Lufthansa vor großem Eurowings-Umbau

Teilkonzern soll weniger komplex und kostengünstiger werden.

Airbus A330 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Das Lufthansa-Billigbrand Eurowings ist insbesondere davon geprägt, dass die Flüge von einer nahezu undurchschaubaren Anzahl an konzerneigenen und externen Subunternehmern durchgeführt werden. Wurde noch vor einigen Monaten seitens der Konzernführung der Wettbewerb unter den Plattformen als positives Asset hervorgehoben, so scheint Carsten Spohr nun einen anderen Weg einzuschlagen.

Ein bisschen erinnert die Vielfalt an Flugbetrieben, die im Auftrag der Eurowings unter EW-Flugnummern fliegen, an die Blütezeit des Team Lufthansa (später Lufthansa Regional), das sich insbesondere aufgrund der Vielzahl der formell eigenständigen AOCs - teilweise Kranichtöchter, teilweise extern - als ineffizient und insbesondere teuer erwiesen hatte.

Carsten Spohr kündigte bereits vor einigen Wochen an, dass er die Anzahl der Flugbetriebe, die unter EW-Flugnummern in der Luft sind, reduzieren möchte. Sofern diese Entscheidung auch tatsächlich umgesetzt werden sollte, wird dies insbesondere Kosteneinsparungen bringen, denn für jedes einzelne AOC müssen alle vorgeschriebenen Positionen und Dokumentationen separat erfüllt werden. Bei Eurowings kann man nicht von Doppel- oder Dreifachgleisigkeiten sprechen, sondern eher von absoluten Mehrfachgleisigkeiten.

Die Luftfahrtgesellschaft Walter ist dem Vernehmen nach der erste konzerneigene Flugbetrieb, der abgebaut werden könnte. Zunächst werden die Airbus-Jets, die zuvor von Air Berlin betrieben wurden, an Germanwings und zum Teil auch an Eurowings Europe übergeben. Auch die Dash 8-Q400-Flotte wird schrittweise reduziert. Kurz gesagt: Wenn die kanadischen Turbopropflugzeuge nicht mehr benötigt werden, dürften bei LGW die Lichter ausgehen.

Für Germanwings scheint offensichtlich das Motto "Totgesagte leben länger" zu gelten, denn dieser Flugbetrieb sollte - so man ursprüngliche offizielle Erklärungen betrachtet - längst geschlossen sein. Zuletzt gab das Kranich-Management allerdings eine Bestandsgarantie bis mindestens Juni 2022 ab. Auch wird die Flotte nun wieder aufgestockt bzw. ältere Maschinen werden ausgemustert. In den letzten Jahren hatte Germanwings nämlich - im direkten Vergleich mit Konzernschwestern - nur geringe flottentechnische Neuzugänge zu verzeichnen.

Eurowings Europe wurde gegründet, um außerhalb Deutschlands wachsen zu können. Allerdings ist mit Ausnahme von Österreich und Palma de Mallorca bislang nicht sonderlich viel passiert. Auch muss die Basis München an Konzernschwester Germanwings übergeben werden. Besonders der Vereinigung Cockpit ist dieser Flugbetrieb ein Dorn im Auge, da aufgrund des Firmensitzes in Österreich keine direkte Einflussmöglichkeit besteht. Für Eurowings Europe konnten die Sozialpartner allerdings einen Kollektivvertrag für die Beschäftigten in der Alpenrepublik abschließen. Dieser gilt nicht für die Stützpunkte München und Palma de Mallorca. Bei der österreichischen Airline steht ein moderates Flottenwachstum an, wobei die Expansion ab Wien in den letzten Monaten deutlich langsamer erfolgt ist. Dies betrifft sowohl Neueinflottungen als auch Routen, denn Eurowings zog sich wettbewerbsbedingt von diversen Routen zurück. Die Konzernführung will am heimischen Ableger festhalten und mit diesem weiterhin außerhalb Deutschlands und Belgiens wachsen.

Die Tochtergesellschaft Brussels Airlines soll schrittweise gänzlich auf Eurowings umgestellt werden, jedoch hält man deren eigenes Brand noch immer für regional sehr stark und geht es daher äußerst langsam an. Anzunehmen ist, dass möglicherweise einige ausgewählte Routen noch für eine lange Zeit unter dem Brussels-Brand bedient werden könnten, während das Kurz- und Mittelstreckennetz zügig umgeflaggt werden könnte. Die Belgier betreiben diverse Langstreckenmaschinen der Typen A330 und A340 unter dem Eurowings-Brand und sollen laut diversen öffentlichen Äußerungen des Lufthansa- und Eurowings-Managements das Kompetenzzentrum für die Eurowings-Langstrecke werden. Dies führt bereits seit längerer Zeit zu Spekulationen, das dies zu Lasten der SunExpress gehen konnte. Bislang wird dies allerdings sowohl von Eurowings als auch vom Lufthansa-Turkish-Airlines-Joint-Venture dementiert.

