"Mit Laudamotion zu fliegen soll etwas Tolles sein!"

Laudamotion-Chef Andreas Gruber im Gespräch.

Laudamotion-Chef Andreas Gruber (Foto: Laudamotion).

Für Andreas Gruber ist es wohl die bislang spannendste berufliche Herausforderung: Seit März 2018 ist der 33-jährige Wiener neben Niki Lauda Managing Director der Laudamotion GmbH. Genug Branchenerfahrung für den Job hat Gruber mit Sicherheit - erste Airlineerfahrung sammelte er bereits während des Studiums für Tourismusmanagement als Passenger Service Agent am Flughafen Wien. Nach Studienabschluss folgten Management-Funktionen bei den Ground Operations von Niki, ab 2012 war Gruber bei Air Berlin als Senior Manager Alliance Development tätig, bevor er ab 2013 als Prokurist und Verantwortlicher für Netzplanung und Entwicklung zu Niki zurückkehrte.

Austrian Aviation Net traf den Airline-Chef zum Gespräch - kurz nachdem Laudamotion die ambitionierten Expansionspläne sowie den Winterflugplan 2018/19 bekanntgegeben hat. Wie möchte er das Marken-Image der Fluglinie gestalten? Was soll Laudamotion von der Masse von Low Cost Airlines unterscheiden? Und wie sieht eigentlich die aktuelle Stimmung bei der Fluglinie aus?

Austrian Aviation Net: Viele Startup-Airlines versprechen, irgendwie besonders zu sein - man muss sich nur die ganzen hyper-fancy Websites mit tollen Werbesprüchen ansehen. Letztlich ist der Unterschied zwischen Fluglinien dann doch meist nicht sehr groß - wenn man einmal in der „Röhre“ sitzt sind sie alle sehr ähnlich. Will Laudamotion irgendwie wirklich „anders“ oder besser sein - oder wird sie mit der Masse mitgehen?

Andreas Gruber: Wir wollen die perfekte Kombination schaffen aus einem Super-Preis-Leistungs-Verhältnis und diesem „Gewissen Etwas“, also der österreichischen Gastlichkeit. Damit wollen wir uns auch ganz klar von Ryanair abgrenzen. Wir achten da auch ganz besonders bei der Auswahl und beim Training der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf.

Wir werden auch ein umfangreiches Buy-on-Board-Catering anbieten - dazu haben wir uns Do&Co bzw. deren Tochterfirma Versilia als Partner hereingeholt. Mein Team arbeitet gerade mit Hochdruck daran, hier ein schönes Konzept umzusetzen – ab dem Sommer geht es damit los. Etwas später wird es dann auch eine Möglichkeit für Pre-Order Menüs geben.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Name Lauda auch ein Qualitätsversprechen ist - und das soll auch in Zukunft so bleiben. Mit Laudamotion zu fliegen soll etwas Tolles sein!

Andreas Gruber teilt sich die Geschäftsführung mit Niki Lauda - hier die beiden bei einer Pressekonferenz im Mai in Wien (Foto: Laudamotion).

Austrian Aviation Net: Der Standort Wien wird seit dem Air-Berlin-Ende durch eine wahre Invasion von vor allem Billigfluglinien geprägt. Wie möchte sich Laudamotion hier als Startup behaupten können?

Andreas Gruber: Wir wollen die Passagiere vor allem durch das tolle Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität unseres Bordproduktes überzeugen. Daneben haben wir ein tolles Streckennetz, möchten sehr zuverlässig sein und natürlich durch den Lauda-Servicegedanken punkten. Den Passagieren wollen wir mehr als nur eine Alternative zu den Mitbewerbern anbieten.

Wir sind auch mit dem Committment angetreten, Laudamotion gemeinsam mit unserem Partner Ryanair als die Nummer Eins unter den Low Cost Airlines in Österreich zu positionieren. Wien ist unser Heimatmarkt - den werden wir besetzen und auch verteidigen.

