Martin Gauss: "Wir verbessern unser Liquiditätspolster"

Air Baltic will weiter in Tallinn wachsen und ist für eine Kooperation mit einem Airbus A321XLR-Operator offen. Selbst will man aber nicht auf die Langstrecke gehen.

Martin Gauss ist Geschäftsführer von Air Baltic (Foto: Thomas Ramgraber).

Die lettische Air Baltic will durch die vorzeitige Rückzahlung eines Darlehens weitere Kosten einsparen und gleichzeitig soll das Liquiditätspolster des Unternehmens deutlich erhöht werden, um in der Saisonalität des Luftverkehrs flexibler aufgestellt zu ein. Ermöglicht wird dies laut Firmenchef Martin Gauss durch eine 200 Millionen Euro schwere Anleihe, AviationNetOnline berichtete.

„Es handelt sich um eine klassische ungesicherte Anleihe mit fünf Jahren Laufzeit. Für Lettland stellt diese eine Besonderheit dar, denn es ist die höchste, die jemals ein lettisches Unternehmen erfolgreich auf dem Kapitalmarkt platzieren konnte“, so Gauss. „Das ist auch ein wichtiges Signal an andere lettische Unternehmen, denn diese können auch darauf verweisen, dass es uns eine solche Anleihe erfolgreich gelungen ist.“

Die Finanzmittel wird Air Baltic primär zur weiteren Stabilisierung des Unternehmens und insbesondere zur vorzeitigen Rückzahlung eines Darlehens mit höherem Zinssatz verwenden. „Selbstverständlich verwenden wir einen Teil auch für Anzahlungen für unsere neuen Flugzeuge, aber primär verbessern wir unser Liquiditätspolster“, so Martin Gauss.

Angesprochen darauf, ob Air Baltic vom Rückzug des estnischen Staatsbetriebs Nordica profitieren kann meinte Gauss: „Wir sind die Nummer Eins in Tallinn und werden auch weiterhin wachsen. Selbstverständlich macht es jetzt alles etwas einfacher, aber ein neuer Mitbewerber steht schon in den Startlöchern. So ist das Airlinebusiness nunmal.“ Derzeit betreibt der Carrier 10 Airbus A220-300 und erwartet im September 2019 die Übernahme der zwanzigsten Einheit. „Es ist jetzt noch zu früh über die Einlösung unserer Optionen zu sprechen, denn es besteht noch keine Notwendigkeit dafür. Wir haben noch nicht mal alles Maschinen unserer Order ausgeliefert bekommen, aber im Rahmen unseres Businessplans werden wir dann mit Airbus darüber sprechen, wenn es soweit ist“, erklärt der Air-Baltic-Chef.

Auch kann sich Martin Gauss vorstellen, dass sich durch das neue Langstreckenmuster Airbus A321XLR neue Chancen für das Baltikum ergeben können. So könnte es durchaus einen oder mehrere Carriers geben, die beispielsweise Riga-New York aufnehmen könnten. „Wir selbst haben keine Pläne auf die Langstrecke zu gehen, aber über eine Codeshare-Zusammenarbeit würden wir mit einem solchen Anbieter auf jeden Fall verhandeln. Das wäre aus meiner Sicht für beide Seiten eine Win-Win-Situation, denn wir könnten dann Anschlüsse und Feeder anbieten. Ab 2023 steht das Muster zur Verfügung und dann wird sich zeigen, ob und wann sich ein Betreiber von Nonstop-Langstrecken in das Baltikum findet. Wir haben bereits heute 22 Codeshares und unzählige Interlinings, also wir sind für eine Zusammenarbeit offen.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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