Massiver Verlust für Air Berlin in 2015

Trotz eines herben Verlustes von fast einer halben Milliarde Euro versucht der Vorstand der deutschen Fluglinie das positive zu sehen.

Aktuell befindet sich Air Berlin nicht gerade im Steigflug (Foto: Air Team Images).

Die deutsche Fluglinie Air Berlin verzeichnete für das Jahr 2015 einen riesigen Verlust von 446,6 Millionen Euro. Bereits im dritten Jahr in Folge schreibt Air Berlin somit fette rote Zahlen: 2014 wurden -376,7 Millionen Euro und für 2013 315,5 Millionen Euro Verlust verzeichnet. Obwohl die Kapazität um 6,8 Prozent runtergeschraubt wurde, verringerte sich der Konzernumsatz um nur 2 Prozent auf 4.081,8 Millionen Euro (2014: 4.160,2 Millionen Euro). Die Passagiereinnahmen gingen um 2,7 Prozent auf 3.639,3 Millionen Euro (2014: 3.739,2 Millionen Euro) zurück. Die Gesamtkosten konnten jedoch nur um 1,5 Prozent auf 4.388,7 Millionen Euro gesenkt werden (2014: 4.453,9 Millionen Euro), sodass das Betriebsergebnis (EBIT) -307 Millionen Euro beträgt (2014: -293,8 Millionen Euro).

Bei solchen katastrophalen Zahlen versucht man natürlich noch etwas positives zu finden, das AB mit der Auslastung und dem Yield gelingt. So wurden um 4,6 Prozent weniger Sitzplatzkilometer verkauft (47 Milliarden, 2014: 49,3 Milliarden), jedoch mit 56 Milliarden um 5,4 Prozent weniger Sitzplatzkilometer angeboten (2014: 59 Milliarden). Dadurch stieg die Auslastung minimal – aber doch – um 0,7 Prozentpunkte auf 84,2 Prozent (2014: 83,5 Prozent). Der Yield – Umsatz pro Fluggast – konnte um 2 Prozentpunkte auf 120,31 Euro (2014: 117,90 Euro) gesteigert werden. Auch die Ancillary-Erträge (z.B. Erlöse aus der Sitzplatzreservierung oder Zusatzgepäck) konnten um 4,2 Prozentpunkte auf 191 Millionen Euro (2014: 183 Millionen Euro) gesteigert werden.

Der Vorstand sieht – dank Auslastung, Yield und Zusatzerträge – das Geschäftsjahr 2015 mit „operativ und kommerziell guten Fortschritten“. CEO Stefan Pichler: „ Obwohl airberlin im Geschäftsjahr 2015 einen Ganzjahresverlust von -446,6 Millionen Euro verbucht, zeigen die wesentlichen operativen Kennziffern in die richtige Richtung.“ Verschiedene Faktoren hätten einen negativen Einfluss auf das Ergebnis 2015, insbesondere der Codeshare-Konflikt. „Auch wenn die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg für uns und unseren Partner Etihad Airways einen positiven Ausgang hatte, so mussten wir dennoch in diesen Monaten einen Verlust in Höhe von 40 Millionen Euro verkraften“, so Stefan Pichler weiter. Zudem war Air Berlin auch von den geopolitischen Ereignissen sowie den Terroranschlägen in Ägypten und Paris betroffen.

Von der günstigen Kerosinpreisentwicklung konnte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie in 2015 aufgrund bestehender Hedging-Transaktionen verbunden mit dem starken US-Dollar nur im geringen Umfang profitieren. Die Fluggesellschaft hätte sich bereits im vergangenen Geschäftsjahr 2014 um einen Ergebnisbetrag von 200 Millionen Euro verbessern können. Stefan Pichler dazu weiter: „Im Jahr 2016 werden wir von der relativ günstigen Kerosinpreisentwicklung in Höhe von 250 Millionen Euro profitieren. Unser Ergebnis reflektiert auch Einmaleffekte aus der laufenden Restrukturierung und sonstigen betrieblichen Einmalaufwendungen in Höhe von rund 92 Millionen Euro. Darüber hinaus haben wir unsere Kapazität um sechs Prozent reduziert, was zu einer kapazitätsbedingten Verringerung unserer Erträge geführt hat.“

Pichler fasst zusammen: „Wir haben unsere Vertriebsaktivitäten reorganisiert und einen fokussierten Unternehmens- und Netzwerkansatz entwickelt. Insgesamt konnten wir zum ersten Mal seit vier Jahren die Stückerträge deutlich steigern. Im Geschäftsjahr 2015 erzielten wir dadurch ein Umsatzplus pro Fluggast in unserem Netzwerk von 2 Prozent. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Performance und Kostenstruktur im laufenden Geschäftsjahr 2016 verbessern, vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Wesentliche Treiber sind der Ausbau unserer beiden Drehkreuze in Berlin und Düsseldorf, die Vertiefung der Partnerschaft mit Etihad Airways Partners sowie Oneworld und die geringen Treibstoffpreise.

Etihad Airways steht eng an unserer Seite und Air Berlin spielt eine wichtige Rolle innerhalb dieser Partnerschaft. Unsere Fluggesellschaft hat ihrem Partner mehr als 140 Millionen Euro aus direkten Passagiereinnahmen eingebracht. Unsere Aktionäre unterstützen uns bei der grundlegenden Neuausrichtung der Air Berlin, jedoch stehen wir weiterhin vor wichtigen Entscheidungen, die ein klares Comittment aller interner und externer Stakeholder erfordern“, führt Stefan Pichler aus.

Autor: Christoph Aumüller
Redakteur
Christoph ist Absolvent des Studienlehrganges Luftfahrt der FH Joanneum Graz. Seit Mitte 2015 verstärkt er das Redaktionsteam von Austrian Aviation Net.

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