Niki Lauda: "Ich habe eine Riesenhetz'"

Im Interview mit Michael Csoklich.

Niki Lauda (Foto: Jan Gruber).

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht rund um Laudamotion Neuigkeiten auftauchen. Wie das Ende der Zusammenarbeit von Laudamotion mit Condor oder Eurowings. Oder die Möglichkeit, über die Homepage von Ryanair alle Flüge buchen zu können. Um über die Entwicklungen wieder am neuesten Stand zu sein, hat Michael Csoklich mit Niki Lauda das folgende Interview geführt. 

Austrian Aviation Net: Herr Lauda, je komplizierter es wird, umso mehr lieben Sie die Herausforderung. Sind sie gerade in Ihrem Element?
Niki Lauda: Ja, weil es lauft zwar alles schwierig, aber normal für meine Verhältnisse. In der Formel 1 haben wir in den ersten 3 Rennen nichts gewonnen, das war in der Vergangenheit nicht der Fall. Da gehört jetzt ein Schub Entwicklungsarbeit in unsere Mercedes, denn die Ferraris sind einfach schneller und Red Bull drückt richtig von hinten. Wir müssen anfangen, Rennen zu gewinnen und unser Auto besser auf die neuen Reifen besser abstimmen. 

Austrian Aviation Net: Und wie läuft es bei Laudamotion?
Niki Lauda: Da ist alles gut im Moment. 6 Flugzeuge fliegen regelmäßig aus Deutschland. Wir haben keine technischen Probleme und der Flugbetrieb läuft gut und pünktlich. In Wien beginnen wir im Juni mit vier Maschinen, die in die touristischen Destinationen wie Palma, Ibiza, Malaga etc. fliegen. 

Austrian Aviation Net: Sie sagen, es läuft alles nach Plan. Trotzdem ist manches verwirrend. Condor ja, Condor nein, Eurowings ja, Eurowings nein, 14 Flugzeuge - oder doch mehr? Warum hat man den Eindruck, es läuft nicht immer alles rund?
Niki Lauda: Weil die Journalisten immer das schreiben, wie sie es gerade sehen wollen. Der Ursprungsplan war, wie immer gesagt wurde, mit Condor und Eurowings den ersten Sommer die Strecken mit Block Space Abkommen und Laudamotion Flugnummern zu fliegen. Dann aber ist das Problem aufgetaucht, dass nicht 21 sondern nur 11 Flugzeuge da waren, die von der Lufthansa an Laudamotion zurückgegeben werden sollten. Die fehlenden 10 Flugzeuge habe ich aber dringend gebraucht, für eine entsprechende Flottengröße und um die deutschen Slots zu fliegen. Da musste ich mir Ruck Zuck etwas überlegen. 

Austrian Aviation Net: Lufthansa hat Ihnen also 10 Flugzeuge weniger angeboten, als sie hätte müssen?
Niki Lauda: Die EU-Kommission hat Lufthansa aufgefordert, 21 Flugzeuge zurückzugeben. Lufthansa sagt aber, ich gebe nur die zurück, die ich gekauft habe aus dem Bestand der Niki-Flotte. Der langen Rede kurzer Sinn: Lufthansa hat nur 11 Flugzeuge zur Verfügung gestellt, womit 10 fehlten. Sie können sich vorstellen, wie schwierig das ist, wenn der Sommer beginnt und schon alle fliegen. Da musste ich schnell entscheiden, was ich mache. Und Ryanair war am schnellsten. Nach zwei Gesprächen haben sie gesagt, wir steigen bei dir ein und geben sofort 10 Flugzeuge nach Deutschland. 

Austrian Aviation Net: Sie haben auch mit Easyjet gesprochen, waren die zu langsam oder der Preis zu schlecht?
Niki Lauda: Ich habe mit beiden geredet logischerweise, ich kenne sie ja alle. Ryanair und O‘Leary haben einfach schneller entschieden. Somit war das dann in trockenen Tüchern. Und sie fliegen jetzt ab Berlin-Tegel und Düsseldorf mit Laudamotion-Flugnummer in die Feriendestinationen. Die Geschichte ist Gott sei Dank gut ausgegangen. 

Austrian Aviation Net: Das heißt, Ryanair ist für die Lufthansa in die Bresche gesprungen?
Niki Lauda: Ja, Ryanair hat erkannt, was mit Laudamotion möglich ist. 

Austrian Aviation Net: Bedeutet das, Lufthansa war in der Flugzeugfrage zu unflexibel und ist selbst schuld, dass Ryanair jetzt auch ab Berlin, Düsseldorf und Wien fliegt?
Niki Lauda: Ja, so kann man das auch sehen. 

