Nachgefragt bei Ryanair-Chef Michael O'Leary

Wenn Michael O'Leary zu einer Pressekonferenz einlädt, schaut die Branche immer besonders genau hin. Was hat O'Leary wieder ausgehackt, das er öffentlichkeitswirksam präsentieren wird. In Bratislava verkündete er, dass man hier eine Basis aufbauen werde. Austrian Aviation Net gab Michael O'Leary ein exklusives Österreich-Interview über hohe Flughafenkosten in Österreich, einen Flughafen Wien, der seiner Meinung nach Austrian Airlines protegiert, die "neue Germanwings", die er für Rubbish hält und darüber, dass Arbeit für ihn Urlaub ist.

Ryanair-Chef Michael O'Leary. (Fotos: Bernd Karlik)

Rund um eine Pressekonferenz in Bratislava gab Ryanair-Chef Michael O'Leary Austrian-Aviation-Net-Redakteur Jan Gruber ein exklusives Österreich-Interview. Die irische Fluggesellschaft wird - wie Austrian Aviation Net berichtete - in Bratislava eine neue Basis errichten und zwar mit bis zu zehn Flugzeugen.


Michael O'Leary im Gespräch mit Austrian-Aviation-Net-Redakteur Jan Gruber.

Austrian Aviation Net: Warum haben Sie die Stansted-Flüge ab Graz und Linz eingestellt?
Michael O'Leary: Wir hatten nicht ausreichend Passagiere auf diesen Flughäfen. Diese Flughäfen sind 'High-Cost-Airports' und daher haben wir die Strecken zumindest mal über den Sommer eingestellt. Hohe Kosten und hohe Ticketpreise führen zum Rückgang von Verkehr. Von den Flughafenmanagements gab es kein Entgegenkommen.

AANet: Österreich ganz ohne Ryanair - ist das die Zukunft?
O'Leary: Wir sind im Gespräch im Winter unsere Schiflüge in Salzburg auszubauen, aber aufgrund der 'High-Cost-Airports' in Österreich können wir unsere Maschinen an anderen Flughäfen in Europa, an denen die Kosten günstiger sind, produktiver einsetzen. Wir wollen wachsen und haben daher 185 Boeings bestellt, die ab Ende 2014 ausgeliefert werden. Wenn die neuen Maschinen da sind, werden wir prüfen, ob wir mehr in Österreich machen können.

AANet: ...und im Hinblick auf Wien...
O'Leary: Wien nicht nur ein absoluter 'High-Cost-Airport', sondern ich habe den Eindruck, dass das Flughafenmanagement Ryanair auch nicht haben möchte und damit Austrian Airlines protegieren möchte. Ryanair ist gefährlich für Austrian Airlines' und ihre hohen Ticketpreise. Austrian Airlines wird es sehr schwer haben, wenn Ryanair in Wien mit Ryanair-Ticketpreisen starten würde. Ryanair macht in die besten Preise in Europa und keiner kann mit unseren Preisen mithalten. Easyjet bietet in Wien teure Tickets an, wir fliegen billig ab Bratislava.

AANet: Bratislava ist bei Ihnen nicht mehr Wien, sondern Bratislava... Warum?
O'Leary: Wir haben zu Beginn Bratislava in Verbindung mit Wien beworben, also als Wien Süd oder so. Das brachte uns aber genau gar nichts, denn Wiener wissen wo der Flughafen Wien ist und Bratislava braucht Wien nicht als Schutzpatron oder so. Ryanair fliegt nach Bratislava und das bewerben wir auch so. Bratislava ist als Destination gefragt und wer nach Bratislava fliegen möchte, sucht doch nach Bratislava-Flügen und nicht nach Wien. Es war ein Fehler, dass wir Wien dazu geschrieben haben, aber nun wachsen wir in Bratislava kräftig. Im Sommer kommt eine brandneue Strecke nach Sizilien dazu und eine Basis bauen wir auch auf.

AANet: Was sagen Sie zur "neuen Germanwings" der Lufthansa?
O'Leary: Das ist absoluter Rubbish. Eine so genannte Billigfluggesellschaft versucht hohe Ticketpreise auf innerdeutschen und europäischen Direktverbindungen zu kassieren. Was für ein Einfall der Lufthansa eine Billigfluggesellschaft zu haben und weil man selbst zu teuer ist, versucht man nun den so genannten Billigflieger auszubauen. British Airways versuchte auch schon so etwas mit 'Go', ist gescheitert und wurde vom so genannten Billigflieger Easyjet übernommen. Transavia ist auch ein so genannter Billigflieger, der kein Geld verdient. Was ist die 'neue Germanwings' überhaupt? Hohe Lufthansa-Preise in einem so genannten Billigflieger? Ein so genannter Billigflieger mit der berühmten Lufthansa-High-Cost-Struktur. Damit kann man nicht erfolgreich sein und das haben andere ehemalige Flag-Carrier bereits bewiesen: British Airways scheiterte mit Go, KLM mit Buzz, die wir geschnupft haben. Mit der Kostenstruktur einer Lufthansa, British Airways oder wie sie denn alle heißen, kann man keinen Billigflieger machen. Wenn die eigenen Kosten zu hoch sind, kann man keine billigen Ticketpreise machen. Lufthansa und Air Berlin liefern sich in Deutschland doch schon seit langem einen Preiskampf mit hohen Preisen. Germanwings wird Air Berlin das Leben noch schwerer machen und dass die nicht in der Lage sind dauerhaft mitzuhalten, sieht man doch. Überall werden Strecken eingestellt, Frequenzen zurückgenommen und was kommt noch? Wir bauen in Deutschland massiv in Nürnberg, Köln/Bonn und Münster/Onsabrück aus - Air Berlin macht schon vorher die Fliege. Überall in Europa wo Ryanair mit Ryanair-Preisen, welche die billigsten Europas sind, kommt, sind die anderen bald weg. Warum? Weil sie zu teuer sind. Fliegen mit Ryanair kann sich jeder leisten und man muss auch nur das bezahlen, was man wirklich braucht. Warum muss man bei Lufthansa für einen Koffer bezahlen, wenn man gar keinen hat? Der einzige Billigflieger in Europa ist Ryanair und wir sind ein profitables Unternehmen. Die so genannten Billigflieger können nicht mithalten und machen große Verluste mit lustigen Begründungen. Es gibt nur eine wahre Antwort: Weil sie zu teure Kostenstrukturen haben, zu viel an den Flughäfen bezahlen und ihre Tickets deswegen zu teuer sind!