Mit SunExpress Deutschland wurde die Langstrecke gestartet. Zuletzt wurden neue Routen allerdings mit Maschinen von Brussels Airlines aufgenommen. Von offizieller Seite her wird stets auf die Langfristigkeit der Wetleaseverträge verwiesen. Während bei der belgischen Schwester sukzessive eine Businessclass ausgerollt wird, soll diese bei SunExpress Deutschland nicht nachgerüstet werden. Die Zukunft der Zusammenarbeit ist für Brancheninsider etwas undurchsichtig, jedoch betont Firmenchef Jens Bischof, dass gar eine Ausweitung angedacht wäre.

Eurowings Deutschland ist jene Plattform, über die der gesamte Vertrieb abgewickelt wird. Nebst dem eigenen Flugbetrieb ist das Unternehmen auch Auftraggeberin der konzerninternen und externen Wetleases. Die einstige Regionalfluggesellschaft steht daher in keiner Art und Weise zur Diskussion.

Extern ist beispielsweise Tuifly für Eurowings tätig. Der Vertrag über sieben Boeing 737 läuft noch bis Ende der Winterflugplanperiode 2021/22. Wie es danach mit der Zusammenarbeit weitergehen wird, ist noch offen. Sofern im eigenen Konzern ausreichende Kapazitäten zur Verfügung stehen, könnte dieser auslaufen.

Auf die Dienstleistungen von CSA Czech Airlines setzt man bei Eurowings ebenfalls gerne. Die Travel-Service-Tochter flottet ihren Flugbetrieb, der auf eigene Rechnung erbracht wird, derzeit von Airbus auf Boeing um. Der Vertrag läuft zwischen zwölf und 18 Monaten (je nach Flugzeug) und ist derzeit auf fünf Airbus A319 vereinbart. Diese sollen überwiegend ab Stuttgart und Düsseldorf eingesetzt werden, wo sich mit Laudamotion ein preisaggressiver Mitbewerber niederlässt. Vereinfacht gesagt kann dies auch dahingehend gedeutet werden, dass sich Eurowings mit dem zusätzlich angemieteten Fluggerät in Stellung bringen möchte.

Weitere Wetlease-Flugzeuge sind für Eurowings im Regelfall auf Basis kurzfristiger Verträge im Einsatz. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und reichen von der übergangsweisen Überbrückung von Kapazitätsengpässen über Personalmangel bis hin zu schnellen Reaktionen auf Wettbewerber. Am Anmieten externer Maschinen zu derartigen Zwecken wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch langfristig nichts ändern, da es ein branchenüblicher Vorgang ist.

Wagner und Förster teilen kommerzielle Agenden auf

Da Eurowings laut den offiziell von Lufthansa veröffentlichten Finanzahlen Verluste einfliegt, sollen kurzfristig einige Organisationsänderungen zu Kosteneinsparungen führen. Beispielsweise wird Geschäftsführer Oliver Wagner nicht mehr den Verkauf von Langstreckenflügen leiten, sondern laut FVW wandert diese Aufgabe zu Brussels-Airlines-Chefin Christina Förster. Hintergrund ist, dass bei der belgischen Lufthansa-Tochter das bereits erwähnte Langstrecken-Kompetenzzentrum aufgebaut wird.

Wagner wird weiterhin die kommerziellen Agenden der Kurzstrecke verantworten und künftig den Jobtitel "Chief Commercial Officer Europe" tragen. Seite Kollegin Förster wird als "Chief Commercial Officer Long Haul"tätig sein. Durch die Aufgabenteilung soll eine bessere Konzentration auf das jeweilige Kerngeschäft erfolgen können.

Laut FVW sollen auch Einkauf und Lohnbuchhaltung neu strukturiert und zentralisiert werden. Lufthansa-Vorstandsmitglied Thorsten Dirks geht davon aus, dass durch eine Kombination aller Maßnahmen Kostensenkungen erzielt werden können. Weiters gegenüber der Börsenzeitung: "Wir haben nun eine Größe erreicht, bei der es sehr deutliche Kostensenkungen geben wird."

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...
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