Austrian Aviation Net: Nehmen wir jetzt als Ausgangspunkt den 1. Juni. Ab dann werden von Laudamotion 60 Routen von Österreich, der Schweiz und Deutschland nach Italien, Spanien, Griechenland und Zypern geflogen?
Niki Lauda: Ja, das stimmt. 

Austrian Aviation Net: Kroatien und Portugal sind kein Thema?
Niki Lauda: Nein. 

Austrian Aviation Net: Und ab 1. Juni fliegt keines Ihrer Flugzeuge mehr für Condor, keines für Eurowings. Über wie viele Flugzeuge wird Laudamotion verfügen?
Niki Lauda: Mit dem Einstieg von Ryanair war klar, dass die Reise in Richtung Ryanair geht, denn die haben ein ganz anderes System als Condor. Deswegen hat Condor gesagt, ok, wir akzeptieren und respektieren das. Deshalb ist unser Weg mit Condor und auch Eurowings beendet. 

Austrian Aviation Net: Die Vertragsaufkündigung war also keine Retourkutsche von Condor-Chef Teckentrup, weil er  über den Einstieg von Ryanair beleidigt war? 
Niki Lauda: Nein, es war klar, dass das passieren muss. Klar ist aber auch, dass kein Konkurrent erfreut ist, dass der stärkste Low Cost Carrier in Europa mit seinem Vertriebssystem jetzt mein Partner ist.


Austrian Aviation Net: Das Ende der Zusammenarbeit mit Condor bedeutet, sie müssen nun Verkehrsleitstelle, Crewplanung etc selbst machen. Wie machen Sie das und geht das so schnell bis Ende April?
Niki Lauda: Ja. Bis Anfang Juni arbeiten wir noch mit Condor zusammen und wir sind dabei, das alles aufzustellen. Aber es wird alles zeitgerecht fertig.


Airbus A320 (Foto: Jan Gruber).

Austrian Aviation Net: Halten wir noch einmal fest: Ab 1. Juni werden Sie in Summe wie viele Flugzeuge haben?
Niki Lauda: 21 

Austrian Aviation Net: Und von denen fliegen wie viele für Ryanair und wie viele für Sie?
Niki Lauda: Es sind alles Laudamotion-Flugnummern. Und von diesen 21 Flugzeugen verwende ich 9 oder 10 Ryanair 737-800, die deutsche Strecken bedienen wie Berlin-Tegel und Düsseldorf. 

Austrian Aviation Net: Da verwendet Ryanair also ihre Slots?
Niki Lauda: Genau. Die 4 Flugzeuge, die derzeit noch für Eurowings fliegen, kommen im Juni nach Wien. 4 weitere kommen im Herbst. 

Austrian Aviation Net: Wie ist die Auslastung, wie die Buchungslage?
Niki Lauda: Gut, alles schaut gut aus. 

Austrian Aviation Net: Sie haben im März gesagt, 641 Mitarbeiter sind fix für 21 Flugzeuge, es fehlen ungefähr 50. Stimmt die Zahl immer noch?
Niki Lauda: Ja, es sind alle da. Wir haben genug Crews und Flugbegleiter, es ist alles wie geplant. 

Austrian Aviation Net: Trotzdem ködern Sie das Personal mit kräftigen Gehaltserhöhungen und einer Treueprämie. Würde Ihnen das Personal davonlaufen, wenn Sie das nicht anbieten?
Niki Lauda: Nein, aber wir sind hier in Wien auf einem kleinen Markt mit vielen Anbietern. Um das Hin und Her der Piloten zu stoppen, zahlen wir einfach mehr als die anderen. Damit wir attraktive Bedingungen haben und Piloten zu uns kommen. 

Austrian Aviation Net: Wenn Sie wie gesagt das Personal fix haben, warum brauchen Sie das alles?
Niki Lauda: Um unsere Expansion, die durch Ryanair garantiert ist, umzusetzen. Für jedes weitere Flugzeug brauche ich ja weiteres Personal. 

Austrian Aviation Net: Eurowings hat sich mit der Gewerkschaft auf einen Kollektivvertrag geeinigt, wie läuft es bei Laudamotion mit den KV-Verhandlungen?
Niki Lauda: Bei uns schaut es sehr gut aus, wir haben keine großen Probleme und werden bald einen abschließen können. 

Austrian Aviation Net: Ryanair hält derzeit 24,9%, wann wird auf 75% aufgestockt?
Niki Lauda: Der Antrag auf Genehmigung läuft, aber wir müssen warten, wie die EU-Kommission in Brüssel entscheidet. 

