Maribor braucht bald neuen Betreiber

Slowenisches Verkehrsministerium kritisiert chinesische SHS Aviation heftig und feuert den Generaldirektor für Luft- und Seefahrt.

Terminal in Maribor (Foto: Martin Metzenbauer).

In Slowenien gehen derzeit im Zusammenhang mit dem Flughafen Maribor die Wogen hoch, denn das Verkehrsministerium ist nicht mehr gut auf SHS-Aviation zu sprechen, denn es wird vorgeworfen, dass die chinesischen Eigentümer Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe angekündigt hätten und nicht einmal zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung bereits um staatliche Zuschüsse angesucht hätten. Dazu kommt noch, dass die Miete für den Flughafen Maribor über "weite Zeiträume" gar nicht bezahlt wurde, so das slowenische Verkehrsministerium weiters in einer öffentlichen Erklärung.

SHS Aviation sicherte sich mit großen Ausbauankündigungen vor einer Zeit den Zuschlag für den Betrieb des Marburger Flughafens. Es sollten rund 660 Millionen Euro investiert werden und der kleine Airport sollte sich in ein Drehkreuz für China-Flüge verwandeln. Die operative Tochtergesellschaft für den Flughafen Maribor ist die "Aerodrom Maribor". Doch es kam alles anders, denn SHS Aviation Konkurs anmelden und davon betroffen waren auch VLM Slovenia und die belgische VLM. Der einstige Zukauf VLM Brussels wurde zwar verkauft, flog jedoch ebenfalls in die Pleite.

Laut lokalen Medienberichten soll die Stadt Maribor bereits im Herbst 2018 die Verantwortlichen der SHS Aviation zur Zukunft des Flughafens zur Rede gestellt haben. Damals sollen liquide Mittel in der Höhe von 12,8 Millionen Euro nachgewiesen worden sein, jedoch kurz darauf stellte man an den Staat ein Gesuch um Unterstützung in der Höhe von 3,2 Millionen Euro. Bereits zuvor soll - so eine Erklärung des Verkehrsministeriums - die Miete schon länger nicht mehr bezahlt worden sein. Nachdem der slowenische Staat die Beihilfe ablehnte, kündigte SHS Aviation den Mietvertrag und "packte die Koffer", wie lokale Medien titeln.

"Weniger als zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung beantragten sie staatliche Beihilfen, sie zahlten seit einiger Zeit keinerlei Verpflichtungen aus dem Mietvertrag, und es wurde oft öffentlich über ihre finanziellen Probleme berichtet, das weit von optimistischen Prognosen und Zusagen bei der Unterzeichnung entfernt ist", ist in einer Erklärung des slowenischen Verkehrsministeriums zu lesen.

Doch auch innerhalb der slowenischen Regierung bzw. Verwaltung kam es zu Konsequenzen, denn einst soll sich Mirko Komac, Generaldirektor der Direktion Luft- und Seeverkehr, für die chinesische Lösung mit SHS Aviation für den Flughafen Maribor stark gemacht haben. Slowenische Medien sagen ihm gute Kontakte in das Reich der Mitte nach. Lokale Medien berichten nun, dass der Verkehrsminister verfügt habe, dass Komac seinen Schreibtisch ausräumen muss.

Dennoch nimmt Slowenien nun die SHS-Tochter Aerodrom Maribor in die Pflicht, wie aus einer offiziellen Erklärung zu entnehmen ist: "Die derzeitige Führung des Ministeriums für Infrastruktur hat sich aktiv um die Suche nach langfristigen Lösungen für das erfolgreiche Wachstum und die Entwicklung des Flughafens Maribor bemüht, und daher lehnen wir die Beschwerden über mangelnde Bereitschaft ab. Wir können keine Haftung für unrealistische Zusagen in der Vergangenheit übernehmen und lehnen den Antrag auf staatliche Beihilfen ab, da Aerodrom Maribor die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen nicht erfüllt. Das Ministerium hat wiederholt seine Bereitschaft geäußert, geeignete Lösungen zu finden, es ist jedoch notwendig, diejenigen zu finden, die für ein möglichst breites Spektrum von Interessengruppen am besten geeignet sind, und nicht nur eine Seite. Gleichzeitig stellen wir fest, dass der bestehende Mietvertrag für beide Parteien bindend ist und nicht geändert werden kann. Für Änderungen ist es erforderlich, eine neue öffentliche Ausschreibung zu veröffentlichen, einen neuen Mieter auszuwählen und mit ihm einen neuen Vertrag abzuschließen. Wie bereits erwähnt, wird das Ministerium für Infrastruktur seine Aktivitäten fortsetzen, um das am besten geeignete Modell für die Entwicklung des Flughafens zu finden. Das Verfahren zur Auswahl der besten Option für die Entwicklung des Flughafens sowie zur Diskussion des Interesses an der Investition privater Gelder in die öffentliche Infrastruktur des Flughafens Edvard Rusjan Maribor sowie der Aktivitäten im Zusammenhang mit dem nationalen Raumplan für diesen Bereich ist im Gange. Das Ministerium geht davon aus, dass Aerodrom Maribor die Bedingungen des Mietvertrags einhalten wird, wobei die Kündigungsfrist von 6 Monaten eingehalten wird und während dieser Zeit alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllt werden".

Demnach deutet also in Maribor alles darauf hin, dass in Kürze mittels Ausschreibung ein neuer Betreiber für den Regionalflughafen gesucht werden muss oder Stadt bzw. Staat den Airport wieder selbst betreiben müssen. Am Willen des Fortbestands bestehen zum heutigen Zeitpunkt keine offensichtlichen Zweifel.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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