Nachgefragt: Sind "operated by"-Sticker verpflichtend?

Häufig sind sie auf längerfristig angemietetem Wetlease-Flugzeugen zu finden, mal groß, mal klein, mal gut sichtbar, mal versteckt: Ein Hinweis auf den eigentlichen Betreiber des Flugzeugs. Doch ist das überhaupt ein Muss? AviationNetOnline ging dieser Frage nach.

Ein "operated by"-Sticker auf einer BAe-146 von WDL Aviation (Foto: Jan Gruber).

Flugzeuge, die Airlines längerfristig für andere Fluggesellschaften betreiben, werden häufig in die Farben des Auftraggebers umlackiert. Oftmals weist nur ein Sticker „operated by“ darauf hin, dass die Maschine im Rahmen eines Wetlease-Vertrags nur angemietet ist. Doch bei der Frage, ob es überhaupt eine gesetzliche Vorschrift zum Anbringen eines solchen Hinweises gibt, kommen selbst Experten ins Grübeln.

„Es gibt weder unionsrechtliche noch nationale luftfahrtrechtliche Vorschriften, die einen verpflichtenden Hinweis auf „operated by“ auf den Luftfahrzeugen vorsehen“, erklärt die österreichische Austro Control gegenüber AviationNetOnline. Dennoch trifft die Fluggesellschaften in der Europäischen Union aufgrund Artikel 11 -samt den Erwägungsgründen Nr. 11, 13 und 14)  der Verordnung (EG) Nr. 2111/2005 eine Informationspflicht gegenüber dem Endkunden, wie die ACG weiters ausführt: „Der Vertragspartner für die Beförderung im Luftverkehr wird verpflichtet, die Fluggäste bei der Buchung über die Identität des ausführenden Luftfahrtunternehmens zu unterrichten, wobei Art. 11 auch Vorkehrungen trifft, wie diese Informationspflicht aussieht, wenn die Identität bei der Buchung noch nicht bekannt ist oder ein Wechsel des ausführenden Luftfahrtunternehmens nach der Buchung eintritt. Wie diese Information konkret auszusehen hat, wird nicht detailliert festgelegt. Der tatsächliche Beförderer kann sich aus den Buchungsunterlagen, aus späteren Unterlagen (wie Flugschein bzw. Bordkarte mit dem Hinweis „operated by“ ) ergeben bzw. kann letztlich auch eine Unterrichtung beim Einstieg erfolgen. Für den Fluggast zusätzliche Merkmale können sich aus der Arbeitskleidung der Crews oder eben auch aus dem Namenszug auf dem Luftfahrzeug („operated by“ ) ergeben. Zusammenfassend sieht Art. 11 der genannten Verordnung eine aktive Informationspflicht des Vertragspartners vor. Eine Vorschrift für einen verpflichtenden Hinweis auf „operated by“ am Luftfahrzeug gibt es nicht.“ 

Dennoch kennzeichnen viele Airlines angemietetes „Fremdgerät“ mit den besagten Hinweistexten. Manchmal kommt auch eine Kombination aus Text und Logo zum Einsatz. Die österreichische Anisec verzichtet auf ihrer Flotte gänzlich auf jeglichen Hinweis, dass Level nur eine Marke ist, während der Betreiber des Fluggeräts die Anisec Luftfahrt GmbH ist. Auch dies ist zulässig, da es – wie von der Austro Control ausgeführt – keine Verpflichtung zur Anbringung eines „operated by“-Stickers gibt. Ein bekanntes Beispiel für die Nutzung eines solchen Hinweises war Air Berlin während der Wetlease-Phase für Austrian Airlines und Eurowings. Weiters ist der Betreiber des Fluggeräts generell in der Gestaltung des Designs der Livery komplett frei. Es auch zulässig komplett weiß ohne jeden Hinweis auf den Namen der Fluggesellschaft zu fliegen, mit einer kleinen Einschränkung: Die „behördlichen Pflichtangaben“. 

Dazu die Austro Control: „Die „Beschriftung/Bemalung“ der Luftfahrzeuge außerhalb der gesetzlichen Vorgaben (wie z.B. Kennzeichen oder Farben/Wappen etc.) steht den Betreibern grundsätzlich frei.“ 


Ein kleiner Sticker auf der Fliege weist darauf hin, dass dieser Embraer 190 von LGW im Auftrag von Niki betrieben wurde (Foto: www.AirTeamImages.com).

Zusammengefasst bedeutet dies, dass Halter von Fluggeräten lediglich verpflichtet sind die „gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben“ wie Kennzeichen, Farben/Wappen anzubringen. Ein Beispiel hierfür ist das jeweilige Hoheitszeichen (Nationalflagge), wobei die Stelle der Anbringung mit der jeweils zuständigen nationalen Luftfahrtbehörde abzustimmen und zu genehmigen ist. Der Name der Fluggesellschaft oder Designs jeglicher Art müssen nicht angebracht werden. Aus diesem Grund fliegen einige ACMI-Anbieter mit „Full White“-Jets durch Europa, denn bei häufigen Wechseln des Auftraggebers ist es von Vorteil, wenn einfach gar kein Name auf dem Jet genannt wird. Bei längerfristigen Kontrakten lassen sich so einfacher Beklebungen anbringen. Ob ein Hinweis „operated by“ angebracht wird oder nicht, ist nicht gesetzlich geregelt. Es obliegt also ausschließlich Auftraggeber und –nehmer, ob diese sich auf 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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