Niki Lauda kritisiert Air-Berlin-Insolvenzverwalter abermals

Aus angekündigtem Edel-Carrier wurde Ultra-Low-Coster-Kopie von Ryanair.

Niki Lauda in Düsseldorf (Foto: Jan Gruber).

Dass der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda mit Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther und dem ehemaligen Air-Berlin-Generalhandlungsbevollmächtigten Frank Kebekus nicht sonderlich gut kann, dürfte er schon im Herbst des Vorjahres durch seine öffentlichen Äußerungen unmissverständlich klar gemacht haben. Doch nun stichelt Lauda gegenüber der Berliner Morgenpost abermals.

Bezüglich der Arbeit von Flöther sagte im Gespräch mit der Zeitung: "Der falsche Insolvenzverwalter verkauft eine österreichische Airline an Spanier, und dann landet das Ganze wieder in Österreich. Ich habe nie verstanden, warum eine österreichische Airline in einem deutschen Insolvenzverfahren abgewickelt wird." Kebekus und der Air-Berlin-Insolvenzverwalter hätten ihm seine Übernahmebemühungen für die insolvente Niki massiv erschwert. "Erst als das Konkursverfahren in Wien neu eröffnet wurde, hat man uns ernst genommen", so Lauda gegenüber der Berliner Morgenpost.

Ganz unberechtigt ist die Kritik von Niki Lauda insofern nicht, da rechtskräftig sowohl durch das Landgericht Berlin als auch durch das Landesgericht Korneuburg festgestellt wurde, dass die Zuständigkeit für das Insolvenzverfahren in Österreich beim Landesgericht Korneuburg liegt und nicht in Deutschland beim Amtsgericht Charlottenburg. Der Argumentation des Air-Berlin-Insolvenzverwalters folgten die beiden Gerichte nicht.

Auch ist kritisch zu betrachten, dass der damalige Air-Berlin-Generalhandlungsbevollmächtige am 13. Dezember 2017 in einer Presseaussendung behauptete, dass mit Ausnahme von Lufthansa keinen anderen Interessenten für Niki gegeben hätte und die International Airlines Group schriftlich abgesagt hätte. Nur wenige Tage später schloss Lucas Flöther einen Kaufvertrag mit der IAG-Tochter Anisec, der jedoch in weiterer Folge nicht standhielt, da sich der österreichische Gläubigerausschuss bzw. das Landesgericht Korneuburg für das Angebot der Laudamotion GmbH entschied.

Aus angekündigter Full-Service-Fluglinie wurde Ryanair-Kopie

Lauda selbst versprach öffentlich eine Full-Service-Airline, die an die Anfangszeit von Niki anknüpfen sollte. "Geliefert" wurde jedoch ein Ultra-Low-Coster, der sich nicht nur stark an Ryanair orientiert, sondern quasi schon komplett an die Iren verkauft ist. Juristisch gesehen hält Niki Lauda über seine Privatstiftung zwar noch die Mehrheit, jedoch sicherte sich Ryanair bereits das komplette Unternehmen. Der dreifache Formel-1-Weltmeister betonte zuletzt, dass er - nachdem es grünes Licht aus Brüssel für die Aufstockung seitens Ryanair auf 75 Prozent gibt - als Minderheitsgesellschafter und Chairman für mindestens drei Jahre dabei bleiben wolle.


Niki Lauda und Ryanair-Chef Michael O'Leary machen nun gemeinsame Sache (Foto: Jan Gruber).

Außerhalb Österreichs, beispielsweise in Deutschland, genießt Niki Lauda einen ausgezeichneten Ruf, der jedoch in den letzten Wochen aufgrund unzähliger Verspätungen und Flugstreichungen sicherlich die eine oder andere Delle in der Motorhaube abbekommen hat. Die Kernproblematik liegt in mangelnder Betreuung von Fluggästen im Falle von Flugunregelmäßigkeiten, denn offensichtlich sind zahlreiche Ground Handling Unternehmen nicht sonderlich gewillt proaktiv ihren Pflichten nachzukommen. Auch soll es laut Aussage einer Teamleiterin oftmals unklar sein, ob nun Ryanair oder Laudamotion oder gar beide die Ansprechpartner für die beauftragten Ground Handler sind. Die Kommunikation soll sich schwierig gestalten.

Unabhängig davon dürften die momentan häufiger auftretenden Verspätungen und Streichungen für Laudamotion empfindlich teuer werden, denn ab drei Stunden verspäteter Ankunft am Zielort haben Reisende Anspruch auf mindestens 250 Euro Ausgleichszahlung, die wohlgemerkt bis maximal drei Jahre rückwirkend einklagbar sind.

