Niki-"Geheimstiftung" will Fairplane auszahlen

Fluggastrechte-Dienstleister verweigert Annahme von Geld von ominöser Privatstiftung. Pikant: Niki-Chef Oliver Lackmann ist Vorstandsmitglied.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Das Fluggastrechte-Inkassobüro Fairplane sorgte mit einem Beschwerdeantrag, der vor dem Amtsgericht Charlottenburg in Sachen Niki-Insolvenz eingebracht wurde, aber auch einem Konkursantrag, der vor dem Landesgericht Korneuburg gegen die österreichische Air-Berlin-Tochter abgegeben wurde, für Aufsehen, denn wie sich herausstellte vertritt Fairplane abgetretene Forderungen in der Höhe von lediglich 1.800 Euro.

Während das Inkassobüro vor dem Amtsgericht Charlottenburg abblitzte und nun das Landgericht Berlin entscheiden muss, wurden zwischenzeitlich Fakten geschaffen, denn eine dritte Person bezahlte einfach die Forderung an Fairplane, wie die österreichische Tageszeitung "Kurier" berichtet. Es handelt sich dabei - im Gegensatz zum Medienbericht des Kuriers - um die "Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs - ELS".

Hierzu ist zu erwähnen, dass Niki selbst im Insolvenzverfahren so genannte Masseforderungen überhaupt nicht ohne Zustimmung von Insolvenzverwalter, Gläubigerausschuss und Amtsgericht Charlottenburg bezahlen kann, jedoch eine dritte Person darf ganz legal Forderungen befriedigen. Es gibt keinerlei gesetzliche Regelung, die es verbieten würde. Sehr vereinfacht kann man es damit vergleichen, wenn beispielsweise ein Student eine Forderung nicht begleichen kann und Vater, Mutter oder Studienkollegen den "Erlagschein" einbezahlen würden. 

Doch bei Niki kann die "Mutter" nicht einspringen, denn Air Berlin ist selbst insolvent. Laut Kurier soll jedoch eine "Stiftung zur Förderung der österreichischen Luftfahrt" die geforderten 1.800 Euro an Fairplane ausbezahlt haben und zwar bereits am vergangenen Donnerstag. Das hat für das Inkassobüro erhebliche Folgen, denn die Forderung gilt damit als getilgt, wenn auch durch eine dritte Person und nicht durch Niki bezahlt.

Masseverwalter will von nichts wissen, Niki-Chef Lackmann ist Stiftungsvorstand

Ein Sprecher von Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther erklärte im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass der Masseverwalter diese Zahlung nicht veranlasst habe und auch in keinerlei Verbindung zu einer solchen Stiftung stehen würde. Ihm wäre eine solche Stiftung nicht bekannt.

Gänzlich unbekannt kann die "Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs - ELS" allerdings nicht sein, denn ein Blick in das Firmenbuch und das Amtsblatt der Wiener Zeitung verrät, dass offensichtlich Niki hinter der Stiftung steckt. Zufälligerweise ist Vorsitzender dieser Privatstiftung der kürzlich bei der insolventen Ferienfluggesellschaft abberufene Geschäftsführer Armin Bovensiepen. Weiters gehört dem Vorstand auch Niki-Chef Oliver Lackmann an.

Selbst der abgetretene Air-Berlin-Chairman Hans-Joachim Körber war bis zum 27. September 2017 (Datum der Pflichtveröffentlichung) involviert und zwar als Vorsitzender der "Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs - ELS". Der ehemalige Air-Berlin-Chef Stefan Pichler, die ehemalige Niki-Finanzchefin Sonja Exner, die ehemalige Air-Berlin-Verwaltungsrät Nicholas Teller und Heinz-Peter Schlüter gehörten zeitweilig dem Stiftungsvorstand an.

Betrachtet man diesen Hintergrund, erscheint es als äußerst fragwürdig, dass die Privatstiftung unbekannt wäre als auch niemand etwas damit zu tun hätte. Insbesondere die Tatsache, dass Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann im Vorstand der "Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs - ELS" aktiv ist, dürfte wohl unmissverständlich belegen, dass der Versuch unternommen wurde Fairplane aus dem in Deutschland gegen Niki geführten Insolvenzverfahren legal herauszukaufen.

Die Stiftung erscheint jedoch in einem besonders schiefen Licht, denn laut Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der Wiener Zeitung wurde am 13. Dezember 2016 der Vorstandsbeschluss "Die Stiftung ist aufgelöst" gefasst, was dazu führt, dass diese defacto nicht mehr existent ist bzw. sich dejure in Abwicklung befindet.

