Lufthansa plant wohl neue Struktur

Der Kranich-Konzern prüft laut einem Bericht den Umbau in eine Holding. Treiber dürfte auch die angespannte Lage an der Börse sein.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Der Lufthansa-Konzern reagiert offenbar auf die anhaltende Kritik von Investoren in den vergangenen Monaten. So prüft der Vorstand einen Umbau des Kranichs in eine Holding, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Mitarbeiter der Führungsebene. Ein Lufthansa-Sprecher dementierte die Pläne nicht, sagte aber, dass man in regelmäßigen Abständen die gegenwärtigen Strukturen überprüfe, "um die Zukunftssicherheit sicherzustellen", so das Blatt.

Konkret geht es darum, die Komplexität der Lufthansa zu verringern. So soll die Verwaltung verschlankt werden, weil die bisherige Matrixstruktur ausgehend von vier Kern-Hubs ineffizient sei, heißt es. Es gibt zwar Airline übergreifende Kompetenzzentren für verschiedene Bereiche - allerdings jeweils vier.

Kerngedanke des Umbaus: Unter dem Dach einer Holding sollen sich die einzelnen Marken freier bewegen und so höhere Gewinne erzielen - ähnlich der Struktur des Konkurrenz-Konzerns IAG (British Airways und IAG). Noch befindet sich die Planung laut "Handelsblatt" aber im Anfangsstadium.

Große Herausforderungen
Das wäre ein größerer Umbau, denn bislang ist der Lufthansa-Konzern eng mit der Kranich-Hauptmarke verzahnt. Bilanztechnisch bedeutet der Umbau auch einen Kraftakt: Der Konzern müsste die stillen Reserven offenlegen und versteuern. 

Getrieben wird das Vorhaben wohl von CEO Carsten Spohr selbst. "Er merkt, dass er nicht unantastbar ist", zitiert das Blatt einen Lufthanseat. Als Aufsichtsratsmitglied des Industriekonzerns Thyssen-Krupp musste Spohr feststellen, wie sehr die Macht der Kontrolleure eingeschränkt wird, wenn aktivistische Investoren an Bord kommen.

Marktkapitalisierung spiegelt nicht Unternehmenswert wieder
Auch diese Gefahr droht Lufthansa. So stehen allein Ersatzteile und Flugzeuge des Konzerns mit 19 Milliarden Euro Wert in den Büchern - an der Börse kommt die Group aber gerade einmal auf eine Kapitalisierung von rund sieben Milliarden Euro. Dass diese Differenz Heuschrecken anlockt, weiß auch Spohr.

Auch sollen mehrere Aktionäre am Rande der Hauptversammlung "Tacheles" mit dem Vorstandschef geredet haben, berichtet das Blatt. Von den Plänen eines Komplettumbaus wollte Spohr auch kurz danach nichts wissen: "Da, wo es sinnvoll ist, etwa beim Flugzeugeinkauf, agieren wir wie eine Holding. Da, wo es nicht nötig ist, eben nicht.

Nach einer Gewinnwarnung und enttäuschenden zahlen im ersten Quartal verlor Lufthansa an der Börse innerhalb weniger Stunden eine Milliarde Euro an Wert. Am Dienstag legt Lufthansa den Halbjahresbericht vor - die Aktionäre befürchten nichts Gutes. Deren fehlendes Vertrauen wird zum Bremsklotz für Spohr: Von weiteren Zukäufen im Format der Übernahme der Air-Berlin-Reste raten Fondsvertreter öffentlich ab. Die Wachstumspläne für Eurowings strich der Konzern zusammen, berichtete AviationNetOnline.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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