Austrian Aviation Net: Apropos Markt: Von Niki Lauda wurde ja immer wieder die Monopolstellung des Lufthansa-Konzerns in der DACH-Region kritisiert. Besonders betroffen sind dabei Flüge zwischen Österreich und Deutschland - wenn man einmal von Berlin absieht. Bei Laudamotion findet man aber weder im Sommer- noch im Winterflugplan Verbindungen zwischen den beiden Staaten. Warum eigentlich?

Andreas Gruber: Wir sehen derzeit unsere Stärken auf anderen Strecken. Das bedeutet aber nicht, dass wir in Zukunft nicht auch zwischen Österreich und Deutschland unterwegs sein werden.

Austrian Aviation Net: Wie sieht es mit dem Corporate Design aus? Hier soll sich ja auch etwas tun.

Andreas Gruber: Wenn man sich unsere Flieger mit Laudamotion-Titeln vorne und dem Air-Berlin-Heck heute ansieht, ist klar, dass „fesch" etwas anderes ist. Wir erarbeiten aber gerade ein neues Brand-Konzept und werden das demnächst vorstellen. 

Austrian Aviation Net: Vor kurzem wurde der Winterflugplan ab Wien präsentiert. Wie sieht es mit den Bundesländer-Airports aus?

Andreas Gruber: Zuerst einmal können in Wien im Winter noch zusätzliche Destinationen dazukommen - wir haben da noch etwas in der Pipeline. Wir schauen uns die Bundesländer auch an - aber der Fokus liegt im Moment in Österreich ganz klar auf Wien.

Austrian Aviation Net: Warum setzt Laudamotion weiterhin auf Airbus, wenn die künftige Mutter Ryanair sonst mit der Boeing 737 fliegt?

Andreas Gruber: Ich denke, dass Ryanair auch den Wunsch hat, sich zu diversifizieren und nicht mehr nur von einem Flugzeughersteller abhängig zu sein. Wir möchten in den nächsten drei bis fünf Jahren die Flotte auf bis zu 50 Flugzeuge ausbauen. Das ist schon eine Ansage an Airbus, sich zu bemühen.

Gute Stimmung bei der Laudamotion-Crew - damit das so bleibt, legt Andreas Gruber viel Wert auf Kommunikation. Staff Meetings und After Work Events sollen den Team Spirit unterstützen (Foto: Laudamotion).

Austrian Aviation Net: In der Übergangsphase von Niki zu Laudamotion scheint ja das Personal nicht immer ganz zufrieden gewesen zu sein. Wie sieht die Stimmung derzeit aus?

Andreas Gruber: Wir hatten hier von Anfang an eine Startup-Stimmung - aber auch dabei geht es natürlich nicht immer ohne Hickups. Die Stimmung jetzt ist jedenfalls gut! Mir persönlich ist die Kommunikation zu den Mitarbeitern besonders wichtig. Früher wurde beispielsweise bekrittelt, dass neue Informationen oft nur aus den Medien zu erfahren waren - ich lege aber Wert darauf, dass wir die Mitarbeiter direkt informieren. Wir haben auch monatliche Staffmeetings, zu denen in den Stationen Wien, Düsseldorf, Stuttgart und München alle Piloten und Flugbegleiter eingeladen werden. Ich möchte mir dabei das Feedback direkt holen - und diese Firma mit allen gemeinsam nachhaltig entwickeln. Das Ganze gibt es auch für Technik- und Headoffice-Mitarbeiter einmal pro Monat.

Austrian Aviation Net: Gibt es ein Revival der legendären Lauda-Air-Clubbings als Laudamotion-Clubbings?

Andreas Gruber: Ja! Wir haben sogar schon ein After-Work-Event im Le Meridien in Wien gehabt und planen so etwas nun auch für die Kollegen in Düsseldorf. Wenn man hart arbeitet, soll man auch ab und zu feiern!

Austrian Aviation Net: Und wie sieht es mit Ihrer persönlichen Stimmung aus?

Andreas Gruber: Ausgezeichnet! Das ist ein tolles Projekt, an dem ich gemeinsam mit meinem Team seit fünf Monaten mit Hochdruck arbeite.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Austrian Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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