Niki: Entweder Lufthansa oder Konkurs

Tage der Entscheidung für heimische Ferienfluggesellschaft.

Foto: Jan Gruber.

Mit einer neuerlichen Pro-Lufthansa-Aussendung versucht nun auch die insolvente Air Berlin Druck auf die EU-Kommission auszuüben und droht damit, dass wenn der Kranich-Konzern nicht bis 21. Dezember 2017 grünes Licht für den Kauf von Niki erhalten werde, so würde Niki umgehend Insolvenz anmelden und die Mitarbeiter der Ferienfluggesellschaft wären dann noch vor Weihnachten beschäftigungslos.

Kein Wort verliert Air Berlin allerdings darüber, dass der Gläubigerausschuss diverse andere Angebote für Niki ausgeschlagen hat, die dem Vernehmen nach sogar höher als der mit Lufthansa vereinbarte Kaufpreis gewesen sein sollen. Stattdessen schreibt man, dass man nun hektisch British Airways kontaktiert habe und einen sprichwörtlichen Korb bekommen habe.

"Wie von der Europäischen Kommission gefordert, haben wir nach dem Verkauf der Niki an die Lufthansa Group noch einmal Kontakt zu weiteren möglichen Bietern aufgenommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die britische IAG hat uns schriftlich mitgeteilt, dass sie kein Kaufinteresse mehr an der Nikihat. Auch die erneuten Gespräche mit dem Bieterkonsortium um den Reiseveranstalter Thomas Cook haben bisher nicht ansatzweise zur Unterbreitung eines tragfähigen Alternativangebots geführt", so Air Berlins Generalhandlungsbevollmächtiger Frank Kebekus. "Der Fall ist eindeutig: Einziger valider Kaufinteressent für die Niki ist und bleibt die Lufthansa Group. Wenn wir bis 21. Dezember von der Europäischen Kommission grünes Licht bekommen, können wir den Verkauf erfolgreich abschließen. Wenn dieser Zeitplan jedoch ins Rutschen kommt, muss Niki umgehend Insolvenz anmelden. Dies würde bedeuten, dass kurz vor Weihnachten 1.000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren, zehntausende Passagiere stranden und hunderttausende Tickets ihre Gültigkeit verlieren. Mit einem Zusammenbruch der Niki verschwände von heute auf morgen weitere Kapazität aus dem Markt. Es würde weniger Wettbewerb geben statt mehr. Angesichts dieser Sachlage hoffen wir nun auf eine zügige und klare Entscheidung der Europäische Kommission."

Aus der Äußerung des Frank Kebekus kann durchaus interpretiert werden, dass im Falle einer vertieften Prüfung durch die EU-Kommission der "schwarze Peter" für eine eventuelle Niki-Pleite den Wettbewerbshütern in Brüssel in die Schuhe geschoben werden könnte und darüberhinaus aufgrund der fehlenden Niki-Kapazitäten die Flugticketpreise weiter steigen könnten.

Air Berlin geht in der Aussendung sogar noch weiter und behauptet, dass Lufthansa der einzige Bieter mit einem tragfähigen Angebot für LGW und Niki gewesen wäre. Gleichzeitig wird jedoch nicht erwähnt, dass die schweizerische Tochter Belair trotz des Vorliegens zweier Kaufangebote aus angeblichen "insolvenzrechtlichen Gründen" nicht verkauft wurde. Laut Informationen, die Austrian Aviation Net vorliegen, soll Belair Millionenforderungen an Air Berlin haben.

Ein Grounding von Niki wäre für den Markt und insbesondere die rund 1.000 Beschäftigten des österreichischen Unternehmens fatal, doch Lufthansa dürfte dies nicht sonderlich hart treffen, denn Carsten Spohr erklärte erst kürzlich, dass man die rund 20 Niki-Flugzeuge nicht überbewerten solle und wenn Lufthansa kein grünes Licht aus Brüssel bekommen sollte, dann werde man eben organisch wachsen.

Bei Niki scheinen die Finanzprobleme übrigens mittlerweile im Flugbetrieb angekommen zu sein, denn beispielsweise wurden am Dienstag sämtliche ab Wien geplanten Legs gestrichen. In den letzten Tagen kam es zu außergewöhnlich vielen Streichungen. Am Sonntag konnte der Mallorca-Flug ab Wien nicht durchgeführt werden, da die betroffene Maschine nie aus Paderborn überstellt wurde. Selbstredend war auch der Rückflug von Spanien nach Österreich betroffen. Dem Vernehmen nach soll die Situation in Wien dermaßen chaotisch gewesen sein, dass das Flughafenpersonal, das für das Boarding zuständig war nicht einmal wusste wo das Flugzeug überhaupt ist und von Niki erst in der "Go to Gate"-Phase über die Streichung informiert worden sein. Angeblich hätten gar die am Flugsteig wartenden Fluggäste noch vor dem Airport ein E-Mail von Air Berlin bekommen, dass der Palma-Flug nicht stattfinden werde. Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann konnte trotz mehrfacher Versuche nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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