AANet: Womit sollten Ihrer Meinung nach Flughäfen Geld verdienen?
O'Leary: Fluggesellschaften verdienen Geld beim Fliegen. Wenn ein Flughafen zu teuer ist, dann fliegen wir dort einfach nicht hin. Flughäfen müssen ihre Umsätze einfach mit anderen Dingen wie Vermietung von Geschäften oder gute Services für Passagiere verdienen. Hohe Kosten bringen wenig Verkehr, niedrige Kosten bringen viele Passagiere. Ryanair hat bewiesen, dass wir Verkehrsaufkommen generieren können. Mehr Verkehr heißt, dass Flughäfen wachsen können und Ryanair kann noch mehr Passagiere befördern. Mehr Passagiere kaufen mehr an einem Flughafen und damit kann man Geld verdienen.

AANet: Kann so jeder Flughafen rentabel arbeiten?
O'Leary: Ab 2,5 Millionen Passagieren pro Jahr ist ein Flughafen für internationale Retail-Ketten interessant. Mit der Vermietung von Shop-Flächen kann man als Flughafen viel Geld machen, aber dazu muss man doch die Passagiere erst mal haben. Unter 2,5 Millionen Passagieren pro Jahr ist es mir rätselhaft wie der Flughafen überhaupt wirtschaftlich betrieben werden kann. Am Beispiel von Bratislava gehe ich davon aus, dass wir kräftig wachsen werden. Wir sind jetzt schon die Nummer 1 hier in Bratislava und werden hier ab Ende 2014 / Anfang 2015 zwei bis drei Maschinen stationieren. Je mehr Wachstum, also mehr Passagiere wir befördern können, desto mehr Flugzeuge werden in Bratislava stehen. Fünf Maschinen, sogar zehn Stück sind realistisch. Erst 1,5 Millionen, dann 2,5 Millionen Passagiere, dann 3,5 Millionen Passagiere und noch mehr. Alles ist möglich in Bratislava und wollen und werden hier in der Slowakei wachsen. Das schafft ganz nebenbei auch Arbeitsplätze bei Ryanair in Bratislava, beim Flughafen und allen, die sonst noch so dabei sind. Ryanair ist eine Low-Cost-Airline und nur ein Flughäfen mit niedrigen Kosten können wir billige Tickets anbieten und so für Wachstum und Arbeitsplätze sorgen. In Bratislava geht das und davon bin ich überzeugt.

AANet: Woher werden die Besatzungen für Bratislava stammen?
O'Leary: Die Besatzungen werden natürlich nicht ausschließlich Slowaken sein. An allen Stationen haben wir eine Mischung aus vielen europäischen Nationen. Engländer, Iren, Österreicher und so weiter. Wir sind in ganz Europa tätig und haben ein europäisches Team.

AANet: Eine Billigfluggesellschaft aus Osteuropa startet Flüge nach Dubai. Reizt es Sie auch Billigflüge in den Mittleren Osten anzubieten.
O'Leary: Die so genannte Billigfluggesellschaft Wizzair hat das angekündigt. Ob sie das wirklich fliegen werden, mal sehen. Für Ryanair aber ganz klar: Nein! Wir wollen in Europa wachsen und suchen uns hier Märkte, auf denen wir mit unseren billigen Ryanair-Preisen erfolgreich sind und weiter wachsen können. Dubai? Was sollen wir denn dort machen? Die Regierungen in dem Gebiet blasen doch ihre Airlines auf, um sie zu schützen. Wir wachsen in Europa und nicht im Mittleren Osten.

AANet: Welche Destination in Europa ist Ihre Lieblingsstadt? Wo würden Sie Urlaub machen?
O'Leary: Gar keine. Ich habe keine Destination, die mir in Europa besonders gut gefällt oder auch nicht gefallen würde. Urlaub ist es für mich für Ryanair zu arbeiten. Daheim habe ich eine Familie mit vier Kindern ab sieben Jahren...

AANet: Sind Sie mit Ryanair oder mit einem Business-Jet nach Bratislava angereist?
O'Leary: Ich bin gestern am Abend mit dem Ryanair-Flug aus Stansted gekommen. Wir sind eine Billigfluggesellschaft und ein Billigflieger braucht keine Privatjets. Ich fliege auch jetzt mit Ryanair zum nächsten Termin weiter.

AANet: Was haben Sie so in Bratislava gemacht, außer mit dem Flughafen verhandelt?
O'Leary: Für Ryanair gearbeitet natürlich. Ich habe beim Boarding Tickets abgerissen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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