierung zählen und möglicherweise wackeln auch einige Posten bei der geschäftsführenden Regierung. By the way: Ein zweiter Verkaufsanlauf könnte unterlegenen Bietern durchaus in die Hände spielen, da die momentane Übergangsregierung in Deutschland als nicht sonderlich handlungsfähig gilt, sondern als eher mit sich selbst beschäftigt. Auch darf bezweifelt werden, dass sich angesichts der möglichen Wettbewerbsbedenken seitens der EU-Kommission und der möglicherweise verlochten 150-Millionen-Euro hochrangige Regierungsmitglieder weiterhin zu Gunsten der Lufthansa mit Sprüchen aus dem Fenster lehnen werden.

Für Niki Lauda und seine Partner Thomas Cook/Condor heißt es dann allerdings nicht nur extrem schnell zu sein, sondern möglicherweise braucht Niki auch kurzfristig sehr viel "Kleingeld". Genaue Zahlen sind nicht bekannt, jedoch wandelte sich die angeblich profitable österreichische Ferienfluggesellschaft angeblich binnen weniger Wochen zu einem schwerst defizitären Unternehmen. Die Wahrheit dürfte wohl ungefähr auf der Mitte liegen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

    Special Visitors

    I-fly / EI-GCU
    Easyjet / G-EZWT
    Kutus Limited / M-HHHH
    K5 Aviation / D-ALXX
    Funair Corp. / N737AG
    Transavia / PH-HSI
    Air France / F-GTAE

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    Robert Hartinger

    Christoph Aumüller