Laut einem Insider hätte diese Privatstiftung zur Sicherung der österreichischen Mehrheitseigentümerschaft für eine Übernahme der direkt von Air Berlin gehaltenen Anteile an Niki durch Etihad dienen sollen. Der Golfcarrier trat damit nicht offiziell in Erscheinung. Pikant ist allerdings, dass am 13. Dezember 2016 die Auflösung beschlossen wurde, was zumindest Raum für Spekulation offen lässt, denn am 5. Dezember 2016 teilte Air Berlin mit, dass der Niki-Minderheitsanteil an Etihad verkauft worden wäre.

Gegen diese These des Insiders spricht allerdings der Gründungszeitpunkt. Die Privatstiftung wurde bereits im März 2014 gegründet. Der Zweck der Stiftung deutet sehr stark darauf hin, dass möglicherweise über diese eigentümerlose Konstruktion die Air Berlin und/oder andere Fluggesellschaften gänzlich übernommen werden hätten sollen. Die Privatstiftung hätte quasi als Strohmann für Etihad fungiert.

"Die Förderung des Erhalts und der soliden Entwicklung einer starken, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen zivilen Luftfahrtindustrie in Europa, dies jedoch,ohne eine über dasgesetzliche Nebentätigkeitsprivileg hinausgehende gewerbliche oder wirtschaftliche Tätigkeit zu entfalten. Zu diesem Zweck soll die Privatstiftung unter anderem (indirekt) Eigentumsanteile an Fluggesellschaften halten, welche in Deutschland oder einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union ansässig sind." (Stiftungszweck laut Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der Wiener Zeitung).

Der Auflösungsbeschluss passt übrigens genau in den zeitlichen Ablauf der Ereignisse, denn gegen Jahresende des Vorjahres begann Etihad Airways damit sich aus den Beteiligungen zurückzuziehen und tätigte keine weiteren Einkäufe mehr. Auch wurde nach und nach der Geldhahn abgedreht und möglicherweise wurde mit Lufthansa schon damals ein "Deal" gemacht. Der im Stiftungszweck genannte Ort "Deutschland" deutet jedenfalls sehr stark darauf hin, dass Etihad Airways die vollständige Übernahme von Air Berlin durch das Zwischenschalten dieser Privatstiftung beabsichtigte.

Fairplane nimmt ominöse Zahlung nicht an

Wer nun glaubt, dass Fairplane damit aus dem Insolvenzverfahren "rausgekickt" worden wäre, irrt. Laut Justiziar Ronald Schmid habe das Unternehmen die Zahlung nicht angenommen, sondern wieder zurücküberwiesen. Diesen Schritt begründete der Jurist im Gespräch mit Austrian Aviation Net insbesondere damit, dass man kein Geld unbekannter Herkunft annehmen könne. Weiters sagte er, dass im Insolvenzverfahren nun weitere Forderungen seitens Fairplane angemeldet worden wären. Fairplane vertritt laut eigenen Angaben rund 1,2 Millionen Euro an Kundenansprüchen gegen die insolvente Fluggesellschaft Niki.

Fairplane-Chef Andreas Sernetz erklärte im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass die "Privatstiftung zur Förderung des europäischen Luftverkehrs - ELS" die besagten 1.800 Euro mehrfach überwiesen habe und Fairplane die Zahlung stets retourniert habe. Auf die Retoure soll eine neuerliche Überweisung seitens der Stiftung gekommen sein. Dieses "Spiel" habe sich - wie erwähnt - gleich mehrfach wiederholt. Fairplane könne keine Zahlung von einer Stiftung annehmen, die laut Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der Wiener Zeitung aufgelöst ist.

Laut dem Kurier-Zeitungsbericht rechnet Fairplane-Chef Andreas Sernetz damit, dass sein Unternehmen endgültig abgeblitzt ist. Konkret schreibt das Medium, dass er nicht mehr damit rechne, dass die Richter ihre Rechtsmeinung ändern würden.

Fairplane teilt übrigens auf der Firmenwebseite in äußerst gut sichtbarer Positionierung mit, dass man keine neuen Fälle betreffend Niki annehmen würde. Klickt man auf den entsprechenden Link, so erhält man die Erklärung, dass nach einem Verkauf sämtliche Forderungen nur noch in einem nachfolgenden Insolvenzverfahren angemeldet werden können.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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