Kommunikationsprobleme zwischen Laudamotion und Ground Handling

Doch die momentanen Performance-Probleme bei Laudamotion sind eigentlich keine sonderliche Überraschung, sondern eine 1:1-Fortführung des Chaos, das Niki im Vorjahr - insbesondere ab Deutschland - produzierte. Der Carrier, der zuvor auf die Basis Wien, Charterflüge und ACMI-Dienstleistungen für Air Berlin spezialisiert war, war in den ersten Wochen und Monaten mit der Situation, dass die Flugzeuge nun kreuz und quer durch Europa stationiert sind, ebenfalls überfordert. Passagiere durften sich bei kleineren und größeren Problemen vom "preisgekrönten Service" der Air Berlin regelrecht verwöhnen lassen, denn Air Berlin war schon jahrelang der Inbegriff des Anti-Service, wenn es um Kundenreklamationen oder gar finanzieller Ansprüche zu Ungunsten der Air Berlin ging. Ob es das Service-Center von Ryanair im Auftrag von Laudamotion nun besser und kundenfreundlicher hinbekommt, wird die Zukunft noch zeigen.


Zahlreiche Fluggäste mussten in den letzten Wochen durchaus lange darauf warten an Bord einer Maschine von Laudamotion begrüßt zu werden (Foto: Jan Gruber).

Niki Lauda jedenfalls geht davon aus, dass im Sommer diesen Jahres grünes Licht für die Ryanair-Aufstockung auf 75 Prozent kommen wird. Er selbst befinde sich momentan mit Airbus und diversen Leasingunternehmen in Gesprächen über weitere Flugzeuge. Bedenken, dass Brüssel den Deal mit den Iren nicht bewilligen könnte, hat Lauda nicht.

Lauda will expandieren, die Konkurrenz ebenfalls

Laudamotion soll in den nächsten Jahren stark wachsen und mit der Marktpositionierung als Ultra-Low-Coster will der Unternehmer eine durchschnittliche Auslastung von 95 Prozent erreichen. Dies ist ein äußerst ambitioniertes Ziel, wenn man bedenkt, dass auf einigen Routen ein äußerst intensiver Wettbewerb, zum Teil sogar mit Kooperationspartner Ryanair, herrscht. Insbesondere auf den Palma-de-Mallorca-Routen ab Deutschland matcht man sich an manchen Airports mit Eurowings, Ryanair, Tuifly, Easyjet, Vueling, Condor und Germania. Beispielsweise ab Stuttgart bieten auf dieser Route alle genannten, mit Ausnahme von Germania, ihre Dienstleistungen an. Dieser Umstand führt selbstredend zu sinkenden Flugpreisen, von denen Reisende profitieren. Sprichwörtlich in die Röhre schauen allerdings Passagiere, die zufälligerweise nicht nach Mallorca, sondern beispielsweise nach Wien oder Graz wollen.

Lauda sagte jedoch im Zuge mehrerer Pressekonferenzen in der österreichischen Bundeshauptstadt, dass gewisse Anlaufverluste im ersten Betriebsjahr einkalkuliert wären. Bis 2020 soll Laudamotion jedoch eine profitable Airline sein. Bis dahin will man - wie erwähnt - kräftig wachsen. Die Flotte soll - wie Michael O'Leary kürzlich erklärte - rasant auf 50 Airbus-Jets ausgebaut werden. Hierfür werden Piloten und Flugbegleiter gesucht, was ebenfalls kein leichtes Unterfangen ist, denn die Konkurrenz heuert ebenfalls im großen Stil neue Mitarbeiter an und das sogar in erheblichem Umfang in Wien.


Wizzair und Easyjet erweitern ihre Angebote ab Wien ebenfalls stetig (Foto: www.AirTeamImages.com).

In der österreichischen Bundeshauptstadt entwickelt sich ein zunehmender Wettbewerb unter den Fluggesellschaften, der in den letzten Jahren in dieser Form nicht vorhanden war. Niki bot zwar jahrelang Austrian Airlines und Lufthansa Paroli, doch nachdem die Air-Berlin-Tochter zunehmend zu einer Warmwasser-Ferien-Abteilung degradiert wurde und die Muttergesellschaft selbst zunehmend Deutschland-Routen einstellte, stiegen die Flugpreise zum Teil erheblich. Die nunmehrigen Marktbegleiter der Lufthansa Group sind finanziell bedeutend besser aufgestellt als Air Berlin je war. Wizz Air, Vueling, Easyjet und Laudamotion (mit Ryanair im Rücken) sind eigentlich erst der Anfang, denn Volotea wird ebenfalls nachgesagt, dass für neue Routen ab Wien großes Interesse besteht. Weitere Lowcoster sollen die österreichische Hauptstadt ebenfalls ins Auge gefasst haben.

Österreichische Passagiere können sich daran eigentlich nur erfreuen, denn Wien findet nun nach vielen Jahren der regelrechten Blockade - behauptet zumindest Michael O'Leary - den Anschluss im Low-Cost-Segment. Umgekehrt kann man auch behaupten, dass die Billigflieger an Wien nicht mehr vorbei kommen. Laudamotion prüft angeblich derzeit auch wie man die heimischen Bundesländerflughäfen ab Winterflugplan 2018/19 besser bedienen kann. So dieser Schritt in die Tat umgesetzt werden sollte, könnte dies durchaus auch als kleine Flucht in die Fläche verstanden werden, denn in Wien wird insbesondere Wizz Air den Wettbewerb weiter anheizen, wobei Ryanair und die ungarische Billigfluggesellschaft die direkte Konfrontation nie ernsthaft gescheut haben.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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