Michael O'Leary sagt Norwegian-Pleite voraus

Vereinigung Cockpit wollte Gazprom-Manager Gerhard Schröder als Schlichter.

Boeing 787-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

In den letzten Wochen und Monaten sind zahlreiche europäische Fluggesellschaften in die Pleite geflogen und die Welle scheint - wie das jüngste Beispiel Cobalt Air zeigt - nicht abreißen zu wollen. Schenkt man den Prognosen von Ryanair-Chef Michael O'Leary Beachtung, so könnte Norwegian Air Shuttle der nächste Kandidat sein, über dem der Pleitegeier schwebt.

Der Manager der irischen Billigfluggesellschaft sagte im Interview mit dem Branchenportal Airliners.de, dass seiner Meinung nach Norwegian im bevorstehenden Winter "in die Knie gehen wird". Dies würde insbesondere daran liegen, dass sich der Ölpreis im Steigen befindet und der Mitbewerber "gerade mal 15 Prozent für die kommenden zwölf Monate gehedgt" habe. Weiters: "Die konnten schon im letzten Jahr kein Geld machen, als das Öl noch billiger war, und jetzt haben die noch ein Jahr mit Rekord-Ölpreis. Die sind im Winter weg."

Auf die Frage, ob Ryanair noch Interesse an einer Übernahme habe, sagte O'Leary den Kollegen von Airliners.de: "Absolut nicht. Da sind offenbar IAG und Lufthansa im Gespräch, und die sind mehr als willkommen. Ganz allgemein wäre es für die Branche sogar gut, wenn Norwegian pleite geht." Er verwies darauf, dass in der bevorstehenden Winterflugplanperiode erhebliche Überkapazitäten vorhanden wären, die nun regelrecht verramscht würden, was zu stark sinkenden Ticketpreisen führen würde. Gleichzeitig jedoch befinde sich der Ölpreis im Steigen.

VC wollte Gazprom-Schröder als Schlichter

Während die Vereinigung Cockpit regelmäßig in Pressemitteilungen das Verhalten von Ryanair, insbesondere aber jenes von Firmenchef Michael O'Leary bezüglich der stockenden Verhandlungen um einen Kollektivvertrag für die deutschen Piloten heftig kritisiert, spielt der Manager die Situation im Gespräch mit Airliners.de regelrecht herunter und behauptet: "70 Prozent unserer Piloten und Flugbegleiter haben normal gearbeitet. Die Streiks in Deutschland waren also bislang alles andere als erfolgreich."

Hinsichtlich der Schlichtung, die laut Angaben der Vereinigung Cockpit von Ryanair verweigert wurde, kritisierte Michael O'Leary, dass diese jenen Schlichter, der bereits in Irland zum Einsatz kam abgelehnt hätten und "das lehnten die Deutschen ab - sie wollten Gerhard Schröder oder Martin Schulz. Völlig verrückt. Also vergessen wir doch die Idee der Schlichtung und treten wieder in direkte Verhandlungen. Das tun wir diese Woche auch mit Verdi und nächste Woche mit der VC."

Nützlich in die Hände spielen würde Ryanair allerdings, dass Small Planet Airlines und Primera Air in die Pleite geflogen sind. Dadurch wären Jobs weggefallen und das Personal befindet sich auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen, wovon die Iren profitieren würden. "Allein vergangene Woche haben wir 50 Piloten von Small Planet angestellt. Die Gewerkschaften merken nicht, dass es gerade keine gute Zeit ist, unbequem zu sein. Denn wenn Airlines pleite gehen, fallen eben auch Jobs weg", so O'Leary gegenüber Airliners.de. 

Der Ryanair-Chef selbst denkt jedoch langsam aber sicher an eine Zeit ohne seinen Posten in der Generaldirektion, den er bereits seit 1993 bekleidet. Zuvor war er seit Ende der 1980er Jahre schon als Berater und Manager für Firmengründer Tony Ryan tätig. Der Manager dürfte sich offensichtlich in Richtung Ruhestand sehnen, wie er im Interview mit Airliners.de andeutet: "Ich bin jetzt schon fast 60 und mache den Job seit 25 Jahren. In zwei oder drei Jahren trete ich ab. Ich will doch nicht den Rest meines kompletten Lebens bei Ryanair verbringen."

Theoretisch könnte sich Michael O'Leary anschließend seine Pension als Taxifahrer in Dublin aufbessern, denn seine private Mercedes S-Klasse hat er als Taxi zugelassen und verfügt auch über eine entsprechende Taxifahrerlizenz. Dies nicht wirklich aus finanziellen Gründen, sondern um legal die Busspuren in der irischen Hauptstadt benutzen zu dürfen...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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