Lufthansa: Strahlende Gewinne und Demut

Details am Rande der Bilanzpressekonferenz.

Boeing 747-8 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Strahlende Gesichter, Anzüge fast in der neuen Lufthansa-Farbe und viel gute Laune - so spiegelt sich in der Lufthansa Zentrale in Frankfurt das Rekordergebnis von 2017 wieder. Das dritte in Folge. Lufthansa CEO Carsten Spohr: „Der Konzern steht stabil auf den 3 Säulen Netzwerk Fluglinien, Punkt zu Punkt Fluglinien und Aviation Services“, sagt Spohr und er gibt gleich die Devise für die nächsten Jahre vor: „Kosten senken, Qualität heben“.

Die Netzwerk-Fluglinien profitieren von der guten Wirtschaftslage, alle konnten ihre Gewinne stark steigern. Die Stückkosten sinken, die Erträge steigen. Bei den Punkt zu Punkt Fluglinien läuft es bei Brussels Airlines nicht wie erwartet, „Maßnahmen wurden eingeleitet“, sagt Spohr, ohne konkret zu werden. Für Eurowings war 2017 das Jahr mit riesigem Wachstum nicht der Gewinne. Aber die Fluglinie „steht vor großen Synergie- und Effizienzpotentialen“, freut sich Spohr. Schon 2018 soll da die erste Ernte eingefahren werden. Bis 2019 soll Eurowings 210 Flugzeuge betreiben und dann die 2. größte Fluglinie im Konzern sein. 

Die Übernahme von Flugzeugen, Personal und Strecken aus dem Nachlass von Air Berlin war für Eurowings nach Aussage von Spohr übrigens ein Nullsummenspiel, zusätzliche Kosten und Erträge hielten sich die Waage. Dass die Auslastung der Flugzeuge bei Ryanair vielmhöher ist als bei Eurowings, stört Spohr nicht. „Wir optimieren nach Umsatz pro Flug, nicht nach Auslastung wie Ryanair, und der ist doppelt so hoch wie bei Ryanair.“

Die gute Wirtschaftslage will die Lufthansa als Basis für weitere Modernisierung des Unternehmens nutzen. Neue Flugzeuge, neue Kabinen und besseres Service sollen sicherstellen, dass man auch in Zukunft wettbewerbsfähig ist.

Carsten Spohr rechnet mit einer weiteren Konsolidierung in der Luftfahrt. Es habe 2017 drei Pleiten gegeben, obwohl es eines der besten Jahre für die Luftfahrt überhaupt war. Als Plattform soll Eurowings dienen, sprich mögliche Zukäufe dienen dem Wachstum der Fluglinie. AlItalia will man, aber nur restrukturiert. Aber wegen der Regierungsbildung in Italien werde es mit einer Entscheidung noch dauern. Mit SAS werde gesprochen, mehr aber auch nicht.  Man werde den Markt beobachten, so Spohr.

Weil der Flughafen Frankfurt teuer ist und überlastet, verlegt die Lufthansa ab Samstag 5 A380 nach München. Allein für den Sommerflugplan werden so 200.000 Passagiere von Frankfurt nach München verlagert. Ob noch mehr Flugzeuge verlegt werden können? „Das hängt vom Kunden und von den Verhandlungen mit dem Flughafen Frankfurt ab“, so Spohr.

Für 2018 erwartet Spohr nicht das 4. Rekordergebnis in Folge. Hauptgrund sind steigende Treibstoffpreise. Auf die Frage, ob es nicht riskant sein, dass die Fluglinien expandieren und investieren, als ob es kein Morgen gebe - die nächste Krise aber bestimmt komme? Lufthansa sei darauf vorbereitet, sagt Spohr. Bereits abgeschriebene Flugzeuge könnten problemlos stillgelegt werden, und beim Personal gebe es verschiedene Modelle, um es reduzieren zu können. Genau weil es große Herausforderungen gibt in den globalen Entwicklungen, schwinge bei aller Freude über Erfolge „immer auch Demut mit“, schließt Spohr. 

Fakten auf einen Blick:

Konzernumsatz: 35,5 Milliarden Euro
Bereinigtes EBIT: 2,97 Milliarden Euro (LH 1,62 Milliarden; Swiss 542 Millionen, Austrian 94 Millionen)
Reingewinn: 2,36 Milliarden Euro
Anteil der Netzwerkfluglinien Lufthansa, Swiss und Austrian am Umsatz: 63,3 Prozent
Anteil der Punkt zu Punkt Fluglinien Eurowings und Brussels Airlines am Umsatz: 11,4 Prozent
Konzernmitarbeiter: 129.000
Konzernflugzeuge: 728 Stück
Durchschnittsalter: 11,4 Jahre
Flugzeugbestellungen mit Auslieferung bis 2025: 61 Langstreckenflugzeuge, 122 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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