Lufthansa schluckt LGW, Niki und 20 AB-Jets

Verhandlungen mit Easyjet noch nicht abgeschlossen.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Erwartungsgemäß wurde der Kaufvertrag zwischen Lufthansa und Air Berlin unterzeichnet. Dieser beinhaltet die Tochtergesellschaften Niki und Luftfahrtgesellschaft Walter sowie die Übernahme von 20 Mittelstreckenjets der A320-Baureihe. Das Board of Directors der Air Berlin PLC erteilte bereits am Mittwoch die formelle Zustimmung.

„Wir freuen uns, dass wir mit der Lufthansa-Group einen starken Partner gefunden haben. Umso mehr, als wir in so kurzer Zeit eine Einigung über den Kauf einen bedeutenden Teils des Unternehmens der Air Berlin erzielen konnten. Wir sind zuversichtlich, dass nun mehrere Tausend Air Berlin-Mitarbeiter eine neue Heimat in der Lufthansa-Group finden werden. Jetzt geht es darum, auch mit anderen Bietern die Verträge unterschriftsreif auszuhandeln“, erklärt Generalhandlungsbevollmächtigter Franz Kebekus.

Die Transaktion muss noch durch den Sachwalter im Insolvenzverfahren, den Gläubigerausschuss, diverse Wettbewerbsbehörden sowie die EU-Kommission abgesegnet werden. Experten rechnen bereits mit einer vertieften Prüfung durch Brüssel, die durchaus länger dauern könnte.

„Mit der Übernahme der Flugzeuge geht auch die soziale Verantwortung für die Arbeitsplätze an die neuen Eigentümer über. Diese müssen diese Verantwortung jetzt auch wahrnehmen und dürfen sich nicht wegducken. Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40% hinnehmen müssen – so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert. Das hat mit sozialer Verantwortung nichts zu tun und zeigt erneut, dass es hier anscheinend nur darum gehen soll, die Arbeitnehmer zu maximal günstigen Konditionen zu übernehmen“, so Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit.

Air Berlin wird – wie berichtet – den Flugbetrieb unter AB-Flugnummern spätestens zum 28. Oktober 2017 endgültig einstellen. Die letzten verbliebenen Langstrecken müssen aufgrund des Rückzugs von Fluggeräts des Typs A330 (seitens der Leasinggeber) bereits am 15. Oktober 2017 aufgegeben werden.

In einer Medienaussendung erklärt Air Berlin, dass ohne den umstrittenen KfW-Bank-Kredit in der Höhe von 150 Millionen Euro der Flugbetrieb am 12. oder 13. August 2017 hätte eingestellt werden müssen. Der Carrier rechnet eigenen Angaben nach damit, dass das Darlehen, für das die Bundesrepublik Deutschland bürgt, vollständig zurückbezahlt werden kann.

„Heute sind wir einen großen Schritt vorangekommen. Durch diesen Vertrag ergeben sich neue Arbeitsplatzchancen für einen großen Teil unserer Kollegen. Aufatmen können wir jedoch erst, wenn die EU-Kommission die Transaktion final bestätigt hat. Den heutigen Verhandlungsstand konnten wir nur mit der schnellen Überbrückungshilfe der Bundesregierung erreichen. Andernfalls hätten wir am Wochenende 12./13. August 2017 die Flotte grounden müssen. Dies hätte den unmittelbaren Arbeitsplatzverlust für alle Mitarbeiter bedeutet“, erklärt Konzernchef Thomas Winkelmann.

„Die vergangenen Wochen waren äußerst stressig für die Angestellten der Air Berlin und nur durch deren absolut professionellen Einsatz konnte der Flugbetrieb der Air Berlin aufrechterhalten werden. Daher sollten die Gespräche mit den neuen Eigentümern zügig beginnen, denn nur dadurch können für die Kollegen wieder dringend benötigte Zukunftsperspektiven geschaffen werden“, sagt VC-Sprecher Markus Wahl.

Bezüglich der Verhandlungen mit Easyjet konnte noch kein positiver Abschluss erzielt werden. Air Berlin erklärt dazu, dass die Verhandlungen noch andauern würden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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