Austrian Aviation Net: Im Vergleich zu Ryanair ist Laudamotion ein „Zwerg“, an dem Ryanair früher oder später 75% hält. Was haben Sie als Niki Lauda eigentlich wirklich noch zu sagen?
Niki Lauda: Ich habe mich drei Jahre verpflichten müssen, Laudamotion weiterzuführen. Das war O’Learys Forderung. Nach drei Jahren kann ich mich entscheiden, ob ich weiter mit ihm arbeiten will oder nicht. Und ein wichtiger Punkt, den keiner versteht: O’Leary ist bei Laudamotion eingestiegen, weil er in Wien mit einem anderen Produkt auftreten will als er es mit Ryanair kann. Und er will Airbus Flugzeuge im Unternehmen haben, damit er mit Boeing anders verhandeln kann. 

Austrian Aviation Net: Sie sind also vertraglich verpflichtet, ihre Funktion drei Jahre auszuüben. Haben Sie in diesen Jahren auch das volle Mitspracherecht, das über die realen Mehrheitsverhältnisse hinausgeht?
Niki Lauda: Ja sicher, ich bin ja Teil des Teams, das für Laudamotion verantwortlich ist. 

Austrian Aviation Net: Was passiert nach drei Jahren?
Niki Lauda: Dann kann ich meine 25% putten…

Austrian Aviation Net: … also Ryanair diese Anteile anbieten?
Niki Lauda: Genau. 

Austrian Aviation Net: Zu welchem Preis?
Niki Lauda: Der wird frühestens in drei Jahren festgelegt und wird davon abhängen, wie erfolgreich Laudamotion ist.


Niki Lauda und Michael O'Leary (Foto: Jan Gruber).

Austrian Aviation Net: Welches Ziel verfolgt O’Leary mit der angesprochenen 2-Marken Strategie?
Niki Lauda: Sich, also Ryanair, und Laudamotion zu entwickeln. Der Standort Wien ist O’Leary wichtig, da will er sich mit einer anderen Marke hersetzen. Wir werden uns so positionieren, dass wir uns an das System Ryanair halten und den Preis für Ticket und alle Zusatzleistungen genau definieren. 

Austrian Aviation Net: Wo würden Sie Laudamotion im Vergleich zu Ryanair also ansiedeln? Eine Art Premium Low Cost Fluglinie, eine bessere Ryanair oder eine andere Ryanair?
Niki Lauda: Der Passagier entscheidet, was er will, was er dazu kaufen möchte. Vom Handgepäck bis zum Essen. Diese Möglichkeiten bieten wir genauso wie Ryanair. 

Austrian Aviation Net: Der Unterschied ist also nur, dass die Passagiere bei Laudamotion Do&Co Essen bekommen?
Niki Lauda: Genau. 

Austrian Aviation Net: Ryanair und O‘Leary haben durch diesen Deal die begehrten Slots in Deutschland bekommen, haben einen Fuß in Wien, und mit Ihren Airbus Flugzeugen ein Druckmittel gegenüber Boeing. Was haben Sie vergleichbares bekommen?
Niki Lauda: Man braucht ja eine kritische Größe. Bis man sich gegen Eurowings, Vueling, Easyjet in diesem Markt etabliert, dauert das lange und kostet viel Geld. Im Augenblick, wo ich mit Ryanair - Laudamotion daherkomme, geht das Ruck-Zuck. 2020 werden wir aus Wien mit 25 Flugzeugen fliegen. Das geht aber nur mit einem Partner, ganz logisch. 

Austrian Aviation Net: In drei Jahren könnte das aber alles vorbei sein, wenn Sie Ihre restlichen 25% verkaufen?
Niki Lauda: Warum soll das vorbei sein? Ich hasse Monopole, mein Anliegen war immer Wettbewerb. Schauen Sie, wie sich das jetzt entwickelt in Wien, mit Vueling, Eurowings, Wizz Air und Laudamotion an einem Flughafen. Einen besseren Wettbewerb für die Passagiere hat es hier noch nie gegeben. Und ich habe das Glück, gemeinsam mit Ryanair den Wettbewerb so richtig anheizen zu können. 

Austrian Aviation Net: Die Marke Laudamotion wird bestehen bleiben, auch wenn Sie verkaufen?
Niki Lauda: Jawohl. O’Leary will eine andere Marke in seinem Verbund fliegen sehen.

Austrian Aviation Net: Wie groß ist die Chance, dass Sie in drei Jahren diese Option ziehen?
Niki Lauda: Das kann ich jetzt nicht sagen. Wir fangen ja gerade an und haben noch genug Arbeit. 

Austrian Aviation Net: Sie sind flexibel?
Niki Lauda: Vollkommen, und ich bin fit, motiviert und habe eine Riesenhetz’.


Niki Lauda und Michael Csoklich nach dem Interview (Foto: Michael Csoklich).

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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