Nächster Comebackversuch für die Dornier 328

Rechteinhaber 328 Support Services GmbH plant Wiederaufnahme der Produktion des "Spritfressers".

Die Regionalfluggesellschaft SkyWork musterte im Frühjahr die letzte Dornier 328 aus (Foto: Andy Graf).

Die Dornier 328 wurde bis zur Insolvenz der Fairchild Dornier im Jahre 2001 überwiegend im bayerischen Oberpfaffenhofen gefertigt und ist bis heute das letzte ausschließlich in Deutschland entwickelte Flugzeug, doch von den hohen Entwicklungskosten der Do328 und insbesondere der nie verwirklichten Do528/728/928 erholte sich das Unternehmen nie. Die Anschläge vom 11. September 2001 versetztem dem Konzern den finalen Todesstoß in Richtung Konkurs.

Noch unter der Mehrheitseigentümerschaft der DASA, also Daimler, wurde die Do328 in den Ausführungen Turboprop und Jet entwickelt. Daher stammt auch der inoffizielle Spitzname "Mercedes der Lüfte", denn das Muster galt als äußerst modern und fortschrittlich, doch der durchaus hohe Verkaufspreis und nie mit rund 30 Sitzplätzen geringe Kapazität, sorgten für nicht sonderlich berauschende Absatzzahlen. Die Maschine kam schlichtweg rund zehn Jahre zu spät auf den Markt, denn bereits Ende der 1990er Jahre begannen die meisten Airlines langsam, aber sicher auf größere Muster zusetzen. Nach dem 11. September 2001 begann auch in Europa nach und nach der Lowcost-Boom und derartige Regionalverkehrsflugzeuge haben nur noch ein Nischendasein bei wenigen Betreibern.

Dennoch gibt es einige wenige Anwendungsgebiete, auf denen sich die Dornier 328 scheinbar unersetzbar durchsetzen konnte. Die Jet-Variante ist ein beliebter Ambulanz-Jet, auf den viele Spezialanbieter schätzen. Besonders die äußerst ruhige und vibrationsarme Kabine soll ein großer Pluspunkt sein. Die Turbopropvariante ist in Europa unter anderem bei Rhein-Neckar-Air (operated by MHS Aviation) und Sun Air of Scandinavia im Einsatz. Letzere setzt auch die Jet-Version ein und ist so ziemlich der einzige Operator, der mit diesem Muster offenbar wunschlos glücklich ist.

"Turkish-328" scheiterte

Die Rechte an der Produktion der Dornier 328 hält die 328 Support Services GmbH mit Sitz im bayerischen Oberpfaffenhofen, jedoch wurden diese vor rund zwei Jahren in die Türkei lizenziert. Unter dem Namen "Turkish Regional Jet TRJ 328" will der türkische Staat ein Muster in eigener Produktion in die Luft bringen, das insbesondere auf Inlandsflügen innerhalb der Türkei eingesetzt werden soll. Vor rund zwei Jahren berichtete Austrian Aviation Net über den TRJ 328 erstmals.

Das türkische Unternehmen plant sowohl die Jet-Variante als auch die Turboprop-Version der Dornier 328 in die Luft zu bringen. Den Prop bezeichnet man als TRP 328, während der Jet als TRJ 328 beworben wird. Weiters will man das eingestellte Do628 als TRJ 628 verwirklichen. Pompös wurden die Ideen beworben, jedoch wurde es seit 2016 äußerst ruhig um das türkische Projekt. Selbst die letzte Pressemitteilung auf der Homepage des türkischen Herstellers ist mit Dezember 2016 datiert. Jedenfalls schreibt man auf der Webseite, dass man sich die Lizenzen von 328 Support Services GmbH und Sierra Nevada Corporation gesichert habe und mit finanzieller Unterstützung der türkischen Regierung die Neuauflage in die Luft bringen werde. Auf der Farnborough Air Show 2018 hatte man jedoch nichts vorzeigbares dabei, was auch auf einen minimalen Fortschritt des Projekts hindeutet. Angeblich wurde dieses zwischenzeitlich sogar wieder verworfen, wobei der türkische Hersteller dies nicht kommentierte.

Deutsche Sierra-Nevada-Tochter will in Eigenregie montieren

Die 328 Support Services GmbH plant laut einem Bericht des Weser-Kuriers eine Neuauflage der Dornier 328 in Eigenregie. Demnach untersuche man derzeit, ob man in Bremen oder Leipzig rund 300 Arbeitsplätze in der Endmontage ansiedeln könnte. Bemerkenswerterweise soll der ehemalige Werksflughafen Oberpfaffenhofen nicht im Gespräch sein. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen.

Für welche Kunden eine Neuauflage der Dornier 328 gefertigt werden könnte, ist nicht bekannt. Im Bereich der kommerziellen Passagierluftfahrt dürfte es sowohl für die Turboprop- als auch für die Jetvariante einen nur äußert geringen Bedarf geben, da das Muster nur eine sehr geringe Kapazität hat und als treibstoffdurstig gilt. Für eine Kleinserienfertigung als VIP-Maschinen und beispielsweise für den Einsatz als Ambulanzflugzeuge könnte es jedoch eine Nachfrage geben, wobei diese durchaus in Konkurrenz zu ausgemusterten Passagiermaschinen stehen könnte, die umgebaut werden könnten.

Mit nur rund 300 Mitarbeitern ist eine große Serienfertigung nicht zu machen. Die mangelnde Nachfrage könnte auch der Grund dafür sein warum das türkische Projekt ins Stocken geraten ist. Angeblich soll dieses Ende 2017 sogar gänzlich abgeblasen worden sein, wobei von türkischer Seite dazu kein Kommentar abgegeben wurde.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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